Gelsenkirchener Tectum-Nachfolger Amevida zahlt Mindestlohn

970 Mitarbeiter sind wieder am Firmensitz in Gelsenkirchen-Ückendorf beschäftigt.
970 Mitarbeiter sind wieder am Firmensitz in Gelsenkirchen-Ückendorf beschäftigt.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Der Gelsenkirchener Call-Center-Betreiber hat den Personalstamm nach der Insolvenz wieder ausgebaut. Der gültige Mindestlohn wurde nun fixiert.

Gelsenkirchen.. Vom Namen Tectum hat sich der Callcenterbetreiber verabschiedet und damit auch versucht, Altlasten und Image-Schäden los zu werden – war er doch mit der Ende 2012 eröffneten Insolvenz, mit dem Abbau von fast 500 Stellen und in der Folge des Mitte 2013 erfolgreich abgeschlossenen Schutzschirmverfahrens mit zahlreichen Arbeitsgerichtsprozessen verbunden.

Aus Tectum in Ückendorf wurde die Amevida Consulting GmbH, 100-Prozent-Inhaber ist Dr. Matthias Eickhoff. Im Zuge der Neuausrichtung übernahm der damalige Geschäftsführer und Mitgesellschafter Ende 2013 die Anteile der Miteigentümer Quadriga Capital und Andreas Alex. Seither, so der Tenor im Betrieb, gehe es bergauf. Vorbei die Zeiten der Angst, der miesen Bewertungen. „Ich habe das gute Gefühl, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben“, sagt ein Mitarbeiter.

970 Beschäfigte in Ückendorf

Seit die Gründerfamilie um den streitbaren Firmenpatriarchen Hubertus Küpper 2010 ihr Tectum-Kapitel beendete, wurde die Unternehmensgeschichte vor allem durch wechselndes Führunsgpersonal und zunächst durch Expansion geprägt. Tectum, unter den Top-Ten der Call-Center-Betreiber in Deutschland, wollte mehr – und stürzte in die Krise.

Über 1800 Mitarbeiter hat Amevida wieder an den Standorten Gelsenkirchen, Essen,Dortmund und Oberhausen. In den letzten Monaten gab es zahlreiche Neueinstellungen. Zum Teil wurde sogar versucht, Mitarbeiter zu reaktivieren, die im Zuge des Insolvenzverfahrens entlassen wurden. Rund 970 Beschäftigte arbeiten wieder am Firmensitz an der Leithestraße.

Mindestens 8,50 Euro pro Stunde

Für alle Mitarbeiter gilt die letzte Woche vorgestellte und schriftlich dokumentierte interne Betriebsvereinbarung, die durch den Konzernbetriebsrat mit der Konzernverwaltung abgeschlossen wurde und den Mindestlohn festschreibt. 8,50 Euro wurden fixiert – ohne Abstriche bei Urlaubstagen, ohne die Kürzung von Zulagen oder verbunden mit Mehrarbeitszeit. Auch der so genannte „Low-Performer, der das über seine Provision nicht hinbekommt, bekommt 8,50 Euro pro Stunde. Jeder Mitarbeiter kann fest damit rechnen“, bekräftigt Teamleiter und Betriebsratsmitglied Michael Rüter.

Die Betriebsvereinbarung „Flex“ gilt bei Amevida seit dem 1. Januar, die Umsetzung soll möglichst mit der Gehaltsabrechnung Ende Februar erfolgen. „Natürlich wird rückwirkend gezahlt“, so Rüter.