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Elf Klassiker müsst ihr sein

18.12.2007 | 21:07 Uhr

Linksverteidiger, Rapper, Labelbesitzer: Ein Streifzug mit Christian Pander durch die Historie des HipHop

WAZ-SERIE (6) BLAU UND WEISS WIE LIEB ICH DICH - SCHALKE UND SEINE LIEDER Sugarhill Gang: Rappers Delight (1979) Das war der allererste Hip-Hop-Meilenstein - vier Jahre vor Deiner Geburt. Welcher HipHop-Song war Dein erster persönlicher Favorit?

Christian Pander: Das ist eine gute Frage. Anfangs habe ich auf jeden Fall viel Wu-Tang Clan und sehr viele deutsche Sachen gehört. Ein guter Kumpel hat mich irgendwann in den 80ern darauf gebracht.

Advanced Chemistry: Fremd im eigenen Land (1992) Dieser Song war so etwas wie der Durchbruch für deutsche Rapper. Wie stehst Du grundsätzlich zu deutschem HipHop?

Pander: Ich hör lieber deutschen als US-HipHop. Und wir machen mit unserem Label "Hood Production" auch deutschen R'n'B und HipHop. Deshalb liegt es nahe, dass ich viele deutsche Sachen höre - allein schon um zu wissen, was die "Konkurrenz" macht. Im Auto ist der Anteil von deutschen und englischen Songs bei mir aber etwa 50:50.

Guru: Loungin' (1993) Guru von Gang Starr hat 1993 bei seinem Solo-Projekt HipHop mit Jazz fusioniert. Stehst Du jenseits von Black Music auch noch auf andere Richtungen?

Pander: Eigentlich nicht. Unsere Sängerin hat gerade ein Soul-Jazz-Lied aufgenommen. Das hat mir gut gefallen. Privat höre ich Rock oder Pop aber eher nicht.

Hattest Du nie eine Phase, in der Du andere Stile besser fandest?

Pander: Man hat immer mal so Phasen, in der man Pop hört. Ich muss ja die Charts verfolgen, um zu sehen, wie sich einige Sachen entwickeln.

Method Man: I'll Be There For You, produziert von Puff Daddy (1995) Du hast früher in einem Interview mal Puff Daddy alias P. Diddy als einen Deiner absoluten Lieblinge bezeichnet. Ist das heute noch so?

Pander: Er ist ein toller Business-Mann, das muss man anerkennen. Er ist ja nicht der überragende Künstler, aber trotzdem ein Mensch der polarisiert und zudem ist er noch ein sehr guter Produzent.

Fettes Brot: Jein (1996) Deine eigenen Songs sind auf Deutsch. Könntest Du Dir auch vorstellen, englische Texte zu schreiben?

Pander: Ich kann mir das vorstellen, aber dann bräuchte ich jemanden, der die Texte schreibt. Ich könnte es nicht zu 100 % so schreiben, wie ich es denke und fühle. Die Umgangssprache bekommt man auf Englisch auch nicht so hin. Und Deutsch versteht hier nun mal jeder. Fettes Brot hab' ich früher übrigens häufig gehört. Das ist aber nicht mehr die Musik, die mir heute gefällt. Deutscher HipHop, das ist für mich eher Kool Savas oder Azad.

Absolute Beginner: Füchse (1998) Die Beginner mit dem charismatischen Frontmann Jan Delay. Du stehst selbst nicht so gerne im Mittelpunkt, hast Du mal gesagt. Ist es dann nicht ein Widerspruch, dass Du selbst zum Mikro greifst?

Pander: Das komplette Beginner-Album kenne ich auswendig; das habe ich gefeiert damals. Zu der Frage: Musik mache ich eher hinter verschlossenen Türen. Ich will ja nicht bei "The Dome" auftreten. Ich mach' das, weil ich Spaß dran habe. Und das Label ist ja ein komplett anderes Paar Schuhe.

Fanta 4: MfG (1999) Fanta 4 gelten als hervorragende Live-Band. HipHop und Konzerte - geht das für Dich zusammen?

Pander: Ich war auf diversen Konzerten. Fanta 4 habe ich in Ausschnitten im Fernsehen gesehen, wo sie mit einer Live-Band aufgetreten sind. So was finde ich sehr geil. Das beste Konzert, das ich live gesehen habe, war von Xavier Naidoo. Das ist zwar kein HipHop, sondern Soul und R'n'B. Der Auftritt war überragend.

Aaliyah: Try Again (2000) Bei R'n'B sind Frauen stark vertreten, im HipHop so gut wie gar nicht. Was sagt Du zur Haltung von Gangsta-Rappern gegenüber Frauen?

Pander: Davon distanzieren wir uns komplett. Das gehört sich einfach nicht. Mit Gangsta-Rap haben wir bei unserem Label nichts zu tun.

Beyonce? & Jay-Z: Crazy Right Now (2003) Hört Ihr so etwas auch im Mannschaftskreis?

Pander: Ja. Das ist kommerzielle Musik, die auch in den Charts war. Deshalb kennt das auch jeder.

Bist Du unter den S 04-Profis ein Exot mit Deinem Musikgeschmack?

Pander: Nein, das kann man nicht sagen. Ich höre ja auch nicht nur irgendwelche Underground-Songs, sondern auch Sachen, die die Masse gut findet. Und bis jetzt konnte ich eigentlich fast jeden davon überzeugen, dass die Musik, die ich höre, gut ist.

Public Enemy: Harder Than You Think (2007) Public Enemy und andere Bands haben mit ihren Songs stets politische Botschaften verbunden. Findest Du eher über Texte oder über den Sound Zugang zu Musik?

Pander: Sowohl als auch. Wir sind bei unserem Label ein sehr musikalischer Haufen. Nichtdestotrotz spielen auch die Texte eine große Rolle, was sich ja auch in meinem Song "Meine Story" widerspiegelt, den ich komplett selbst geschrieben habe.

Culcha Candela: Hamma! (2007) Kannst Du mit solchen Songs etwas anfangen?

Pander: (lacht) Das ist auf jeden Fall ein Hit.

Klingt nach Diplomatie.

Pander: Das ist ein schmaler Grat. Ich ziehe den Hut davor, weil es zwar einfach ist, aber offenbar auch das ist, was die Leute hören wollen.

Songauswahl & Interview:

Lars-Oliver Christoph

Offensiv auch im Studio: Christian Pander. Für die WAZ setzte sich der S 04-Profi ebenfalls Kopfhörer auf und hörte in 11 Klassiker rein.

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