Gelsenkirchens Linke sorgen sich um den Zulauf zur rechten Front

Linken-Sprecher Hartmut Hering (l.) interviewt den Vorsitzenden der Ratsfraktion, Martin Gatzemeier.
Linken-Sprecher Hartmut Hering (l.) interviewt den Vorsitzenden der Ratsfraktion, Martin Gatzemeier.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Gelsenkirchener Linken baten zum Neujahrsempfang. Fraktionschef Martin Gatzemeier gab dabei auch einen Einblick in seine Gefühlswelt aus dem Ratssaal.

Gelsenkirchen.. Wenn Die Linken sich treffen, unterscheidet sich schon das Erscheinungsbild von anderen Parteien. Die Geschlechter sind gleichmäßig vertreten: Das war beim Neujahrsempfang in der Parteizentrale an der Wildenbruchstraße nicht anders. Auch wenn bei legerer Kleidung und einem köstlichen Buffet die lockere Unterhaltung gepflegt wurde, gab es zum Jahresauftakt auch reichlich politischen Stoff.

Der zunehmende Zulauf zur rechten Front beunruhigt die Partei. Das Mittel gegen die Angst sei der Kampf gegen Vorurteile und Rassismus, meinte Parteisprecher Hartmut Hering. Mit einem Kästner-Zitat wollte er Bürger und politische Akteure wach rütteln.: „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“ Demonstrationen gegen Pegida am 12. und 18. Januar sollten als antirassistische Sternmärsche den Widerstand ausdrücken.

Einblick in die Gefühlswelt

Fraktionschef Martin Gatzemeier gab einen Einblick in seine Gefühlswelt aus dem Ratssaal. Man fühle sich von den anderen Fraktionen häufig links liegen gelassen, wobei Berührungsängste wohl von allen Seiten bestünden. Diffamiert fühlten sich die Linken nicht, wenngleich sie das mitunter oberlehrerhafte Auftreten der Grünen störe. Einigkeit herrsche beim Umgang mit den Rechten, die alle Fraktionen rechts liegen ließen. Mehr Widerstand von Abgeordneten in der EU und im Bund wie von Bürgern erwartet Ratskollegin Bettina Peipe im Zusammenhang mit dem transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP, das in geheimer Mission ausgehandelt werde.

Beim Widerstand gegen das Tarifeinheitsgesetz fanden die Linken einen prominenten Mitstreiter. Auch der 1. IG-Metall-Bevollmächtigte Robert Sadowsky, der als Gast eingeladen war, lehnt das Gesetz ab. Arbeitgeber könnten einen Betrieb nach dem anderen ausgliedern, Tarifverträge unterlaufen und eine Organisation gegen die andere ausspielen, referierte er.

Schließlich gaben die Linken-Ratsmitglieder noch ihre politischen Neujahrswünsche preis. Pegida dürfe in Gelsenkirchen nicht Fuß fassen, Zuwanderer brauchten mehr Hilfe, die Zunahme an Altersarmut müsse gestoppt werden.