Gelsenkirchener Familie mit drei Kindern drohte Strom-Aus

Eine Gelsenkirchener Familie hatte Ärger mit dem Sozialamt. Die WAZ fragte nach.
Eine Gelsenkirchener Familie hatte Ärger mit dem Sozialamt. Die WAZ fragte nach.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Familie Ochs aus Gelsenkirchen drohte das Strom-Aus. Das Integrationscenter für Arbeit hat die zwei offenen Monatsrechnungen über 92 Euro übernommen.

Gelsenkirchen.. Das Ehepaar Jana und Arno Ochs schiebt Frust vor sich her. Drei Kinder haben sie, vier und zwei Jahre sowie zarte acht Monate alt. Für die Krankenschwester besteht der Alltag daraus, Mutter und Hausfrau zu sein. Er, Berufskraftfahrer, hat im März 2014 nach zwölf Jahren seinen Job verloren. „Wir leben jetzt von rund 830 Euro Arbeitslosengeld und von einem Mietzuschuss von rund 340 Euro“, zählt Arno Ochs auf. 800 Euro gingen aber allein für die Miete drauf, da werde Geld früh knapp.

Wie eng auf Kante genäht alles ist, musste das Paar jetzt erfahren. Die Steuer fürs Auto war fällig, danach konnten die Ochs den Strom für zwei Monatsabrechnungen nicht mehr bezahlen. Folge: Ihnen sollte der „Saft“ abgedreht werden. Das Paar war verzweifelt, insbesondere wegen der Kinder, und fragte „bei der Ele und beim Integrationscenter nach“, ob man denn das Geld nicht abstottern oder den offenen Betrag für Februar und März in einen Kleinkredit umwandeln könnte. „Nein war nur die knappe Antwort“, sagen Jana und Arno Ochs.

„Der Strom wird nicht abgestellt“

Grund dafür, so vermutet das Paar: Altrückstände. Aus ihrer früheren Wohnung seien sie wegen Schimmelbefalls ausgezogen, hätten die Schlüssel längst übergeben, die Übergabe erledigt gewesen und alles Weitere auch. „Wir haben da nicht mehr gewohnt, sollten aber dennoch Strom für vier Monate nachzahlen. Allerdings 1200 Euro – und nicht wie bei einem monatlichen Abschlag von 30 Euro auszugehen in Höhe von 120 Euro“, erzählt Arno Ochs. Den anschließenden Prozess verlor die Familie, sie zahlt seitdem brav den Betrag monatlich ab.

Mit dem Fall der Familie aus Bulmke-Hüllen konfrontiert, hat sich Dirk Sussmann vom Integrationscenter für Arbeit in Gelsenkirchen der Sache angenommen. Sussmann ist der stellvertretende Leiter der Arbeitsvermittlung. „Die Familie Ochs hat aus aktuellen Forderungen 92 Euro Rückstand. Das Integrationscenter hat den offenen Betrag in ein Darlehen umgewandelt und die Rechnung umgehend bei der Ele beglichen.“ Die Familie Ochs könne somit Ostern in Ruhe feiern. „Der Strom wird nicht abgestellt.“

Darüber freuen sich Jana und Arno Ochs. „Offenbar kann es schnell gehen, wenn der nötige Druck da ist“, lautet ihr Fazit. Weniger erfreut sind sie indes über den vom Sozialamt abgelehnten Antrag nach Bekleidungshilfe: „Den Antrag haben wir am 9. Dezember 2014 gestellt, am Freitag haben wir die Antwort erhalten – fast vier Monate später.“