Erholung in Gelsenkirchen im Zeichen des Regenbogens

Mit ihren Kindern Sofia (3) und Polina (2) gehören Sergeji (31) und Katharina (26) zu der Besuchergruppe. Die beiden kleinen Mädchen sind ertaubt. Von Raduga wurden Untersuchungen bei Ohrenspezialisten und die bessere Einstellung ihrer Cochlea-Implantate organisiert und bezahlt.
Mit ihren Kindern Sofia (3) und Polina (2) gehören Sergeji (31) und Katharina (26) zu der Besuchergruppe. Die beiden kleinen Mädchen sind ertaubt. Von Raduga wurden Untersuchungen bei Ohrenspezialisten und die bessere Einstellung ihrer Cochlea-Implantate organisiert und bezahlt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Raduga Tschernobylhilfe holt Kinder von 8 bis 14 Jahren für unbeschwerte Urlaubswochen nach Gelsenkirchen. Den Besuchern gefällt das grüne Revier.

Gelsenkirchen.. Für Anastasia (8) ist der Fall klar: Sie fand das „Trampolino“ besonders klasse. Olga hat „Schloss Beck“ am besten gefallen. Ihr Alter gibt sie auf Deutsch an. „Neun“ ist das Mädchen, seit einem Jahr lernt sie in der Schule die fremde Sprache.

Für weitere Auskünfte muss ihr dann aber doch Elena Susjko zur Seite springen – die Lehrerin und Dolmetscherin. Sie gehört zu der Gruppe aus Weißrussland, die der Verein Raduga nach Gelsenkirchen eingeladen hat, um Mädchen und Jungen aus der Tschernobyl-Region vier unbeschwerte Urlaubswochen zu bieten. 19 Kinder, zwei Betreuer und ein Elternpaar sind diesmal bei Gastfamilien untergekommen.

Die Lehrerin übersetzt für die Kinder

„Fast alle Kinder haben ein schwaches Immunsystem. Sie sind oft krank.“ Da führe eine Erkältung mal schnell zu einer Mittelohrentzündung, zu Angina oder einer Nierenentzündung, sagt die Lehrerin Seit zwölf Jahren begleitet sie den Austausch, diesmal sind ihre beiden Kinder mitgekommen.

An einer Dorfschule unterrichtet die Deutschlehrerin. 70 Kinder besuchen die Einrichtung. Das Dorf liegt rund 25 Kilometer vom Mosyr entfernt. Zu dem Ort mit rund 125.000 Einwohnern und zwei Dörfern hält Raduga Kontakte. 120 Kilometer Luftlinie trennen die Stadt vom GAU-Meiler in Tschernobyl, der am 26. April 1986 so nachhaltig große Teile der Ukraine und Weißrusslands verseuchte.

„Jetzt, eine Generation nach dem Super-Gau, zeigen sich die Langzeitfolgen. Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und Missbildungen nehmen zu“, stellt man bei Raduga fest. Das Wort bedeutet Regenbogen. Er ist das Symbol des Vereins. 1995 schlug Raduga eine Brücke in die Atom-Region. Sie trägt noch heute. Nach einem Jahr Pause – mangels Finanzen – konnte wieder eine Gruppe kommen.

Arena-Führung, Besuch in der Feuerwehr-Hauptwache, eine Stadtrundfahrt oder Ausflüge wie zuletzt in den Gesundheitspark Nienhausen stehen auf dem Programm. Traditionell lud auch wieder der gebürtige Kasache Alexander Fichtner Kinder und Gasteltern in seinen Laden an der Bochumer Straße ein. In den Freizeitpark Schloss Beck kommen die Kinder bei freiem Eintritt, bei der Zoom-Erlebniswelt oder im Sportparadies sind diese Zeiten vorbei. „Da lässt man uns nicht mehr umsonst rein“, sagt der Raduga-Vorsitzende Ralf Theune. Reisekosten, Versicherungen, Programm: Die Besuche finanziell zu stemmen, ist stets eine Herausforderung. Ebenso, genug Gastfamilien zu finden. Diesmal wurden noch Plätze gesucht, da waren die Kinder bereits auf der Anreise. „Es war sehr knapp, wir haben gezittert“, gestehen Theune und seine Stellvertretin Ilse Engmann.

Doch dann hat sich alles gefügt, wieder einmal. Und die Besucher sind angetan von ihrem Urlaubsziel: .„Ich finde diese Stadt hat sehr, sehr viel Grün“, sagt Susjko. „Die besonders freundlichen Leute“ sind Katharina, einer jungen Mutter, positiv aufgefallen. „Und dass man gegrüßt wird auf der Straße, das gibt es bei uns nicht.“

Hoffnung für zwei taube Mädchen

Sofia (3) ist mit einem Jahr taub geworden, Polina (2) wurde mit einem schweren Gehörschaden geboren. In Minsk sind die beiden Mädchen operiert worden, haben Cochlea-Implantate für ein Ohr bekommen. Die Hörprothesen für Gehörlose, deren Hörnerv noch funktioniert, sind ihre Verbindung zur Außenwelt. Doch die Steuergeräte sind klobig, die Einstellung ist nicht optimal. Mit ihren Eltern Sergeji (31) und Katharina (26) sind die beiden Mädchen nach Gelsenkirchen gekommen. Der Raduga-Vorsitzende Ralf Theune hat Besuche bei Spezialisten organisiert. In der Uniklinik Essen und im Cochlea-Implantatezentrum wurden die Kinder untersucht. Sofia, war nach den Hörtests klar, konnte schlecht Sprache erkennen, bei Polina waren die hohen Töne viel zu laut. „Die haben ihr weh getan, sie hat das Gerät daher of ausgeschaltet“, sagt Theune. Die Situation hat sich verbessert. „Unser großer Traum ist, dass bei beiden Kindern auch das andere Ohr operiert werden kann, aber das ist für den Verein hier nicht zu stemmen, aber vielleicht eine OP in Minsk.“

Spenden: Raduga Tschernobyl-Hilfe GE, Sparkasse GE, IBAN: DE17420500010127011455/ BIG: WELADED1GEK, Verwendungszweck: Sofia und Polina