"Faules System der Finanzmärkte"
14.10.2008 | 18:43 Uhr 2008-10-14T18:43:00+0200Die Finanzkrise und ihre Folgen – darüber sprach WAZ-Redakteur Michael Muscheid mit dem Wirtschaftswissenschaftler Heinz-J. Bontrup von der Fachhochschule Gelsenkirchen.
Herr Bontrup, haben Sie Ihr Aktienpaket noch rechtzeitig verkaufen können?Bontrup: Ich habe keine Aktien – und gehöre somit nicht zur Spekulantengruppe in unserem Land.
Schade, dann können Sie sich nicht an den steigenden Kursen erfreuen. . .Bontrup: Was ist das für eine Aussage? Fangen wir etwa wieder mit dem Spekulieren an? Dann ist die nächste Finanzkrise nur noch eine Frage der Zeit. Wieso das?Bontrup: Die Finanzkrise ist das Ergebnis einer gigantischen Umverteilung, die wir seit drei Jahrzehnten betreiben – von unten nach oben. Menschen, die durch ihre harte Arbeit die Werte schaffen, erhalten nicht das Geld, das sie verdienen, es wandert zu den Vermögenden. So bläht sich die Finanzsphäre auf, ist schließlich überbewertet, und schon ist die Spekulationsblase da. Und jetzt ist sie geplatzt.
Welche Rolle spielt da der Staat?Bontrup: Er hat die ungerechte Umverteilung nicht berichtigt, sondern sogar Öl ins Feuer gegossen – indem er die Reichen mit Steuern und Sozialabgaben entlastet und die unteren Einkommensschichten belastet hat. Jetzt, da die Staatsverschuldung wächst und der Staat Kredite benötigt, profitieren wieder die Reichen: Sie geben die Kredite und erhalten dafür Zinsen. Das ist fast schon pervers.
Was sind die Auswirkungen der Finanzkrise – gerade auch für eine Stadt wie Gelsenkirchen?Bontrup: Die Folge heißt Nullwachstum, wenn nicht sogar Negativ-Wachstum, und das wird sich auf die Arbeitsmärkte mit höheren Arbeitslosenzahlen niederschlagen. Für eine eh schon gebeutelte Stadt wie Gelsenkirchen tut die Finanzkrise sogar doppelt weh.
Hat die Bundesregierung mit ihrem Hilfspaket richtig gehandelt?Bontrup: Ihr blieb ja keine Alternative, als das faule System der Finanzmärkte zu stützen. Wenn Banken das Vertrauen untereinander verlieren, sich kein Geld mehr verleihen, dann ist das ein Gau.
Was muss nun passieren, damit nicht der nächste folgt?Bontrup: Die Krise lehrt uns, dass man Finanzmärkte nicht sich selbst überlassen darf, wie das Neoliberale Land auf, Land ab predigen. Spekulationen müssen erschwert, Finanzmärkte kontrolliert und Steuerschlupflöcher gestopft werden. Geschieht das nicht, wird weitergezockt – mit den bekannten Folgen.
Muss sich der Sparer Sorgen machen?Bontrup: Nein, muss er nicht. Das staatliche Rettungspaket sorgt dafür. Aber: Die Folgen der Finanzkrise wird jeder einzelne über das Durchschlagen auf die Realwirtschaft zu spüren bekommen.
12:02
Eine gute und erhellende, treffsichere Analyse.
12:02
und niemand sagt etwas dazu. weder die spd noch die linken!!! einhellig wird das tolle rettungspaket der bundesregierung gelobt. eine unvorstellbar große summe an steuergeldern!!!!! wird den raffgierigen, gewissenlosen bankmanagern hinterher geworfen!! ohne verpflichtungen!! ohne drastische änderungen/eingriffe in den finanzsektor. keine funktionierende aufsicht, keine neuen gesetzte/regelungen. die ackermänner dieser welt machen einfach weiter wie bisher! mit unserem geld!! das finanzsystem muss europaweit verstaatlicht werden!!! manager persönlich haften!! und unsere tolle politikelite abgewählt werden. sie haben völlig versagt!!! auch die spdler...auch unsere mdb poß!!!!!!!!!!!!!!!!!