Architektur in der Stadt
Entplanung
23.07.2008 | 18:48 Uhr 2008-07-23T18:48:00+0200
Seile mit Weile: Gestern haben Fassadenkletterer das Hans-Sachs-Haus entkleidet, oder um im Jargon der sechs Fachleute zu bleiben: von der Wetterfolie befreit. Jetzt kann die Vermessung beginnen
Ein luftiges Unterfangen betrieben sechs Fassadenkletterer der Firma Prorope gestern von sieben Uhr morgens bis in den Nachmittag mit viel Sorgfalt am Hans-Sachs-Haus. Schritte der Entplanung:
1. Hoch kommen Geschäftsführer Gregor Spork beschreibt den Vorgang formal korrekt so: „Wir haben das Gebäude von der Wetterplane befreit.” Das allerdings ist wenig förmlich und vor allem gar nicht so leicht, wenn das Gebäude eigentlich nur noch das Skelett eines Gebäudes ist. „Unsere größte Schwierigkeit war, überhaupt Zugang zu unserem Arbeitsplatz zu bekommen.”2. Seile mit WeileDen verschafften sich die fünf Entplaner (der Chef blieb vorsichtshalber auf dem Boden der Tatsachen) auf ungewöhnliche Weise. „Sie müssen sich das so vorstellen: Wir haben diese Seile, die sind fünf Millimeter dick und haben am Ende ein Bleigewicht: Die haben wir über die Stahlkonstruktion geworfen, um dann daran unsere Arbeitsgeräte zu montieren.” Cuttermesser und Montiereisen etwa. Die braucht es, um in einer Höhe von 25 Metern zunächst mal die 900 Quadratmeter Plane in kleine Stücke zu zerschneiden. Schnipp schnapp, Folie ab - die Schneider Lüfte sind dabei übrigens ebenso festgebunden wie ihr Arbeitsgerät. Womit? Natürlich mit Seilen, zwei an der Zahl mit Namen Lastseil und Sicherungsseil. „Da kann nichts passieren”, versichert Gregor Spork (Um das Ende der Geschichte vorwegzunehmen: Es ist auch nichts passiert!)
3. Nackig am Mittag Passiert ist allerdings während der neun Stunden Höhenflug dann doch so einiges. Ein Großteil der Plane war schon in den Mittagsstunden runter. Hans-Sachs Haus wieder nackig, so.
4. Leiste lohnt sichKomplizierter stellte sich das Abmontieren der Holzleisten dar, an denen die Plane befestigt war. Diese mussten einzeln zersägt werden. Aber auch das klappte prima. Um fünf Uhr verkündete ein zufriedener Chef Gregor Spork: „Wir liegen mit den Arbeiten voll im Zeitplan, ich denke, es ist geschafft.”5. In Zukunft vermessenNach der Entplanung ist vor der Vermessung. Denn der Grund, warum die Folie von der Fassade entfernt werden musste, ist, dass sie vermessen werden muss (die Fassade.) „Dafür braucht es freie Sicht”, sagt Stadtsprecher Martin Schulmann. Man sieht's.
00:34
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
10:24
Jetzt da die alten und unansehnlichen Planen entfernt sind und die Vermessungen durchgeführt wurden, nehmen sich die Verantwortlichen der Stadt und der Bauplaner hoffentlich ein Beispiel an den Städten wir Berlin oder Frankfurt.
Hier werden große Gebäude, die saniert werden, mit Bauplanen sichtgeschützt, auf denen Fassaden aufgemalt oder Reklame angebracht sind.
Hinter diesen Planen wird gearbeitet, ohne dass das von außen zu sehen ist.
So sieht eine Baustelle dann auch ansehnlich aus.