Gelsenkirchener Antoniusschüler erleben Restaurantbetrieb

Schüler der Antoniusschule in Gelsenkirchen eröffnen für einen Tag das Restaurant „Très chic“, um Tischkultur zu zelebrieren. Im Bild: Nina Egidio (l.) und Vanessa Krüger. Sie waren am Aktionstag Köchinnen.
Schüler der Antoniusschule in Gelsenkirchen eröffnen für einen Tag das Restaurant „Très chic“, um Tischkultur zu zelebrieren. Im Bild: Nina Egidio (l.) und Vanessa Krüger. Sie waren am Aktionstag Köchinnen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Gelsenkirchener Antoniusschüler kochen ein tolles Essen zum Ende des Schuljahres. Das Besondere: aufgebrochene Hierarchien, Erfolg nur in der Gemeinschaft.

Gelsenkirchen.. Warmer Schafskäse im knusprigen Blätterteig, überbackene Hähnchenschnitzel an knackigem Salat und als Nachtisch Vanillepudding mit frischen Früchten an einer Eiswaffel – na, wenn das mal kein würdiger Abschluss eines Schuljahres ist. Es ist ein ganz besonderes Essen, was da unter dem blauen Himmel auf dem Hof der Schalker Antoniusschule stattfindet.

Nicht etwa deshalb, weil sich eine Vielzahl von Schülern in Schale geschmissen hat, sondern weil hier die üblichen hierarchischen Strukturen aufgebrochen worden sind. Etwa in dem Maß, dass die Pädagogen ihren Schülern die Gaumenfreuden servieren oder in der Küche eine halbwüchsige „Chefköchin“ das Kommando gibt und der viel ältere Lehrer brav den Salat wäscht.

„Als Team effektiv zu funktionieren, sich unter- und einordnen zu lernen“, sagt Maria Lehmann, das sei das Ziel dieser ungewöhnlichen Aktion. Lehrmann leitet die Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung.

Im Team erfolgreich arbeiten

Es ist eine Aktion, die ankommt. Die Schüler sind mit Feuereifer bei der Sache, fliegende Hände an Töpfen und Pfannen, ruhige Finger beim Anrichten und wache Augen rund um die wirklich hübsch eingedeckten Tische. Da bleibt kein Glas leer, kein leerer Teller schmutzig stehen. So ähnlich dürfte es auch vor und hinter den Kulissen eines guten Restaurants zugehen – eilige, aber konzentrierte Beflissenheit.

Acht Köche (darunter Chef, Beikoch, Küchenhelfer), zehn Kellner, zwei Tischdamen und vier Türsteher am Empfang sorgen für den reibungslosen Ablauf für 120 Gäste. „Um die Posten zu bekommen, musste man sich schriftlich bewerben und ein Vorstellungsgespräch führen“, erklärt Kerstin „Sissi“ Cizmowski. Auch das ein Spiegelbild des wirklichen Lebens. Denn auch da geht es um die so genannten „Soft Skills“ wie Teamfähigkeit und Respekt. Die Künstlerin und Bildhauerin unterrichtet die Mädchen und Jungen. Aus einer früheren, viel viel kleineren Aktion (Schüler spielen Stadt) ist die Idee erwachsen.

Mit Erfolg. Weder von den Schülern noch von den Lehrern ist zu hören, dass jemand nicht mitgezogen hätte. Was Schulleiterin Maria Lehmann sichtbar stolz macht. Ihr Urteil über die Schüler: „Es ist ihnen überaus wichtig, im System anzukommen.“ Denn noch immer haftet in einer auf absolute Perfektion getrimmten Gesellschaft jemandem wie einem Förderschüler das Klischee an, nicht fit und kompetent zu sein. Was durch Aktionen wie diese wohltuend ins Gegenteil verkehrt wird.