Eine Oper lässt den Balkan tanzen

Komponistin Isidora Zebeljan und Regisseur Michel Dijkema bereiten die Uraufführung im Musiktheater Gelsenkirchen vor.
Komponistin Isidora Zebeljan und Regisseur Michel Dijkema bereiten die Uraufführung im Musiktheater Gelsenkirchen vor.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
„Simon, das Findelkind“ feiert am Freitag Uraufführung im Musiktheater im Revier.

Gelsenkirchen.. Wie einst Moses im Alten Testament liegt auch Simon in einem Weidenkörbchen, das auf einem Fluss schwimmt und schaukelt. Mönche finden den Säugling und nehmen ihn bei sich auf. Wie Simon später in einer rastlosen Reise durch die Welt nach seinen Eltern, seiner Herkunft und Identität suchen wird, davon erzählt die Oper „Nahod Simon“ (Simon, das Findelkind), die am Freitag, 29. Mai, im Musiktheater uraufgeführt wird.

Die serbische Komponistin Isidora Zebeljan entwarf nach den biblischen Motiven, nach dem serbischen Volksgedicht „Simon der Findling“ und dem Thomas Mann-Roman „Der Erwählte“ ein Musiktheater, das sich in opulenten Bildern und mit treibenden Rhythmen mit der Suche eines Menschen nach seinen Wurzeln auseinandersetzt.

Flotte Tempi und tänzerische Motive

Die Geschichte wird erzählt in zehn üppigen Bildern zwischen Hyperrealität und surrealem Kosmos und nimmt die Züge einer griechischen Tragödie an, wenn Simon schließlich schicksalhaft und ohne sein Wissen zum Liebhaber der eigenen Mutter wird.

Der niederländische Regisseur Michiel Dijkema, der am Musiktheater zuletzt mit seiner bildgewaltigen Sicht auf Mozarts „Zauberflöte“ begeisterte, setzt die Oper in Szenen um und bringt nach eigenen Worten förmlich ganz Serbien in knapp zwei Stunden auf die Bühne.

Valtteri Rauhalammi dirigiert

Die groß besetzte Neue Philharmonie Westfalen, die den kompletten Orchestergraben ausfüllen wird, dirigiert Valtteri Rauhalammi. Seit November setzt er sich intensiv mit der Musik von Isidora Zebeljan auseinander und weiß: „Für die Musiker ist die Partitur sehr schwer zu spielen, weil es überaus anspruchsvolle, aber fantastische Musik ist.“ Es sei eine Komposition, die die Fantasie der Hörer wecke: „Vor dem inneren Auge entsteht eine schöne, spannende und abwechslungsreiche Reise.“

Der Dirigent beschreibt die Musik als expressiv, durchsetzt mit Volksmusikelementen, das alles in hohem Tempo: „Diese Oper verliert nie ihren serbischen Klang.“ Damit das so ist, wird eine echte, fünfköpfige Balkan-Banda im Orchestergraben mitmischen und ab und zu auch in die Szenerie auf der Bühne eingreifen und für jede Episode eine eigene Atmosphäre schaffen.

Schwierigkeiten des Lebens meistern

Dirigent Rauhalammi ist auf jeden Fall schon mal begeistert von dem energiegeladenen Sound, den er und seine Musiker entfachen: „Es dominieren flotte Tempi, es gibt tänzerische Elemente, am Schluss klingt die Musik nahezu sakral wie in einem Gottesdienst, wie in einem Gebet.“

Die Komponistin interessiert vor allem das Thema, wie ein Mensch die Schwierigkeiten des Lebens meistert, ohne seine Hoffnung an das Gute im Menschen zu verlieren.

Mitgestaltet wird dieser Riesenbühnenkosmos durch ein großes Sängerensemble, durch Opernchor, Extrachor und den Opern-Kinderchor der Chorakademie Dortmund. Wohin Simons Reise am Ende führen wird, man darf gespannt sein.