Filmpremiere für den „12. Mann“ in Gelsenkirchen

Der Regisseur Florian Quanz (2.v.r.) zeigte Samstag in Gelsenkirchen seinen Dokumentarfilm „Der 12. Mann". Der Filmemacher aus Kassel hat in einer Langzeitstudie vier Fans von Fußball-Bundesligavereinen begleitet. Zur ersten Aufführung in Gelsenkirchen sind drei von ihnen erschienen:  (v.l.) Trompeten-Willy alias Wilhelm Plenkers (Schalke 04), Christel Neumann (Eintracht Braunschweig) und Hans-Jürgen Schweers (Borussia Dortmund).
Der Regisseur Florian Quanz (2.v.r.) zeigte Samstag in Gelsenkirchen seinen Dokumentarfilm „Der 12. Mann". Der Filmemacher aus Kassel hat in einer Langzeitstudie vier Fans von Fußball-Bundesligavereinen begleitet. Zur ersten Aufführung in Gelsenkirchen sind drei von ihnen erschienen: (v.l.) Trompeten-Willy alias Wilhelm Plenkers (Schalke 04), Christel Neumann (Eintracht Braunschweig) und Hans-Jürgen Schweers (Borussia Dortmund).
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Was wäre der Fußball ohne Fans? Filmemacher Florian Quanz hat vier Hardcore-Fans über Jahre begleitet. Mit dabei: „Trompeten-Willy“

Gelsenkirchen.. „Bekloppt, aber ich liebe es“: Die Fußball-Fan-Dokumentation „Der 12. Mann“, Erstlingswerk von Regisseur und Produzent Florian Quanz, porträtiert den Schalker „Trompeten-Willy“ und drei weitere Menschen, die sich dem Fan-Sein hingeben. Am Samstag feierte der Film in den Gelsenkirchener Apollo Cinemas Premiere.

„Ich habe mich bewusst für eine Langzeitdoku entschieden“, sagt Florian Quanz vorab im Gespräch mit der WAZ. Vier Jahre lang hat er seine vier Protagonisten begleitet. Neben dem Schalker Wilhelm Plenkers sind das Christel „Südkurven-Mutti“ Neumann (Eintracht Braunschweig), Detlef „Bajazz“ Kühn (FSV Mainz 05) und „der schwarz-gelbe Gegenpart zu meiner Person“, wie Plenkers frotzelt, Hans-Jürgen „Itze“ Schweers (Borussia Dortmund). „Warum ich Itze heiße, das weiß ich nicht“, erklärt der in der Eröffnungsszene. Auf seinem schwarz-gelben Fahrrad fällt er in Schwerte auf.

Film über vier Fußball-Fans

Die Idee zum Film kam Quanz durch einen Artikel in der Zeit. Von Felix Magath, zu der Zeit Schalke-Trainer, berichtete der, auch Willy Plenkers kam darin vor: „Ich dachte mir, so verrückt kann ein Fan gar nicht sein“, erzählt Quanz. Kurzerhand fuhr er nach Gelsenkirchen, saß drei Stunden mit Plenkers im Garten, sie redeten, am Ende stand das Filmangebot. Aber „vier mal Trompeten-Willy wäre langweilig“, so recherchierte Quanz, stieß auf „Itze“, den treuherzigen Borussen, „Bajazz“, den nachdenklichen Mainzer Fastnachtsnarr und die fürsorgliche „Südkürven-Mutti“ aus Braunschweig.

Eine „Gratwanderung“ sei es, Menschen so persönlich zu begleiten: Man müsse einerseits wie ein Freund sein, die Kamera im Hintergrund halten, gleichzeitig dürfe man nicht zu nahe treten. Die Dortmunder Meisterschaft 2012, Eintracht Braunschweigs Aufstieg 2013, Rudi Assauers Nachricht von seiner Alzheimer Erkrankung – Quanz konnte besondere Situationen einfangen. Sein Film bringe Fans zusammen. Deshalb sei es umso bedauerlicher, dass von offizieller Seite in Gelsenkirchen keine Unterstützung kam: Quanz habe sich an alle vier Vereine gewendet, berichtet er, „allein von Schalke habe ich nicht mal eine Antwort erhalten“. Seine Kritik: „Das hat einfach mit Wertschätzung der Fans zu tun.“

Ein kleiner Schatten über der ansonsten gelungenen Premiere. Hinter allem Fußballsinn und -unsinn stehen vier Menschen, die mit Hingabe Fans sind, ihre Liebe zu Verein, Stadt und Menschen leben. Herausgekommen ist ein aufschlussreicher Film, skurril und anrührend. Er bringt Menschen nahe, die keine Hauptrolle im Fußballzirkus spielen, auf ganz eigene Weise liebenswürdig sind. Ja, sogar der „schwarz-gelbe Kollege“.