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Gelsenkirchener EU-Abgeordnete erleben Terror-Tag in Brüssel

22.03.2016 | 18:27 Uhr
Gelsenkirchener EU-Abgeordnete erleben Terror-Tag in Brüssel
Sicherheitskräfte patrouillierennach den Anschlägen in Brüssel vor dem Gebäude der Europäischen Kommission.Foto: Federico Gambarini/dpa

Gelsenkirchen.  Terry Reintke (Grüne) und Gabriele Preuß (SPD) erfuhren im Brüsseler Parlament von den Terroranschlägen. Die Stadt ordnete spontan Trauerbeflaggung an.

Schockiert, aber gefasst, so charakterisierten die Gelsenkirchener Europaabgeordneten Gabriele Preuß (61, SPD) und Terry Reintke (28, Bündnis 90/Grüne) Dienstag im Gespräch mit der WAZ die Stimmung im EU-Parlamentsgebäude in Brüssel. Morgens hatten mehrere Explosionen am Flughafen Zaventem und in vier Metro-Stationen die belgische Hauptstadt erschüttert . Mindestens zwei Dutzend Menschen kamen ums Leben, viele wurden verletzt.

Sozialdemokratin Preuß saß im Umweltausschuss, als die erschütternde Nachricht von den Terror-Anschlägen für ein jähes Ende der politischen Alltagsroutine sorgte. „Die Sitzungen wurden sofort abgebrochen und wir sind aufgefordert worden, in unseren Büros zu bleiben“, berichtete sie. „Mir geht es gut, meinen Mitarbeitern und der deutschen Gruppe auch.“

Die Ex-Bürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen und SPD-Wirtschaftspolitikerin Gaby Preuß ist seit 2014 Abgeordnete in Brüssel. Foto: Gerhard Schypulla

Preuß’ Einschätzung: „Eine direkte Bedrohung für uns gibt es nicht.“ Es herrsche die höchste Terror-Warnstufe, Polizei und Militär patrouillierten vor dem Haus, die Sicherheitsschleusen seien verstärkt worden, nur noch ein Eingang geöffnet. Angst? „Ich persönlich hatte in Brüssel immer ein sicheres Gefühl“, sagte die 61-Jährige. Auch nach den Anschlägen von Paris, als die Spur der Attentäter in die belgische Hauptstadt, genauer in den Stadtteil Molenbeek führte. Apropos. Die belgischen Medien hätten im Zusammenhang mit den Anschlägen große Versäumnisse der belgischen Regierung angemahnt, so Preuß. Auch wenn sie selbst der Meinung ist, man hätte für den Stadtteil mehr Geld für Sozialprojekte in die Hand nehmen müssen anstatt wegzuschauen, konstatierte sie: „Da stehen wir als EU-Politiker außen vor.“

"Stadtteil ist ein ganz multikultureller Ort"

„Wir sind schockiert“, fasste Terry Reintke zusammen. „Maalbeck, das ist unsere Metro-Station.“ Sie selbst sei Dienstmorgen mit dem Rad zum Parlamentsgebäude gefahren und habe mit Kollegen schon um 7 Uhr mit der Arbeit begonnen. Da war noch alles ruhig. Trotz der schrecklichen Anschläge, die Unschuldige in den Tod gerissen haben, sagte auch die 28-Jährige EU-Politikerin: „Ich fühle mich nicht unsicher in dieser Stadt. Ich liebe Brüssel.“ Auch den Stadtteil Molenbeek kenne sie relativ gut.

Terry Reintke (28), Mitglied der Partei Bündnis 90 / Die Grünen, sitzt seit 2014 im EU-Parlament. Foto: Martin Möller

Ja, da gebe es Problemviertel, aber es gebe auch schöne Ecken mit tollen Leuten. „Der Stadtteil ist ein ganz multikultureller Ort.“ Sie mahnte, man solle jetzt keine voreiligen Schlüsse ziehen und einen ganzen Stadtteil mit seinen Menschen unter Generalverdacht stellen. Reintke unterstrich: „Wir dürfen uns von solchen Ereignissen nicht beirren lassen. Wir wollen doch ein offenes Miteinander.“

Sie selbst wolle in Brüssel bleiben. „Wir sind ein demokratisches Parlament. Jetzt alles abzubrechen, wäre aus ihrer Sicht das falsche Signal.“ Und sollte es die Situation am Mittwoch zulassen, werde sie morgens auch im Sozialausschuss sitzen.

Zeichen der Trauer und Solidarität

In Gelsenkirchen herrschte Dienstag Trauer und Entsetzen. Als Zeichen der Solidarität mit den Opfern hat Stadtdirektor Dr. Manfred Beck in Vertretung von Oberbürgermeister Frank Baranowski spontan Trauerbeflaggung angeordnet. Der Stadtdirektor verurteilte den feigen Terror von Brüssel als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und unsere freiheitliche Lebensweise.

„Diese abscheulichen Taten treffen uns alle. Aber auch die erneuten Anschläge werden die Gemeinschaft der demokratischen Staaten nicht daran hindern, für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten. Ob Brüssel oder Paris, Gelsenkirchen wird gegen den Terror mit den Betroffenen zusammenstehen“, betonte Beck.

Inge Ansahl

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2016-03-22 18:27
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