Gelsenkirchen droht ein „Schmutziger Herbst”
27.10.2009 | 10:00 Uhr 2009-10-27T10:00:00+0100Zahlreiche Gelsenkirchener Reinigungskräfte streiken zurzeit für 8,7 Prozent mehr Lohn. In Buer und Ückendorf waren bereits Krankenhäuser betroffen. Für den Rest der Woche kündigte die Gewerkschaft IG BAU weitere Aktionen an.
Dreckig soll er werden, stinkend und staubig. Seit einer Woche befinden sich tausende Gebäudereiniger und Putzfrauen bundesweit im Streik. Der „Schmutzige Herbst” kommt ins Land - und macht auch vor Gelsenkirchen nicht halt. Dabei geht es doch nur um 46 Cent, die die Konfliktparteien trennen.
Es ist die Differenz zwischen den von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) geforderten 8,85 Euro und den von den Arbeitgebern angebotenen 8,39 Euro. „Doch” und „nur” sagen in diesem Zusammenhang aber bloß Außenstehende.
„Wer macht denn für das Geld einen solchen Knochenjob?”, fragt Bernd Neumann, Gewerkschaftssekretär der IG BAU in Gelsenkirchen und Streikkoordinator vor Ort. „Viele Putzfrauen müssen trotz Vollbeschäftigung zusätzlich Arbeitslosengeld II beziehen, um halbwegs über die Runden zu kommen.” Dazu sei auch die Arbeitsbelastung kaum zu ertragen: „Das ist in vielen Fällen schon Akkordarbeit. Bis zu 500 Quadratmeter in der Stunde - das schafft doch kein Mensch.”
Das sieht die Gegenpartei erwartungsgemäß anders: „Ich halte 8,39 Euro für einen fairen Lohn”, sagt Bernhard Nordhausen, Geschäftsführer des Landesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks und Mitglied der Tarifkommission. Man müsse auch bedenken, dass es sich bei Reinigungskräften um „Niedrigqualifizierte” handele und die Wirtschaftskrise die Situation auf Unternehmensseite verschärfe: „Wo nicht gearbeitet wird, wird auch nicht gearbeitet.” Insbesondere im nördlichen Ruhrgebiet wirke sich die Kurzarbeit der zahlreichen Industriebetriebe „eins zu eins auf die Reinigungskräfte aus.”
Dieses Argument will Bernd Neumann von der IG BAU nicht gelten lassen: „Schüler müssen auch in der Wirtschaftskrise lernen, Menschen werden krank und müssen gepflegt werden.” Schulen, Krankenhäuser und Altenheime müssten daher trotzdem gereinigt werden. Doch damit könnte es für's erste vorbei sein: Seit Dienstag wird auch in Gelsenkirchen gestreikt. In einer Stadt, in der zwei Prozent der Erwerbstätigen in der Gebäudereinigung beschäftigt sind. Die Marienhospitäler in Buer und Ückendorf waren schon genauso betroffen wie die Fachhochschule und BP in Scholven: „Jetzt geht es heiter weiter. Wir verfolgen eine Politik der Nadelstiche, wollen für den Arbeitgeber unberechenbar sein”, erklärt Neumann. Deshalb verrät er auch nicht, welche drei Gebäude ab heute bestreikt werden. Sicher ist nur: „Es wird weiter gestreikt, wir sind zu allem bereit”, sagt seine Frau Susanne Neumann, Vorsitzende des IG BAU-Bezirksgruppe.
10:53
streikt weiter, nur so gehts....
18:09
Grüße Sie !
Was heisst hier Niedrigqualifiziert “ ? Sehr viele von meinen Kolleginnen haben eine abgeschlossene Ausbildung ,so wie ich selber !
Den einzigen Fehler den ich in meinen Leben gemacht habe ist ein Kind zubekommen und dann habe ich mir auch noch die Frechheit rausgenommen es groß zu ziehen ! ( Kinder gleich Rente )
Jetzt bin ich 46 Jahre alt ............. und zu alt für den Arbeitsmarkt........... lacht und dabei muss ich noch bis 67 Jahre arbeiten............. !
Wenn ich bedenke , das die Herren,die die Lohnerhöhung für zuviel halten ,wahrscheinlich noch nie in Ihren Leben in diesem Bereich gearbeitet haben ,dann fällt mir eigenlich dazu nur ein.............. Das Sie einen ganzen Tag mal mit mir arbeiten sollten........danach werden Sie nie wieder ,von zuviel Verdienst reden .
Das die Zeiten sehr schlecht sind wissen wir doch alle........... und das die Putz-Damen an vielen Stellen die Zeiten gekürzt bekommen haben und dann noch eine weitere Stelle annehmen müssen,damit Sie das gleiche Geld wie vorher haben.......das erzählt hier keiner !
Als es die letzte Lohnerhöhung gab , wurde bei uns in der Firma .................von Pauschal-Lohn auf STunden-Lohn umgestellt...........aber mit weniger Zeit............das hiess für mich damals...........so um die 35 Euro weniger...............mal sehen.........was diesmal kommt.........
Malzeit................. kann ich dazu nur sagen.............
12:43
Ob es in Gelsenkirchen nun auch im Herbst schmutzig ist, fällt bei all den schmutzigen Frühjahren, Sommern und Wintern nicht weiter auf.
12:00
Schämt Herr Nordhausen, Geschäftsführer des Landesinnungsverband des Gebäudereiniger- Handwerks und Mitglied der Tarifkommission sich nicht, wenn er die Reinigungskräfte als „Niedrigqualifiziert“ bezeichnet?
Lieber Herr Nordhausen viele der Gebäudereinigerinnen haben einmal einen Beruf gelernt, z. B. Verkäuferin oder Sekretärin usw. und haben vielleicht aus Altergründen oder weil sie auf Grund von Kindererziehung keine Möglichkeit hatten in den erlernten Beruf zurück zukehren.
Aber um leben zu können müssen viele von ihnen nun Putzen um ihre Familie und sich Selbst Ernähren zu können.
Diese Frauen machen für Sie Herr Nordhausen und für ganz Deutschland Tag aus Tag ein, den Dreck für wenig Lohn weg.
Ich würde mich an ihrer stelle Schämen diese Frauen als „Niedrigqualifiziert“ zu bezeichnen.
Außerdem würde ich mich freuen, wenn sie in den nächsten Tagen als Geschäftsführer selbst zum Schrupper greifen müssten und den Dreck für Deutschland und Ihr Unternehmen wegzumachen.