Freiwillige, bitte melden

Pflegende Angehörige stehen irgendwann im Dauerstress. Ständige Einsatzbereitschaft bei gleichzeitiger Erfüllung der normalen Alltagsaufgaben, das kann an sie Substanz gehen. Vor allem, wenn dann auch noch die sozialen Kontakte einschlafen.

Wolfgang Waßmann weiß das nur zu gut. Nicht als pflegender Angehöriger, sondern als Ehrenamtlicher des häuslichen Entlastungsdienstes der evangelischen Kirche ist er seit fünf Jahren unterwegs. Aktuell betreut er zwei Männer mit dementieller Erkrankung. Seine grundsätzliche Beobachtung, wenn Angehörige mal zwei, drei Stunden für sich hatten: „Wenn die Pflegenden eine kleine Auszeit hatten, kommen sie sichtlich entspannter und sogar fröhlicher nach Hause.“ Und sie konnten sich beim Einkauf, beim Treffen mit Freunden, beim Spaziergang, Sport , Arztbesuch oder etwa beim Frisör immer darauf verlassen, dass es dem Kranken daheim gut geht.

Entlastungsleistungen, die den Betreuungsdienst ermöglichen, waren bisher nur Menschen mit einer dementiellen Erkrankung vorbehalten. Bisher, wohlgemerkt. Denn seit 1. Januar dieses Jahres können auch psychisch Kranke und Schwerbehinderte von diesem unterstützenden Service profitieren. Geregelt werden die Betreuungsleistungen in Paragraf 45b des Sozialgesetzbuches (SGB) XI (Pflegeverstärkungsgesetz).

Was positiv für Erkrankte und Pflegende gleichermaßen ist, wirkt sich nun auch auf das Angebot des häuslichen Entlastungsdienstes in der evangelischen Kirchengemeinde Bulmke aus. Hier koordiniert Elke Lüning-Mackschin die Unterstützung von Angehörigen geistig veränderter Menschen. 15 Ehrenamtliche, allesamt für ihre Aufgaben geschult, sind, wie etwa Wolfgang Waßmann, im Einsatz. Mit dem erweiterten Leistungsangebot des Pflegeverstärkungsgesetzes braucht’s indes mehr Freiwillige, die sich für eine geringe Aufwandsentschädigung der Aufgabe annehmen. Pfarrerin Dr. Zuzanna Hanussek vom Kirchenkreis-Referat Altern, erläutert den finanziellen Hintergrund: „Das Gesetz beinhaltet, dass Menschen zwischen 104 und 208 Euro monatlich zur Verfügung stehen. Unsere Ehrenamtlichen erhalten acht Euro pro Stunde.“

Worum es geht, was die Freiwilligen erwartet, darauf gibt’s Antworten bei der Infoveranstaltung am 5. März (18.30 Uhr) im ev. Gemeindehaus, Florastraße 119. Die insgesamt 40 Stunden umfassende Qualifizierung findet ebenfalls hier statt. Und zwar an den Wochenenden 2. /3. Mai, 6./7. Juni und 27./28. Juni. . Die geschulten Ehrenamtlichen erhalten am Schluss ein Zertifikat, dass sie als Demenzbegleiter ausweist. Dieses ist die Voraussetzung für den Einsatz – und für die Übernahme der Kosten durch die Kassen.