Gelsenkirchener Hotels mit klarem Plus bei Übernachtungen

Mit einem VIP-Empfang feierte der Unternehmer André Berger die Erweiterung von Heiner's Parkhotel im Nordsternpark. Mit dem Ausbau stieg die Gelsenkirchener Bettenkapazität in 22 Betreiben auf 2066.
Mit einem VIP-Empfang feierte der Unternehmer André Berger die Erweiterung von Heiner's Parkhotel im Nordsternpark. Mit dem Ausbau stieg die Gelsenkirchener Bettenkapazität in 22 Betreiben auf 2066.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit 7,1 Prozent lag der Zuwachs weit über dem Revierdurchschnitt. Aber ein NRW-Hotel-Report sieht für Investoren Defizite und gibt dem „Makrostandort“ schlechte Noten.

Gelsenkirchen.. Gelsenkirchen liegt klar über Niveau. Das ist die frohe Botschaft der aktuellen Touristikauswertung durch die Ruhr Tourismus GmbH. Bei den Übernachtungen legte die Stadt 2014 um 7,1 Prozent zu. Zum Vergleich: der Zuwachs im Ruhrgebiet lag bei nur 2,1 Prozent.

22 Beherbergungsbetriebe mit 2066 Betten hat Gelsenkirchen. „In den vergangenen drei Jahren sind die Übernachtungszahlen von 260.000 über 287.000 auf den Rekordstand von 308.000 gestiegen. Gelsenkirchen ist bei den Gästen von auswärts also stark nachgefragt“, meint Markus Schwardtmann, Leiter der städtischen Öffentlichkeitsarbeit. Ein Trend: „Urlaub in deiner Stadt“. 177 Übernachtungen haben die Gelsenkirchener laut Schwardtmann bereits dieses Jahr gebucht. „Mit Schloss Berge ist das erste Hotel ausgebucht,das Courtyard by Marriott hat schon zweimal weitere Zimmerkontingente frei gegeben.“

Gelsenkirchen ist Problemregion

Aber wie es so ist in dieser Stadt: Glanz und Elend gibt’s oft im Doppelpack: Bei Finanzprofis zählt Gelsenkirchen (Einfach-Minus) vor Schlusslicht Krefeld (mit Doppel-Minus) zu den Problemregionen mit dem schwierigsten Hotelmarkt für Investoren und Hotelgesellschaften unter den 15 größten Städten im Land. Der neue „Hotelmarkt Report NRW 2015“, erarbeitet von der „Schollen Hotelentwicklung GmbH“ aus Wuppertal gibt dem „Makrostandort“ besonders schwache Noten. Damit, so die Erklärung, „versteht die Hotellerie alle für die Zimmernachfrage wesentlichen Faktoren im Bereich Tourismus, Wirtschaft, Infrastruktur und Kultur“.

Die Marktdurchdringung der Kettenhotellerie sei mit 57 Prozent „nur mäßig“. Neue Projekte sind „zudem aktuell nicht in der Pipeline“, stellt der Report fest. Beim „Preisniveau“ und „zukünftiger Entwicklung“ sehen die Autoren wenig Perspektiven. Potenzial für neue Projekte bestehe, „wenn überhaupt, nur in 1-A-Lagen.“

Klarer Spitzenreiter ist Düsseldorf

Auch die Übernachtungszahlen werden relativiert: Mit einer Gesamtbettenauslastung von knapp 42 Prozent liege Gelsenkirchen zwar noch auf Rang elf von 15 Städten, für die reinen Hotels liege dieser Wert mit 37 Prozent aber „auf deutlich schwächerem Niveau“. Und auch bei der „Tourismusintensität“ sieht die Studie Defizite. Die Kennziffer, die Einwohnerzahl ins Verhältnis zu den Übernachtungen setzt, liegt lokal bei 1194 Übernachtungen je 1000 Einwohner und damit auf Platz zwölf im Landesvergleich. Der Mittelwert in deutschen Städten liegt bei 2824, Kategore-Spitzenreiter Düsseldorf bringt es sogar auf 7500.

Eigene Studie in Auftrag gegeben

Markus Schwardtmann hat den „Hotelmarkt Report“ bestellt. Bewerten mag er die Studie daher noch nicht, zweifelt aber zumindest eine Zahl an: Laut Studie werden 30 Prozent der angebotenen Betten – und damit außergewöhnlich viel – „Erholungs-, Ferienheimen, Schulungseinrichtungen oder Rehakliniken zugeordnet. Für Schwardtmann kann der wert nicht stimmen. Doch auch er sieht durchaus, dass Gelsenkirchen „ein schwieriger Standort“ für Investoren ist. „Den Bereich Tourismus haben wir erst in den letzten zwei, drei Jahren so richtig angepackt und über das Tourismusforum mit der lokalen Hotellerie neue Angebote entwickelt. Wir sind dabei Gelsenkirchen da zu platzieren, wo die Stadt hingehört.“

Am „Makrostandort“ können die Tourismusexperten wenig ändern, aber an anderen Stellschrauben drehen. Im letzten Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Beschäftigungsförderung und Tourismus wurde eine eigene Studie in Auftrag gegeben, die im Spätherbst vorliegen soll. Schwardtmann: „Wir wollen vor allem wissen, wo unsere Touristen herkommen. Sind es Tagesgäste, Arbeiter, Reviertouristen, Menschen, die wegen Schalke 04 kommen, oder Sofa-Touristen, die Verwandte besuchen?