Für eine Gelsenkirchener Hausbesitzerin ist das Maß voll

Am Dienstag lag eine heraus gerissene Zypresse  auf dem Tisch des Restaurants Hirt.
Am Dienstag lag eine heraus gerissene Zypresse auf dem Tisch des Restaurants Hirt.
Foto: FUNKE Foto Services
Christa Hirt (77) ist sauer. Immer wieder werden Pflanzen vor dem Restaurant an der Arminstraße gestohlen oder zerstört. Sie fragt: „Wer macht so was?“

Gelsenkirchen.. Herausgerissene Lorbeerbäumchen, über Jahre als grüne „Trennwand“ und Blickfang gezogen, zerstörte Blumendekoration, geklaute Pflanztöpfe: Jetzt reicht es Christa Hirt. Die 77-Jährige ist stinksauer. „Immer, wenn Schalke gespielt hat oder andere Events stattfinden, ist hier Randale.“ Sie erkennt ihre Arminstraße manchmal nicht wieder. Nicht wegen der Nachbarn, sondern wegen der Hemmungslosigkeit Unbekannter, die sich nachts Bahn bricht, wenn kein Augenzeuge mehr unterwegs ist.

Christa Hirt legte Zeit ihre Lebens Wert auf gepflegte Gastlichkeit. Nicht nur im Traditionsrestaurant Hirt an der Arminstraße, sondern auch vor dessen Tür. Gepflegte Pflanzkübel säumen den Bereich der Außengastronomie bis heute. Auch, wenn das Unternehmen längst an das Ehepaar Djondras verpachtet ist und Christa Hirt „nur“ noch in ihrem eigenen Haus Arminstraße 14-16 wohnt.

Was zerstört wurde in den letzten Jahren, das ersetzte man eben. Informiert hat die resolute Frau stets die Polizei – aber die Zerstörer ihres Grüns waren immer längst über alle Berge. Den jüngsten Diebstahlsschaden schätzt sie auf etwa 170 Euro.

Hirts übernahmen das Haus 1922

Der Kragen ist ihr am Dienstag morgen endgültig geplatzt. Da waren zu nächtlicher Stunde wieder mal Gründiebe unterwegs – diesmal allerdings lag die Beute auf einem Tisch vor dem Restaurant Hirt und ihr somit quasi zu Füßen: eine samt Wurzelwerk herausgerissene Zypresse. Kurzentschlossen kam sie in die WAZ-Redaktion und berichtete. „Ich habe so liebe, gute Mieter“, berichtete sie. Für die täte es ihr leid, sie selbst sei aufgebracht. „Was soll das, wer macht so etwas?“

Ein Kommentar von Inge Ansahl

Der Name Hirt gehört seit 1922 zur Arminstraße. Zunächst als Varieté betrieben, später als Kino in den Räumen der heutigen Kegelbahnen des Haus und dann als Restaurant, in dem man auch gut Familienfeste zu besonderen Anlässen feiern konnte. Bis vor etwa zehn Jahren hat Christa Hirt den Betrieb geleitet. Und sie erinnert sich noch gut, wie das mit der blinden Zerstörungswut angefangen hatte. „Da hatte ich die Blumenkästen extra für den Muttertag mit frischen Blumen bepflanzt.“ Davon war am Morgen des Muttertags allerdings nichts mehr zu sehen.

Seit sie das Restaurant verpachtet hat, beobachtet Christa Hirt den Wandel. „Diese Arminstraße hat sich in den letzten zehn Jahren zu einer multikulturellen Essmeile entwickelt.“ Bunte Vielfalt eben, was auch gut sei. Leider nicht beobachten konnte sie, wer in der Nacht zum gestrigen Mittwoch den Schlüssel für die Müllcontainer auf dem Hof ihres Hauses gestohlen hat. Sarkastisch meint die 77-Jährige: „Mich wundert, dass mein Rollator noch nicht geklaut wurde!“