Gelsenkirchenerin übernimmt als Chefin früh Verantwortung

Spezialanfertigungen und Kleinserien werden bei Wowi konstruiert, gebaut und montiert. Seit 25 besteht die Firma in Gelsenkirchen.
Spezialanfertigungen und Kleinserien werden bei Wowi konstruiert, gebaut und montiert. Seit 25 besteht die Firma in Gelsenkirchen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach dem Tod ihres Vaters übernahm Andrea Müller mit 26 Jahren als junge Ingenieurin die Regie bei Wowi. Der Metallbetrieb wird 25 Jahre alt.

Gelsenkirchen..  In diesen Tagen rollt Andrea Müller ihren Kunden in Heßler den roten Teppich aus. Wowi, ihre Firma für Maschinenbau, Vorrichtungs- und Stahlbau wird 25 Jahre alt. „Das 20-Jährige haben wir als eine Art Beachparty gefeiert“, diesmal holt sich die Chefin Musical-Sänger und Stunt-Akteure ins „Haus“. Eine unterhaltsame Ausnahme in einer stahlharten Branche, in der die 43-Jährige ein wenig eine Exotin ist: als Ingenieurin, als Geschäftsführerin eines Metallbetriebs, als Frau an der Spitze.

Wowi, das steht für Wolfgang Willert. 1978 gründete der Vater von Andrea Müller sein Ingenieurbüro, 1990 schließlich die Firma für Maschinenbau und Fertigung. „Von der Konstruktion über die statische Berechnung bis zur Montage haben wir immer schon alles gemacht“, sagt Müller. Kunden waren früh der Bergbau, aber auch Weltunternehmen wie Thyssen.

Die heutige Chefin liebäugelte nach dem Abitur noch beruflich mit bildender Kunst, nach einem Praktikum in einem Konstruktionsbüro stand aber für sie fest. „Das ist mein Ding, das studiere ich. Das habe ich dann auch durchgezogen. Ich war eine von drei Frauen im gesamten Studiengang.“

Abschluss an der Fachhochschule in Gelsenkirchen

1995 hatte Müller den Ingenieurabschluss an der Fachhochschule in Gelsenkirchen in der Tasche. Ihr Vater war damals geschäftlich auf dem Sprung, das Unternehmen neu aufzustellen. Er dachte, plante und baute groß. Im Gewerbegebiet An der Landwehr entstand die 40 mal 20 Meter große Fertigungshalle mit der Zehn-Tonnen-Kranbahn.

„Sie war gerade fertig und mit Maschinen eingerichtet, der Bürotrakt stand erst im Rohbau, da ist mein Vater 1997 gestorben. Mit 47 Jahren.“ Mit 26 Jahren hat Andrea Müller darauf die Regie im Betrieb übernommen. „Viele der Mitarbeiter haben mich ja sozusagen aufwachsen sehen. das war nicht ganz einfach damals“, erinnert sie sich an ihre persönliche Startphase und lange Arbeitstage. Auch heute ist die Geschäftsführerin stark eingespannt. Ein Vorzimmer? Fehlanzeige. Und so ist die Chefin auch ihre eigene Sekretärin, schreibt die Lieferscheine, regelt das „Administrative, das Kaufmännische“ und hat sich ein gutes Stück vom Technischen entfernt.

Opernbühne für die Ruhrtriennale

2004 hat Müller schließlich ihren Mann geheiratet, 2005 kam die Tochter zur Welt. „Seither läuft alles rund. Ich habe einen guten Werkstattleiter“, lacht die 43-Jährige. Großformatige Fotos im Büro der Chefin zeigen, wo Wowi in den letzten Jahren aktiv war: Zu sehen sind großformatige Module für den Generatortransport, Anlagen für Kokerei-Bedienmaschinen, aber auch die Hörsaalgroße Stahlgerüstkonstruktion, die bei der Ruhrtriennale in der Bochumer Jahrhunderthalle als bewegliche Bühne zum Einsatz kam.

„Wir arbeiten für die unterschiedlichsten Bereiche und decken ein breites Spektrum ab“, sagt Müller. Wowi hat sich dabei auf Sonderteile und Kleinserien spezialisiert. „Bei Großserien, hohen Stückzahlen und Billigprodukten“ könne und wolle man nicht mithalten, sagt die Geschäftsführerin. Und: „Wir sind deshalb auf dem Markt, weil wir flexibel sind.“