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Eine Stadt im Kampf um Arbeit

16.12.2012 | 18:30 Uhr
Gut 800 Menschen beteiligten sich am Samstag an einer Demonstration der IG Metall für den Erhalt der Arbeitsplätze beim Automobilzulieferer TRW.Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen. Wenn sich Geschichte wiederholt, dürfen sich 150 Mitarbeiter des Automobilzulieferers TRW Automotive am Standort Schalke Hoffnungen auf den Erhalt ihrer Arbeitsplätze machen.

Wie bei der drohenden Schließung des Vaillant-Werkes vor knapp 10 Jahren formiert sich ein breiter Protest gegen den Stellenabbau in der Stadt. 800 Teilnehmer marschierten am Samstag vom Musiktheater lautstark über die Bahnhofstraße zu einer Kundgebung auf dem Heinrich-König-Platz. Auch sonst gibt es viele Parallelen zur Vaillant-Rettung.

Das Werk ist topmodern

Die Vorwürfe, die die IG Metall gegenüber dem TRW-Management in London erhebt, gleichen denen, die 2003 bei Vaillant für Empörung sorgten. Es sollen in einem Werk Stellen abgebaut werden, das 2011 noch 20 Millionen Euro Gewinn gemacht hat. „Das Werk in Schalke ist topmodern und flexibel, die Mitarbeiter hoch qualifiziert“, so der Gelsenkirchener IGM-Bevollmächtigte Robert Sadowsky , der eine Begründung für die Rationalisierung seitens der TRW-Leitung vermisst.

„Eine Zahl nach der anderen löst sich bei Prüfung in Rauch auf.“ Was den Gewerkschafter auf die Palme treibt: Die Standorte in Europa würden gegeneinander ausgespielt werden. Mit den Gewinnen aus Gelsenkirchen werde die Produktentwicklung in Düsseldorf finanziert, die Produktion wandere aber ab nach Osteuropa. Die Belegschaft will ihren Teil vom Auftragskuchen langfristig abhaben. „Wo die Entwicklungsgelder erwirtschaftet werden, sollen auch die Produkte gefertigt werden“, so Ugur Coskun, Betriebsratsvorsitzender in Schalke.

Auf 40 Millionen Euro verzichtet

Er schimpfte auf die EU-Politik, die Steuergeschenke an anderen TRW-Standorten zulasse und so die Reise des Kapitals ermögliche. Als Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter wertete Coskun die Tatsache, dass die Belegschaft in Schalke seit 2004 durch Ergänzungstarifverträge auf 40 Millionen Euro verzichtet hätte und so maßgeblich zur Sicherung des Standortes beigetragen habe. Einen Unterschied zu 2003 gibt es aber doch. Die Krise in der Automobilbranche, jüngst befeuert von der Opel-Schließung, sorgt auch bei TRW für einen Auftragsrückgang.

Der Konjunktur wollen die Mitarbeiter mit dem „Schalker Appell“ entgegentreten. „Kürzere Arbeit für alle, statt Arbeitslosigkeit für 150“, fasst Robert Sadowsky den Inhalt zusammen. Das Management solle die von der Bundesregierung vor einer Woche geschaffene Möglichkeit, das Kurzarbeitergeld auf 12 Monate zu verlängern, Gebrauch machen. Neben dem Protestmarsch und einer Mahnwache vor dem Werkstor schließt Sadowsky weitere Aktionen nicht aus. „Aufträge sind da, es wurde Leute gefragt, ob sie auf geplanten Urlaub verzichten.“ Sadowsky: „Wir können sie auch da treffen, wo es weh tut.“

Baranowski kritisiert Management

„Haben Sie den Arsch in der Hose und sagen Sie denen in London das“ – mit scharfen Worten beendete OB Frank Baranowski einen Begründungskatalog für den Erhalt der TRW-Arbeitsplätze, den er der Schalker Werksleitung ins Aufgabenheft diktierte. Nach einer Manager-Schelte lobte er den Protest: „Es ist gut, so viele Menschen zu sehen, die in der Stadt Stellung beziehen.“

Kampf um TRW

Neben der Politik (SPD-Landtagsabgeordnete Heike Gebhard, SPD-Bundestagsabgeordneter Joachim Poß) kamen auch Vertreter der Kirchen zum Protestmarsch. Mitarbeiter der TRW-Werke Krefeld und Barsinghausen sprachen ihre Solidarität aus. Yasemin Rosenau, Betriebsratsvorsitzende bei Vaillant, erinnerte an den Kampf um Arbeitsplätze vor 9 Jahren. DGB-Regionschef Josef Hülsdünker forderte den Stopp der De-Industrialisierung.

Patrick Schleu



Kommentare
17.12.2012
10:57
@ Pellet | #4
von AuroraBorealis | #5

Sie schreiben doch selbst "Opel ist schon lange kein entscheidender TRW-Kunde mehr.".
Somit ist TRW nach wie vor Zulieferer für Opel. Nichts anderes steht unter #3.
Was stellt TRW her? Für welche Branche sind diese Teile gedacht?
Wie geht es dieser Branche?
Na, dämmert´s?!

Sie scheinen selbst keine Ahnung zu haben. Oder sehen die Welt in verklärtem Blick.

17.12.2012
07:44
@AuroraBorealis
von Pellet | #4

Wenn Sie keine Ahnung haben, unterlassen Sie es doch wenigstens, dummes Zeug zu Lasten der TRW-Mitarbeiter zu schreiben. Opel ist schon lange kein entscheidender TRW-Kunde mehr. Das sind Peanuts. Hier hat man sich rechtzeitig angepaßt.

17.12.2012
00:09
Eine Stadt im Kampf um Arbeit
von AuroraBorealis | #3

TRW ist Zulieferer für Opel in Bochum.
Opel in Bochum ist 2016 tot.
Dass durch die TRW-Konzernleitung schon heute die entsprechenden personalpolitischen Weichen gesetzt werden, das ist für jeden Ökonomen nachvollziehbar.

Man muß sich letztendlich immer wieder fragen: WARUM (!) schließt z. B. Opel?!
Antwort: Es werden immer weniger Autos gekauft.
Warum werden immer weniger Autos gekauft?
Weil den Menschen das Geld fehlt.
Warum fehlt den Menschen das Geld?
Weil mit Einführung unter SPD u. GRÜNEN und der Zustimmung durch CDU, FDP von HARTZ IV sämtliches Lohn- u. Gehaltsgefüge aus den Bahnen geworfen worden ist.

16.12.2012
21:42
Eine Stadt im Kampf um Arbeit
von geronimo1 | #2

ich habe ja inzwischen begriffen das die WAZ zum Kampfblatt der SPD mutiert ist, nichts desto trotz es waren auch noch andere aus der hiesigen Politik bei dieser Demo anwesend. Ich nenne da niemanden ausdrücklich, weil Eigenlob etc, aber wäre nur die SPD aufmarschiert, dann wäre das Ergebnis etwas sehr mager ausgefallen. Aber wie schon angemerkt, man muss nur Einfluss genug haben und schon wird nur noch von einer politischen Partei berichtet.

16.12.2012
19:41
Eine Stadt im Kampf um Arbeit
von cityspeaker2000 | #1

Während sich Gelsenkirchener per Protestmarsch gegen den Stellenabbau in der Stadt formieren kümmert sich Ratsmitglied Oehlert um den Weihnachtsmarkt. Das nenne ich Solidarität. Toll!

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