Er ist Deutschland dankbar

Fremdenfeindlichkeit sei ihm nie begegnet, sagt Philippe Gbegnon, der nicht nur spätberufenes Parteimitglied ist, sondern seit der letzten Wahl auch ein Mandat im Integrationsrat hat. Ganz betont sagt er: „Ich bin Deutschland dankbar, total dankbar.“ Ausrufungszeichen. Selbst der oft kritisierte Bürokratismus in der Bundesrepublik ist etwas, dass der 65-Jährige auch nach 40 Jahren noch schätzt. Weil der Apparat eine zuverlässige Größe ist, den er in seinem Heimatland an der Elfenbeinküste nicht kennt.

Das herzliche Lachen weicht einer ernsten Mine, als das Gespräch auf die Zustände in großen Teilen Afrikas und die entsetzlichen Flüchtlingstragödien mit aktuell hunderten ertrunkener Menschen im Mittelmeer kommt. „Unsere Länder sind zu Rohstofflieferern geworden.“ Das Wort Ausbeutung fällt nicht. Stattdessen fragt Gbegnon: „Warum investiert man nicht in Afrika? Warum macht man beim Thema Billiglohnländer einen Bogen um Afrika?“ Nüchtern konstatiert der schmale Mann im karierten Sakko: „Man hat die Fische vor Afrikas Küsten weggefischt. Die afrikanischen Fischer finden nichts mehr.“ In Afrika gebe es kaum Infrastruktur und die Politiker seien unfähig und korrupt. Und dann der islamistische Terror der Boko Haram ... Es ist ein Erklärungsversuch für die Massenflucht. Eine Flucht von Menschen, denen Schlepper das Paradies versprechen und dafür Geld kassieren würden.

Und das ist die Brücke zu einem seiner Lieblingsthemen: Bildung. Dafür möchte er sich einbringen. Nicht sofort so umfassend, wie er es möchte – jetzt, wo sein Ein-Mann-Unternehmen in Sachen CAD Fahrt aufnimmt. Aber bald, wenn mehr Zeit ist.

Beim Thema Zeit und dem Togo-Fußball im Zimmereck kommt auch die Sprache darauf, wo das Bundesliga-Herz des sympathischen Herrn Gbegnon schlägt. Er fängt so an: „Meine Frau ist für Schalke.“ Aha. Die Vorahnung bestätigt sich. Der 65-Jährige ist BVB-Fan. Habe sich in seiner Münsteraner Zeit so ergeben. Immerhin drückt Philippe Gbegnon der Mannschaft seiner Frau aber die Daumen.