Geistlicher entkam der Hinrichtung

Grillostraße 57: Hier wohnte Pater Vell, bis ihn die Gestapo verhaftete.
Grillostraße 57: Hier wohnte Pater Vell, bis ihn die Gestapo verhaftete.
Foto: Gelsenzentrum

Gelsenkirchen.. Hermann Joseph Vell, 1894 im Moselstädtchen Cochem geboren, legte 1922 in Bonn das Ordensgelübde ab und empfing 1927 die Priesterweihe.

Nach Auflösung des Bonner Klosters 1941 durch die Nazis war Vell bis zu seiner Verhaftung Vikar in der Pfarrgemeinde St. Joseph in Gelsenkirchen-Schalke. Am 1. Februar 1944 begann der Leidensweg des aufrechten Katholiken, für den Anfang Oktober ein Stolperstein vor dem Haus Grillostraße 57 verlegt wurde.

Gemeindemitglied denunzierte Vell

Einige Zeitzeugen waren aus diesem Anlass zur Stelle und sprachen mit Hochachtung von dem Mann, der für alle Menschen ein offenes Ohr hatte. Und der 1946 noch einmal nach Gelsenkirchen gekommen war, um sich von der Gemeinde und Schalke zu verabschieden.

Zurück ins Jahr 1944: SS-Mann Wilhelm Ferlmann, selbst Mitglied der Pfarrgemeinde St. Joseph, denunzierte Pater Vell bei der Gestapo. Der Vorwurf: Der Geistliche habe Flugblätter der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ der Geschwister Scholl in Gelsenkirchen verteilt. Anfang Februar 1944 wurde Hermann Joseph Vell in seinem Zimmer im Dionysius-Stifts im hinteren Bereich des Vereinshauses von der Gestapo Münster verhaftet.

Zum Tode verurteilt

Unter der Häftlingsnummer 66680 wurde Vell im KZ Dachau in so genannte „Schutzhaft“ genommen. Pater Vells Leidensweg führte über das Untersuchungsgefängnis Nürnberg weiter in die Haftanstalt Berlin-Moabit und schließlich in das Zuchthaus Brandenburg-Görden.

Dort wurde Hermann Joseph Vell wiederholt von der Gestapo verhört. Nachdem der Prozess vor dem „Volksgerichtshof“ gegen den mehrfach vertagt worden war, verurteilte ihn der „Volksgerichtshof“, der im Landgericht in Potsdam tagte, am 6. April 1945 wegen „Erschwerter Vorbereitung zum Hochverrat, Wehrkraftzersetzung und landesverräterischer Feindbegünstigung“ zum Tode.

Unrechtsurteil erst 1999 aufgehoben

Kurz vor der Vollstreckung des Todesurteils wurde Vell von Soldaten der Roten Armee am 27. April 1945 aus der Todeszelle im Zuchthaus befreit. Auf Antrag von dem aus GE-Schalke stammenden Joseph P. Krause wurde das NS-Unrechtsurteil gegen Hermann Joseph Vell im Februar 1999 aufgehoben.

Der Pater hat die, die ihn denunzierten und verurteilten, nie zur Rechenschaft gezogen. „In wahrhaft christlicher Feindesliebe hat er seinen Widersachern verziehen und niemals etwas gegen sie unternommen“, hieß es 1965 auf seinem Sterbebild.

Stolperstein-Paten sind Joseph Krause und Richard Weishuhn.