Gelsenkirchener Skulptur wechselt Standort

Die Skulptur „Göttin der Wasserwirtschaft“ des Gelsenkirchener Künstlers Achim Wagner wird an einen neuen Standort auf dem ehemaligen Firmengelände der Firma Thyssen Schalker Verein (später Saint Gobain) versetzt. Nach der Umsetzung steht sie in einem neuangelegten Wendehammer hinter dem alten Werkstor Nummer 1.
Die Skulptur „Göttin der Wasserwirtschaft“ des Gelsenkirchener Künstlers Achim Wagner wird an einen neuen Standort auf dem ehemaligen Firmengelände der Firma Thyssen Schalker Verein (später Saint Gobain) versetzt. Nach der Umsetzung steht sie in einem neuangelegten Wendehammer hinter dem alten Werkstor Nummer 1.
Foto: WAZ
Achim Wagner schuf die Skulptur „Göttin der Wasserwirtschaft“. Gelsenkirchen finanziert den Standortwechsel zum ehemaligen Schalker Verein.

Gelsenkirchen.. Der Schalker Verein existiert nur noch in der Erinnerung. Doch ein stählerner Zeuge aus der über 100-jährigen Industriegeschichte wird jetzt seinen Platz auf dem neuen Gelände in Bulmke erhalten. „Die Göttin der Wasserwirtschaft“, eine tonnenschwere Dame, musste sich über Jahre eher in einer tristen Ecke neben dem legendären Tor 1 an der Wanner Straße verstecken. Der alte Glanz ist verblasst. Das wird sich ändern.

Symbol für Wasserkreislauf

Achim Wagner, der Schöpfer der Skulptur, ist glücklich, dass seine Göttin nicht länger entwurzelt ist und jetzt einen Platz gefunden hat, der ihr gebührt. Der 62-Jährige hatte die Figur 1992 entworfen, als er noch beim Schalker Verein tätig war. Der langjährige Betriebsrat war fast fünf Jahrzehnte bei dem Bulmker Gussrohrproduzenten beschäftigt, der in Glanzzeiten über 6000 Menschen Arbeit gab. Der stählerne Bogen in der Skulptur soll den Wasserkreislauf symbolisieren, der bei der Produktion im Werk eine bedeutende Rolle spielte. Achim Wagner benutzte für den Bogen serielle blaue Formstücke und Druckrohre, die er später mit gigantischen Schrauben zu einer Einheit zusammenführte.

Hellblaue bis dunkelbraune Tupfer schwimmen auf blauem Grund. Sie symbolisieren die unterschiedlichen Wassergüten vom Tiefen-, Quell-, über Schmutz- und Abwasser. Die stählerne Göttin, die aus 40 mm dickem Grobblech geschaffen wurde, jongliert in unterschiedlicher Farbgestaltung mit dem Medium Wasser. Vor der Verwaltung habe die Göttin jahrelang die Kraft des Wassers symbolisiert, wie eine imposante Wächterin gewirkt, glaubt Wagner. Als sie nach der Übernahme durch Saint Gobain aus dem Boden gerissen und ins Abseits gestellt worden sei, sei es auch mit dem Werk weiter bergab gegangen. Mit der neuen Zukunft des Geländes sieht Wagner auch seine aus Stahl geborene Aphrodite des Schalker Vereins als Hoffnungsträgerin und Mahnerin.

Frische Lackierung

Jetzt wird die Dame erstmal kräftig poliert. Neben einer frischen Lackierung ist auch eine Runderneuerung für die Standfestigkeit erforderlich. Den Sockel aus massivem Beton und das Granitpflaster will Wagner wieder dekorativ gestalten. Einen prominenten Fürsprecher für den Standortwechsel seiner Figur hatte der Künstler in Oberbürgermeister Frank Baranowski gefunden. „Ich habe ihm einen Brief geschrieben. Er hat mir geantwortet, dass er die Idee gut findet.“ So hat er die Stadt als Partner gefunden. Achim Wagner freut sich über die städtische Kooperation: „Die Stadt übernimmt die Kosten und leistet einen wichtigen Beitrag zur dauerhaften Erinnerung an den Schalker Verein.“

Lehre als Betriebsschlosser

Achim Wagner hat 1966 seine Ausbildung zum Betriebsschlosser beim Schalker Verein begonnen. 1975 wurde er mit 23 Jahren jüngstes Betriebsratsmitglied. Im September 2013 machte er nach 47 Jahren gemeinsam mit zehn anderen Kollegen seine letzte Schicht beim Nachfolgeunternehmen Saint Gobain. Das Unternehmen hatte den Betrieb abgewickelt.

1978 begann Wagner mit seinen künstlerischen Arbeiten, zunächst mit Holz- und Linolschnitten, ehe er sich dem Werkstoff Stahl widmete. 1980 erhielt er ein Stipendium von der Stadt Gelsenkirchen. Wagner schuf zahlreiche Skulpturen, unter anderem Denkmäler an Schulen in und außerhalb Gelsenkirchens oder auch eine stählerne Krippe. Im Sommer plant der 62-Jährige eine Ausstellung vieler seiner Werke im eigenen Garten.