Fortschritte bei der Behandlung von Arthrose

Rund 170 Gäste verfolgten am Mittwoch im Michaelshaus Gelsenkirchen die Ärztevorträge beim WAZ Medizinforum zum Thema Arthrose. Dr. med Christoph Ballhorn, Oberarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Marien-Hospital Buer, erläuterte neue Behandlungsmethoden.
Rund 170 Gäste verfolgten am Mittwoch im Michaelshaus Gelsenkirchen die Ärztevorträge beim WAZ Medizinforum zum Thema Arthrose. Dr. med Christoph Ballhorn, Oberarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Marien-Hospital Buer, erläuterte neue Behandlungsmethoden.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Arthrose ist heilbar – bei Menschen bis 50 Jahre. Diese These zog viele Besucher zum WAZ-Medizinforum. Doch die Ernüchterung folgte.

Gelsenkirchen.. „Arthrose ist heilbar“ – mit dieser provokativen Aussage hatten die Ärzte des St. Marien-Hospitals in Buer knapp 200 Menschen zum WAZ-Medizinforum ins Michaelshaus gelockt. Und tatsächlich konnten die Mediziner, alle drei aus der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Hoffnung machen. Allerdings nur Patienten zwischen 18 und 50 Jahren.

Chefarzt Dr. Alexander Awakowicz untermauerte dies sogleich. „Zu dieser Aussage stehe ich, weil ich viele Patienten kenne, die keine Beschwerden mehr haben.“ Fast sei es so, als könne man diese „wegzaubern“. Und das mit einer Methode, die neuartig klingt, jedoch bereits seit vielen Jahren im St. Marien-Hospital angewendet wird.

„Aber kaputter als es ist, kann das Areal nicht werden.“

Die Rede ist von der Knorpelzelltransplantation. Bei einer Kniespiegelung werden dem Patienten Knorpelzellen entnommen und über sechs bis acht Wochen im Labor vermehrt. „Zurück kommen dann Kügelchen“, zeigte Awakowicz ein Bild von den menschlichen Knorpelzellen. „Jedes davon enthält etwa 200 000 Zellen. Damit wird der Gelenkdefekt aufgefüllt.“

Der neue Knorpel wächst im Knie zusammen und füllt exakt den Schaden aus. Danach stellt er sein Wachstum ein. Der Eingriff birgt, neben den normalen Risiken einer Operation, keine weiteren. Zwar könne es sein, dass die Knorpelzellen nicht anwachsen. „Aber kaputter als es ist, kann das Areal nicht werden.“ Das Besondere: Geht alles gut, kann man wirklich von einer Heilung sprechen.

Die Beschwerden sind in den Griff zu kriegen

Der einzige Haken daran: „Die Methode ist geeignet für Menschen bis rund 50 Jahre.“ Dabei geht es vor allem um das biologische Alter, das die Fähigkeit der Knorpelzellen beeinflusst, in solcher Weise zu wachsen. Irgendwann nämlich ist damit Schluss. Wichtig sei auch, frühzeitig zu handeln. „Im fortgeschrittenen Stadium bringt das Verfahren nichts mehr.“

Dann müsse man durchaus auch zu Prothesen greifen, so Awakowicz. Diese seien aber nicht die massiven Instrumente, die man sich vorstelle: Seit vier Jahren können solche Prothesen individuell entwickelt und von einem 3D-Drucker hergestellt werden. „Die Fehlerquote liegt so fast bei Null, denn wir planen alles speziell für den Patienten, der die Prothese bekommt.“ Moderne Medizintechnik, die oft erfolgreich ist. „Es gibt Menschen, die mit einer Prothese keine Beschwerden mehr haben.“

Und so sei etwas dran, an der provokativen Aussage. Zumindest, wenn man unter „Heilung“ die Beschwerdefreiheit versteht. „Arthrose ist heilbar. Wir bekommen die Beschwerden in den Griff, so dass die Patienten eine Menge an Lebensqualität dazu gewinnen.“

Auch Bandscheibenzellen könnten bald transplantiert werden

Dr. Bülent Cetinkaya, leitender Arzt für spezielle Unfallchirurgie, widmete sich in seinem Vortrag der Vorbeugung von Stürzen im Alter. Denn diese haben häufig schlimme Folgen. So verliert ein Drittel der Menschen, die sich den Schenkelhals brechen, die Selbstständigkeit, ist fortan pflegebedürftig.

Der Mediziner riet vor allem zu ausreichend Bewegung und einer Kräftigung der Muskulatur. Im häuslichen Umfeld gehe es zudem darum, alles sicher zu gestalten. „Man sollte Sturzgefahren beseitigen, für eine geeignete Beleuchtung sorgen und Haltegriffe im Bad anbringen.“ Auch zu Hüftprotektoren riet Cetinkaya. „Das ist eine verstärkte Unterwäsche.“ Um der weit verbreiteten Osteoporose entgegen zu wirken, müsse man auch auf die Ernährung und eine ausreichende Kalziumzufuhr achten.

Liegt dennoch eine Verletzung vor, speziell an der Wirbelsäule, ist der Weg ins Krankenhaus oft unerlässlich, erklärte Oberarzt Dr. Christoph Ballhorn. Er stellte die bekannteste Erkrankung der Wirbelsäule, den Bandscheibenvorfall, in den Mittelpunkt. Der Verschleiß dieser „Stoßdämpfer“ sei kaum aufzuhalten. Auch hier hält die Zukunft, soviel sei bereits absehbar, große Fortschritte bereit. So werde sicher bald ein Transplantationsverfahren von Bandscheibenzellen in Krankenhäusern Einzug halten. Bereits heute ist ein Ersetzen der Bandscheiben durch Hydrogel-Implantate möglich. „Allerdings im Moment noch nicht für die Masse der Patienten“, so Ballhorn.