Gelsenkirchener klagen über Arbeitsbedingungen

Mit Zangen wie dieser und Tüten ausgestattet, sammeln die Arbeitssuchenden in Schalke Müll aus dem Stadtteil auf.
Mit Zangen wie dieser und Tüten ausgestattet, sammeln die Arbeitssuchenden in Schalke Müll aus dem Stadtteil auf.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Grundsicherungsempfänger verdienen sich über Arbeitsgelegenheiten etwas dazu bei der Gafög in Gelsenkirchen. Sie kritisieren fehlenden Sozialraum und Arbeitskleidung.

Gelsenkirchen.. Eine Beschwerde von Empfängern von Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) hat der ehemalige Stadtverordnete Ralf Hermann auf deren Bitte hin an die Redaktion weitergereicht. Die Betroffenen, zwölf an der Zahl, verdienen sich mit so genannten Arbeitsgelegenheiten über die Arbeitsförderungsgesellschaft Gafög etwas dazu. 1,50 Euro pro Stunde für das Sammeln von Müll mit Zangen, der karge Lohn wird refinanziert über das Jobcenter Gelsenkirchen.

Der Vorwurf: Ihnen stünde kein Sozialraum zur Verfügung, um etwas zu essen oder zur Toilette zu gehen. Dafür müssten sie jetzt den Weg bis zum Jugendamt auf sich nehmen. Auch würden sie keine geeignete Arbeitskleidung gestellt bekommen, was sie bei den derzeitigen Temperaturen frieren lasse.

Fehlverhalten der Gafög-Klienten

Mit der Klage konfrontiert, zeigte sich Gafög-Prokuristin Birgit Lettau ebenso überrascht wie unverblümt in ihrer Antwort: „Ja, wir sind als Mieter der Räume an der Antoniusstraße 1 rausgeflogen.“ Der Grund dafür allerdings sei das Fehlverhalten der Klientel gewesen – also genau der Personen, die sich jetzt beschwerten. „Es wurden dort Partys veranstaltet und Wände beschmiert“, so Lettau weiter. Das habe die Anwohner aufgebracht, die sich beim Vermieter beschwerten, worauf die Firma Stallmann das Mietverhältnis aufkündigte.

Auch den Vorwurf über fehlende und angemessene Arbeitskleidung wollte die Prokuristin nicht stehen lassen: „Die Arbeitssuchenden bekommen Sicherheitsschuhe und dicke Parka. Von einem Mangel kann keine Rede sein.“

Abhilfe in Sicht

Abhilfe in Sachen Sozialraum scheint den Worten von Birgit Lettau nach bereits in Sicht bzw. schon vorhanden zu sein. „Als Anlaufstelle für unsere Klienten dienen das Stadtteilbüro Schalke an der Liboriustraße und das Lalok Libre an der Dresdener Straße. Wir bemühen uns, einen weiteren Raum zu bekommen, aber es ist klar, dass wir nach den Vorkommnissen als Mieter nicht mit offenen Armen empfangen werden.“

Eine zweite Beschwerde, die Ralf Hermann weiterreichte, war die, dass das öffentliche WC am Hauptmarkt mangels Schilder kaum zu finden sei. Kritisiert wurde dazu die Öffnung nur an Marktagen. Stadtsprecher Martin Schulmann und Tobias Heyne vom Betreiber Gelsendienste verwiesen auf den Sparzwang. Erweiterte Zugangszeiten bürgten Gefahr für Vandalismus und brächten höhere Kosten mit sich. „Um die Schilder kümmern wir uns“, sagte Schulmann.