Gelsenkirchen will neuralgische Knotenpunkte entschärfen

Ein neuralgischer Verkehrsknotenpunkt: die Kreuzung Overweg-/Florastraße im Zentrum Gelsenkirchens.
Ein neuralgischer Verkehrsknotenpunkt: die Kreuzung Overweg-/Florastraße im Zentrum Gelsenkirchens.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Um täglichen Staus wie beispielsweise an der Kreuzung Overweg-/Florastraße ein Ende zu bereiten, muss die Stadt allerdings tiefer in die Tasche greifen.

Gelsenkirchen.. Änderungen im Kleinen verlangen eine noch überschaubare finanzielle Kraftanstrengung, im Großen ist es leider ähnlich. Und so wird die Verwaltung in ihrem Streben, neuralgische Punkte wie die Kreuzung Overwegstraße / Florastraße zu entschärfen, tiefer in die Tasche greifen müssen, um den täglichen Staus ein Ende zu setzen. Das ist eine Botschaft, die aus der Sitzung des Ausschusses für Verkehr, Bauen und Liegenschaften hervorging.

Keine Seltenheit ist es, von der Grothusstraße kommend, geradeaus in Richtung Süden dreimal kurz hintereinander schon wieder an einer roten Ampel stehen zu müssen – in Höhe von Munckel-, Vattmann- und Robert-Koch-Straße. Das will die Stadt ändern und den gutachterlichen Rat befolgen – womöglich in 2015.

Haushalt 2015 erschwert Finanzierung

Der Ansatz dabei ist, die vorrangig fahrende Straßenbahn Linie 107 schneller über den Knotenpunkt hinwegzubringen und durch modifizierte Schaltzeiten der Ampeln die „grüne Welle in einem ersten Schritt mehr in Richtung Süden“ zu verlagern. Kosten: 17. 000 Euro. Schritt zwei beinhaltet eine weitergehende Modernisierung der Ampeln und schlägt mit dem Einbau von neuen Steuerungselementen und Leiterschleifen an den Knotenpunkten mit etwa 150.000 Euro zu Buche.

Problematisch ist die Finanzierung, der Haushalt für 2015 steht und Spielräume gibt es so gut wie keine. Nichtsdestotrotz drängte die SPD durch Margret Schneegans im Gremium darauf, „eventuell Gelder anderer und für spätere Zeiträume vorgesehene Projekte anzuzapfen“, damit man das Problem angehen könne. Die Verwaltung signalisierte Bereitschaft.

Temporeduzierung halbiert Lärmpegel

Diskussionen gab es in puncto Umsetzung der Umgebungslärmrichtlinie. Hintergrund: Auf stadtweit 21 Streckenabschnitten beabsichtigt die Verwaltung, den Verkehrsfluss zu optimieren. Auch hier hatte sie sich gutachterlichen Rat eingeholt. Die Frage war, ob neue Ampelelektronik und moderne Software sowie Temporeduzierungen (das Gros in der Nacht von 22 bis 6 Uhr, die WAZ berichtete) den gewünschten Mehr-Effekt an Verstetigung haben würden. Ergebnis: ja. Weiterer Effekt: unter anderem eine Halbierung des Lärmpegels. Mitunter könne sogar die bisherige Höchstgeschwindigkeit beibehalten werden. Kosten: zwischen 1,65 und 1,76 Millionen Euro. Umsetzungszeitraum: vier bis fünf Jahre.

Den Einwand von Sascha Kurth (CDU), dass bei Einführung von Tempo 30 auf der Feldmarkstraße ÖPNV und Passanten nicht berücksichtigt seien, entkräfteten Dr. Wilfried Wiedemann, Leiter des Referats Verkehr, und Andrea Wirth von der Bogestra unisono: „Ein Einfluss ist nicht vorhanden. Zumal nachts weniger Verkehr ist und auch weniger Fußgänger unterwegs sind.“

Polizei überwacht Nachts keine Geschwindigkeitsüberschreitungen

Kritik gab es zum Thema Temporeduktion von Seiten der Polizei und der Verkehrswacht. Die Beiratsmitglieder Jürgen Schlöhlein und Helmut Barek (beide ohne Stimmrecht) skizzierten zum einen das Bild, dass Gelsenkirchen dadurch künftig nachts zu einer weitläufigen 30er-Zone werde. Zum anderen sahen sie Probleme bei der Akzeptanz und Umsetzung: „Die Frage ist doch, wer sich von den Autofahrern daran halten wird und wie man das überprüfen soll – denn nachts finden in der Regel keine Geschwindigkeitsüberwachungen durch die Polizei statt.“

Nichtsdestotrotz erhielt die Beschlussvorlage bei vier Gegenstimmen ein positives Votum.

Als erste Optimierungsmaßnahme wird die Feldmarkstraße von der Boniverstraße bis zur Hans-Böckler-Allee und die Rotthauser Straße von Hartmann- bis Haydn-straße in Angriff genommen. Hier kommt u. a. Tempo 30. Kosten: 100. 000 Euro. Mehr geht aus Finanznot nicht.