Gelsenkirchener Griechin ist entschieden interkulturell

Fotini Kouneli (21), in Gelsenkirchen geborene Griechin.
Fotini Kouneli (21), in Gelsenkirchen geborene Griechin.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die 21-jährige Fotini Kouneli verfolgt aufmerksam, wie sich die angespannte Situation in Hellas entwickelt. Bald macht sie dort wieder einmal Urlaub.

Gelsenkirchen.. „Wenn ich ein Superlösung für diese Krise hätte, dann würde ich wahrscheinlich im Büro der Kanzlerin sitzen.“ Sagt eine junge Griechin zur desaströsen Lage der Griechen, der Heimat ihrer Familie, dem Land, dem der Staatsbankrott droht. Fotini Kouneli beobachtet genau, was in Hellas abgeht. Klar.

Das griechische Lebensgefühl „Ich habe Freunde und Verwandte, ich kriege mit, dass es für die Menschen immer schwieriger ist.“ Sie zählt auf: Mehr Arbeit für immer weniger Geld, erste Schulen geschlossen, wahnsinnig hohe Jugendarbeitslosigkeit, fehlende Medikamente in Krankenhäusern . . . Ihr Fazit: „Es trifft die Falschen.“

Vorurteile sind der 21-jährigen Studentin fremd

Die 21-jährige Studentin der Anglistik und Germanistik ist Griechin. Geboren und aufgewachsen in Gelsenkirchen, am Schalker Gymnasium das Abi „gebaut“ und „ein Kind des Lalok Libre“ – das sind Stationen ihres jungen Lebens in Kurzfassung. Die junge Frau schätzt das bunte Leben der Kulturen im Ruhrgebiet und möchte sich keinesfalls einseitig nur in griechischen Kreisen bewegen. „Ich persönlich musste noch nie mit Vorurteilen kämpfen“, resümiert Fotini. Im Gegenteil, man bringe ihr Interesse entgegen.

Von Kindesbeinen an hat sie im Lalok Libre, dem multikulturellen Schalker Familientreff, mit anderen Kinder ganz unterschiedlicher Herkunft ihre Freizeit verbracht. Das hat sie geprägt. Auch das politische Interesse wurde geweckt. Sie habe gelernt, dass man seine Wünsche frei äußern und dafür auch auf die Straße gehen kann. Fotini blieb dem Lalok treu.

Urlaube in Griechenland verbracht

Während der vergangenen eineinhalb Jahre hat sie bulgarischen und rumänischen Kindern Englisch-Unterricht gegeben. Was zu einem kleinen gedanklichen Ausflug zu gesellschaftlichen Vorurteilen führt. „Wenn man als europäischer Staat sagt, wir lassen Rumänen und Bulgaren rein, dann muss man sich der Verantwortung auch stellen.“ Sie jedenfalls hat es im interkulturellen Treff in Schalke getan, legt jetzt aber eine ausbildungs- bedingte Pause ein: Fotini Kouneli geht nach den Semesterferien für ein Auslandssemester nach Irland.

Vorher macht sie Urlaub – in Griechenland, dem Land, dem sie sich verbunden fühlt. Nicht mehr und nicht weniger als Deutschland. Sie sagt: „Ich bin Europäerin.“ Allerdings eine, die ihre griechischen Wurzeln pflegt. Nicht nur, weil sie während der Schulzeit zehn Jahre lang muttersprachlichen Ergänzungsunterricht hatte. Die quirlige Fotini gehört der griechisch-orthodoxen Gemeinde an, feiert mit der Familie entsprechend: Weihnachtsgeschenke erst Silvester, Ostern ganz speziell, Namenstag ganz groß. Nicht zu vergessen die beiden Nationalfeiertage: 25. März und 28. Oktober. Womit sich der Bogen zu ihrem Kulturkreis schließt. Zu dem Land, von dem Fotini glaubt, dass bei der Wiedereinführung der Drachme die Schere zwischen arm und reich noch weiter auseinander klaffen werde. „Vielleicht braucht es eine andere Form der Hilfe, als immer nur Geld zu geben. Strukturen müssen verändert werden.“ Wenn sie wüsste wie ... na, dann säße sie wirklich bei der Kanzlerin.