Gelsenkirchener Unternehmer will jungen Flüchtlingen helfen

Besichtigung der Schreinerei.
Besichtigung der Schreinerei.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit einer ungewöhnlichen Facebook-Offerte sorgte Unicblue-Chef Franz Przechowski Anfang März für Wirbel. Er ließ sich nicht beirren – und hatte Donnerstag zehn potenzielle Bewerber zu Gast

Gelsenkirchen.. Anfang März sorgte Franz Przechowski für Schlagzeilen: Der geschäftsführende Gesellschafter der Unicblue GmbH mit Sitz an der Zechenstraße in Rotthausen hatte auf eher untypische Weise auf Facebook ein Ausbildungsangebot offeriert – ausgewiesenermaßen an zwei junge Flüchtlinge.

Er hatte seine Intention auch gleich mit gepostet: „Wir empfinden es als unsere humanitäre Pflicht, Menschen, die unter Lebensgefahr aus ihrer Heimat fliehen mussten, eine Chance zu geben. Ohne Berufsausbildung und deutsche Sprachkenntnisse wird die Integration dieser Menschen scheitern.“ Ehrlicherweise hat er eine gewisse Unsicherheit auch gleich eingeräumt: „Weil wir zum ersten Mal auf diese Gruppe zugehen, fehlen uns die Erfahrung bei gesetzlichen Vorschriften und Ansprechpartner bei der Kommunikation.“

ELNet vermittelte den Kontakt

Jetzt gibt es die Fortsetzung der Geschichte. Denn neben einer Reihe beleidigender Kommentare bekam Franz Przechowski durch sein Facebook-Posting auch positiven Zuspruch – und schließlich Kontakt zu ELNet, dem Integrationsprojekt für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge Emscher-Lippe. Am Projekt nehmen unter anderem Flüchtlinge teil, die eine Qualifizierung, Ausbildung oder Arbeit suchen und länger als neun Monate in Deutschland leben. Eine geradezu perfekte Win-Win-Situation also.

Und die mündete gestern im ersten Zusammentreffen von zehn jungen Leuten aus Gelsenkirchen (6) und Recklinghausen(4) und Unicblue-Chef Przechowski. Die jungen Erwachsenen stammen aus Eritrea, Afghanistan, Guinea, Syrien, Albanien und aus dem Iran. Die meisten sprechen ausreichend deutsch, um Begrüßung und Einführung des Chefs zu verstehen. Perfektes Deutsch setze er auch gar nicht voraus, sagte der Unternehmer, der mit seinem multimedialen Werbe-Unternehmen Kunden wie Evonic, RWE, VW oder Audi bedient – weltweit. Die zehn potenziellen Bewerber, unter ihnen eine junge Frau, bekamen neben einer Einführung ins Unternehmen und einem Besuch der Produktionsabteilungen vor allen Dingen einen Einblick in die Firmenphilosophie. „Wir machen seit über 30 Jahren erfolgreiche Markenkommunikation in allen relevanten Kanälen. Immer emotional, oft überraschend, aber niemals aus Routine.“ Die Menschen, die in seiner Firma arbeiten – insgesamt 78 an den Standorten Gelsenkirchen, Basel und Shanghai, 67 von ihnen in GE – würden den Charakter des Unternehmens ausmachen.

Przechowski wählte über die normale Firmenpräsentation hinaus eine sehr persönliche Ansprache an seine jungen Besucher. „Wir können im Rahmen unserer Möglichkeiten etwas für euch tun. Für ein Leben in Frieden, ohne Angst und Stress“, sagte er. „Jeder von euch hat seine alte Heimat verloren. Bewahrt euren Stolz auf eure kulturellen Wurzeln und bereichert damit Deutschland. Seid zuversichtlich. Auf euch warten neue Chancen!“

Integratives Unternehmen

Die von Franz Przechowski zitierten Chance haben wahrscheinlich gleich drei aus dem gestrigen Besucherkreis. „Ganz sicher sogar“, sagte der Unicblue-Geschäftsführer. Er spüre, dass die Richtigen dabei waren. Was nicht zuletzt Claudia Quirrenbach und Dr. Marion Lillig von ELNet freuen dürfte. Lillig sagte gestern am Rande des Firmenrundgangs: „Die jungen Leute brennen darauf, eine Ausbildung zu machen und zu arbeiten.“ Und wenn das am langen Anfahrtsweg zu scheitern drohen sollte – Przechowski hat auch dafür eine Lösung parat. „Ich würde eine Wohnung ganz in der Nähe anmieten.“

Dort könne eine Zweier- oder Dreier-WG entstehen. Seine Motivation fasste er gestern so zusammen: „Wir wollen integrativ sein im Sinne unserer Gesellschaft. Und wir wollen Vorbild sein auch als Unternehmen.“ Was wiederum zum Unicblue-Bekenntnis „Wir glauben an den Wandel“ passt. Seinen Gästen erklärte er das Duale Ausbildungssystem – „Es ist einzigartig in der Welt und viele Länder beneiden uns darum.“ Mediendesigner, Schreiner, Event-Manager und Bürokommunikation sind die Ausbildungsberufe, die Przechowski anbietet. Drei junge Flüchtlinge dürften gestern das große Los gezogen haben.