Gelsenkirchener Kassettenkinder spielen Offline

Sabine, Kevin und Spielleiter Frank beim Rollenspiel Numenera.
Sabine, Kevin und Spielleiter Frank beim Rollenspiel Numenera.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Zum Gratisrollen-Spieltag gab’s in der Grünen-Geschäftsstelle die dritte „GelsenCon“, bei der die Spieler in fantastische Welten abtauchen.

Gelsenkirchen.. Rollenspiel – wer das mit aufwendigen Kostümen und Plastikschwertern oder Nächten vor dem Computer assoziiert, liegt am Samstag bei der dritten GelsenCon falsch: Nach der Pen-&-Paper-Methode wird gespielt. Anlässlich des deutschlandweiten Gratisrollenspieltages tauchten die Spieler im Grünen-Zentrum an der Ebertstraße wieder in fantastische Welten ein.

Sechs Leute an einem Tisch, aber ohne Spielbrett, nur mit ein paar Blättern Papier, Stift und Würfeln ausgerüstet für das Abenteuer – denn das läuft in der Fantasie und im gleichzeitigen Diskurs ab. „Jede Gruppe hat einen Spielleiter und vier bis fünf Mitspieler“, erklärt Organisator Patrick Jedamzik (35). Der Spielleiter nimmt die Rolle des Erzählers ein, er steht über dem Geschehen und erklärt zuerst die Rahmengeschichte – an Patricks Tisch findet die Kampagne eintausend Jahre in der Zukunft statt, mit hoher Technologie und Magie, die Menschheit liegt jedoch zurück. Kampagne, Abenteuer, was ist damit gemeint? „Man kann sich das wie eine Fernsehserie vorstellen“, erklärt Patrick, „so, wie die viele unterschiedliche Episoden hat, hat eine Kampagne“ – die Rahmengeschichte – „viele Abenteuer.“

"Optionen sind schier endlos"

Jeder Mitspieler entwickelt seinen persönlichen Charakter: „Mena spielt am liebsten Naturtypen“, lacht Patricks Bruder Kevin (26) und deutet auf seine Mitspielerin gegenüber, „ich spiele fast nie Menschen, lieber Zwerge.“ Vor jedem Spieler liegt ein Steckbrief, Attribute wie Stärke, Intellekt und Schnelligkeit, Waffen, Besitztümer und besondere Fähigkeiten sind darauf eingetragen. Dann muss die Gruppe die Aufgaben bewältigen, die in der Geschichte des Spielleiters warten – „Kann ich das machen?“, „Wie sieht das aus?“, Fragen, die nur der Spielleiter beantworten kann, so tastet sich die Gruppe Stück für Stück durch die Geschichte.

„Ich hatte einfach die Schnauze voll, nicht zu wissen, wovon alle reden“, erklärt Mena (27) schmunzelnd, wie sie ans Rollenspiel kam. Während der 80er Jahre wurde die Spielform mit „Dungeons & Dragons“ und „Das schwarze Auge“ in Deutschland groß. „Kassettenkinder“ nennt Patrick die Generation liebevoll. Was das Rollenspiel besonders macht: „Die Optionen sind schier endlos.“ So ist auch thematisch keine Grenze gesetzt – am Nebentisch wird „Beyond the Wall“ gespielt, „es baut auf britischen und keltischen Mythen auf“, erklärt Stefan (34). Am dritten Tisch testet Ralf (50) seine selbst geschriebene Kampagne, die „in der Welt der Drei Musketiere spielt“. Eine Lücke in der Geschichte wurde schon ausgemacht, doch das Lob der Gruppe überwiegt – „schöne neue Elemente“ habe Ralf eingebaut,„auch der Einblick in den Prozess fasziniert“.