Formiert sich in Gelsenkirchen "Pegida"-Ableger "Gegida"?

Bild von der  weihnachtlichen Vesper vor der Frauenkirche in Dresden: Hier  hörten am 23. Dezember rund 21000 Menschen unter freiem Himmel die Worte von Bischof Bohl, der Respekt vor anderen Religionen und Kulturen forderte und an die asyl- und islamkritischen Pegida -Demonstranten appellierte, in einen Dialog einzutreten.
Bild von der weihnachtlichen Vesper vor der Frauenkirche in Dresden: Hier hörten am 23. Dezember rund 21000 Menschen unter freiem Himmel die Worte von Bischof Bohl, der Respekt vor anderen Religionen und Kulturen forderte und an die asyl- und islamkritischen Pegida -Demonstranten appellierte, in einen Dialog einzutreten.
Foto: imago/epd
Was wir bereits wissen
Seit Mitte Dezember gibt es auf Facebook Hinweise auf einen geplanten „Spaziergang“ des Pegida-Ablegers im Januar in Gelsenkirchen. Im sozialen Netzwerk wächst Protest gegen die „Patrioten“.

Gelsenkirchen.. Sie nennen sich „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz Pegida, marschieren seit dem 20. Oktober wöchentlich durch Dresden und inzwischen auch andere Städte. Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnete Pegida erst Mitte Dezember als „Chaoten und Strömungen, die wenig hilfreich sind“. Ableger der von dem mehrfach vorbestraften Lutz Bachmann organisierten Bewegung gibt es inzwischen in Bonn (Bogida), Düsseldorf (Dügida), Köln (Kögida) oder Kassel (Kagida). Und bald auch in Gelsenkirchen?

Jedenfalls gibt es im sozialen Netzwerk Facebook eindeutige Hinweise darauf, dass im Januar ein „Gegida-Spaziergang“ stattfinden soll. Was bereits das Interesse der NPD (!) geweckt hat. Viel wichtiger aber: Es gibt bereits eine wachsende Gegengruppe auf Facebook: Gelsenkirchen GEGEN Gegida/Pegida. „In Gelsenkirchen wie anderswo ist kein Platz für Rassismus, Hetze und Verleumdung! Macht mit!“ heißt es auf der Seite der Gemeinschaft, die Andreas Jordan vom Gelsenzentrum eröffnet hat. Bis Montagnachmittag hatten bereits 538 Facebook-Nutzer ihre Zustimmung zum Protest dokumentiert.

Starke Gegenbewegung

Darunter die Bundestagsabgeordnete Irene Mihalic, unter anderem Sprecherin für innere Sicherheit der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne. Sie sagt: „Ich kann nur hoffen, dass das in Gelsenkirchen nicht Schule macht und die hier Fuß fassen. Wir müssen ein ganz klares Zeichen setzen, dass solche Ressentiments hier keine Chance haben.“ Sollte es zu einer Kundgebung kommen, „würde ich mir wünschen, dass eine starke Gegenbewegung dort steht“. Es sei schlimm, so Mihalic, wie hier versucht werde, sozialen Unfrieden und die Ängste einer Minderheit zu nutzen, um die Wut in eine bestimmte Richtung zu kanalisieren.

„NoGegida“-Intitiator Jordan beschreibt seine Aktivität so: „Ich will ein Zeichen setzen: Ihr werdet es hier nicht einfach haben!“ Nach seiner Einschätzung handelt es sich bei den Gegida-Initiatoren um Trittbrettfahrer. Die es leider immer gebe, wie SPD-Fraktionschef Klaus Haertel meint. Die Facebook-Aktivitäten kannte er gestern noch nicht, sagte aber zu Pegida: „Was da an Vorurteilen und Dummheit zusammenkommt, ist nicht auszuhalten.“ CDU-Fraktionschef Wolfgang Heinberg findet „solche Bewegungen, egal wo, sehr bedenklich, weil sie Trennendes haben“. Er geht davon aus, dass sich die Demokratische Initiative positionieren wird.