Gefahren werden beiseite geschoben
02.12.2010 | 17:48 Uhr 2010-12-02T17:48:00+0100
Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht. Das versuchte schon 1845 Heinrich Hoffmann mit seinem Buch „Struwwelpeter“ zu vermitteln. Am Freitag, 7. Dezember, ist der Tag des brandverletzten Kindes. Mit einem Infostand zur Prävention von Brandverletzungen bei Kindern sensibilisieren an diesem Tag Ärzte und Mitarbeiter der Feuerwehr im Foyer der Kinder- und Jugendklinik an der Adenauerallee in Buer für dieses Thema.
Etwa 50 Kinder mit Verbrennungen - vom Säugling bis zum Sechsjährigen - behandelt Michael Rohrbach im Jahr. Er ist Chefarzt in der Spezialklinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Bergmannsheil Buer und schwört auf Prävention. Und falls es dafür zu spät ist, so betont er, sei es ganz wichtig, die Kinder, aber auch deren Eltern, während der jahrelangen Genesung zu begleiten. Gefahr Nummer Eins für Verbrennungen, so Rohrbach, seien vor allem in der Winterzeit heiße Getränke: „Kleine Kinder sind unerfahren und neugierig. Die Tasse da oben an der Tischkante finden sie interessant. Oder den Topf auf dem Herd, den sie dann herunterziehen und sich verbrühen.“ Nicht die Herdplatten selber seien die große Gefahr, sondern die kochenden Inhalte der Töpfe. Ein Gitter an der Herdkante könne da Abhilfe schaffen.
Ein Gitter hätte allerdings auch dem 18-monatigen Jungen nicht geholfen, einem von aktuell zwei kleinen Patienten von Michael Rohrbach. Der hatte nämlich vor vier Wochen mit beiden Händen an eine heiße Ofenscheibe gepackt und sich so 10 Prozent seiner Hautoberfläche verbrannt. Alle zwei Tage muss der Verband gewechselt werden - unter Narkose, weil die Schmerzen so groß sind. Den Eltern macht der Chirurg keinen Vorwurf: „Man kann nicht alles vermeiden, aber durch Vorsicht Risiken ausschalten.“
In gleicher Mission ist Frank Gies, Teamleiter Rettungsdienst bei der Feuerwehr Gelsenkirchen, mit seinen Leuten in Kindergärten und Grundschulen unterwegs und klärt in Sachen Feuer auf. Auch der Grill im Sommer sei eine Gefahrenquelle: „Kinder sind von Natur aus neugierig. Die Gefahren werden von den Eltern beiseite geschoben, das ist das Hauptproblem.“
Seinen kleinen Patienten, so Michael Rohrbach, werde er noch einige Jahre sehen - für Kontrollen, wahrscheinlich auch für weitere Operationen, weil seine Hände noch bis zum 16. Lebensjahr wachsen.
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