Einzigartiger Dialog der Jahrhunderte

Die Neue Philharmonie Westfalen bei einem Auftritt im Dezember im Musiktheater im Revier.
Die Neue Philharmonie Westfalen bei einem Auftritt im Dezember im Musiktheater im Revier.
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Was wir bereits wissen
Concerto Grosso, Dialog zwischen einer kleineren und einer größeren Gruppe von Instrumenten, stand am Montag auf dem Programm der Neuen Philharmonie Westfalen im MiR.

Gelsenkirchen.. Concerto Grosso, Dialog zwischen einer kleineren und einer größeren Gruppe von Instrumenten, steht am Montag auf dem Programm der Neuen Philharmonie Westfalen im MiR – dank eines Geniestreiches des GMD Rasmus Baumann wird es beim 8. Sinfoniekonzert zusätzlich zu einem Dialog der Jahrhunderte.

Eine Kammerformation mit Streichern, zwei Oboen und Cembalo beginnt mit Georg Friedrich Händels Concerto Grosso Nr. 6 in g-moll, ein „largo affettuoso“ – liebevoll und weit, barocker geht es nicht.

"Dann explodiert das Museum“

Beschwingt geht es in den nächsten Satz, die Oboen fehlen, aber tänzelnd werfen sich zwei Streichergruppen die Noten im Stil des 18. Jahrhunderts zu, die Melodie schraubt sich immer einen Ton höher – bis jäh ein dissonanter Klavierakkord die Harmonie zerstört. „Alles beginnt traditionell, dann explodiert das Museum“, mit diesem Zitat von Alfred Schnittke hat Baumann zu Beginn schon angedeutet, was sein Anliegen ist: die Verzahnung von Händels Werk mit dem Concerto Grosso Nr. 3 des deutsch-jüdischen Komponisten aus dem Jahr 1985.

Geht das? Schnittkes „allegro“ türmt sich immer mehr zu einem immensen Summen und Brummen wie von Hummelschwärmen auf, der sich dann langsam entfernt.

Publikum hält den Atem an

Die Solisten Razan Hamza und Istvan Karasconyi lassen ihre Geigen leise ersterben, die Luft flirrt, das Publikum im nicht ganz ausverkauften Großen Haus hält den Atem an – dann, löst sich die Spannung mit den Impetus des zweitem Satzes aus Händels Feder.

Eine weitere feine „Unterhaltung“ zwischen verschiedenen Gruppen von Instrumenten bietet Baumann nach der Pause. Die tänzerische Suite op. 26 von Eduard Künneke lässt eine 12-köpfige Jazz-Band mit dem kompletten Orchester dialogieren.

Großes Kino im wahrsten Sinne des Wortes, wie Film-Musik der 1930er Jahre. Fünf Sätze erzählen Geschichten. Melancholische Streicherteppiche warten auf Saxophon-Passagen, Tangorhythmen werden durch die Einwürfe zahlloser Schlagwerker verfremdet, Baumann begleitet sein Dirigat mit wiegenden Tanzschritten. Ein Walzerthema wogt vom Jazz über in das Orchester, dreht sich schneller und schneller, wie ein Karussell des absurden Theaters. Viel Applaus, Rasmus Baumann und die Neue Philharmonie werden mit enormen Zuspruch belohnt, viermal muss der GMD die Seinen zur Verbeugung einladen.