Erinnerungskultur ist Teil der Friedenserziehung

Soldatenfriedhof  Vladslo in Belgien. Das Foto zeigt die Namensliste Gefallener am Menentor.
Soldatenfriedhof Vladslo in Belgien. Das Foto zeigt die Namensliste Gefallener am Menentor.
Foto: Sepp Spiegl Ministerium Presse
Was wir bereits wissen
Gerade sind die 17 Oberstufenschüler der Gesamtschule Berger Feld aus dem belgischen Flandern zurückgekommen. Auf dem deutschen Soldatenfriedhof Vladslo nahe der belgischen Stadt Ypern legten sie am 11. November ein Grabgesteck in den Farben Blau-Weiß nieder. 25 645 Soldaten liegen hier, einer der Gefallenen ist Franz Kahlke aus Gelsenkirchen.

Gelsenkirchen.. Gerade sind die 17 Oberstufenschüler der Gesamtschule Berger Feld aus dem belgischen Flandern zurückgekommen. Auf dem deutschen Soldatenfriedhof Vladslo nahe der belgischen Stadt Ypern legten sie am 11. November ein Grabgesteck in den Farben Blau-Weiß nieder. 25.645 Soldaten liegen hier, einer der Gefallenen ist Franz Kahlke aus Gelsenkirchen.

In der Gesamtschule Berger Feld hat die Fahrt nach Belgien Tradition - zum 16. Mal findet sie statt. Monate zuvor beschäftigen sich die Schüler im Geschichtsunterricht mit dem 1. Weltkrieg. Bei ihren Recherchen stoßen sie auf Franz Kahlke, der bei Westfalia Schalke bzw. dem Turnverein 1877 Schalke spielte. Als 18-Jähriger fällt er 1918, 14 Tage vor dem Waffelstillstand, auf dem Schlachtfeld in Flandern.

Gedenken am Ehrenmal Berger See

„Die Schüler sind beeindruckt, welche Aufmerksamkeit der 1. Weltkrieg in den europäischen Nachbarländern bekommt“, resümiert Lehrer Detlev Kmuche, der die Fahrt begleitet hat. Die Schüler wollen weiter über Franz Kahlke recherchieren und suchen Fotos von ihm. An diesem Sonntag, am Volkstrauertag, 15 Uhr, tragen sie die Grabrede, die sie auf dem Soldatenfriedhof Vladslo gehalten haben, am Ehrenmal am Berger See vor.

In Gelsenkirchen gibt es 4094 Einzelgräber. 2010 qm Sammelgrabstätten gibt es für die „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“: Soldaten, Zivilisten und Zwangsarbeiter aus dem 1. und 2. Weltkrieg haben dort ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die Grabstätten befinden sich auf acht städtischen Friedhöfen. Nur auf den städtischen Friedhöfen Beckhausen und Hassel gibt es keine Kriegsgräber. Gräber wurden in den 80er Jahren angelegt.

„Als Mahnung für nachfolgende Generationen dürfen die Gräber nicht eingeebnet werden“, sagt Sabine Otthöfer, Leiterin der Abteilung Stadtbildpflege bei Gelsendienste. Für die Pflege und Unterhaltung der Grab- und Erinnerungsstätten bekommt die Stadt als Friedhofsträger jedes Jahr Geld von Düsseldorf. Das Land leitet die vom Bund bereit gestellten Mittel an die Kommunen weiter. In diesem Jahr flossen etwas über 250.000 Euro an die Stadt.

Geld für die Gräberpflege

Die Summe setzt sich aus zwei Einzelposten zusammen: 97.800 Euro für die Pflege der Gräber und die Unterhaltung der Flächen sowie 156 000 Euro als Ruherechtsentschädigung. Sie gilt als Finanzausgleich für die Friedhöfe, weil die entsprechenden Flächen nicht als normale Grabstätten angeboten werden können. „Die Ruherechtsentschädigung ist festgeschrieben“, so Otthöfer. Bislang jedenfalls. Weil Friedhöfe in Zeiten, in denen der Trend zum Urnengrab geht, nur selten so ausgebucht sind, dass Grabgesuche abgelehnt werden müssen, fürchten manche Kommunen nun, dass sie auf diesen Zuschuss irgendwann verzichten müssten.

Unbeeinflusst von der Bezuschussung engagiert sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) für den Erhalt und die Pflege der 2,5 Millionen Kriegsgräber in 45 Ländern Europas und in Nordafrika. „Die Russen kooperieren sehr mit dem Volksbund“, beschreibt Klemens Eisfeld, Geschäftsführer des VDK-Ortsverbandes Gelsenkirchen, die Lage nach dem Zerfall der Sowjetunion. Der VDK finanziert Jugendcamps, bei denen die Friedenserziehung zum Konzept gehört. Berger Feld ist ein Beispiel.