Eine Liebe, die das Leben überdauert

Diese Liebesgeschichte dauert auch über den Tod hinaus noch an: Josefine und Karl Wolters waren fast 72 Jahre lang glücklich verheiratet. Anfang des Monats nun sind beide direkt nacheinander verstorben. Sie wollten und konnten wohl nicht ohne einander leben.

Josefine Wolters, geborene Franzen, wurde 95 Jahre alt, ihr Ehemann Karl hätte im Juli seinen 98. Geburtstag gefeiert. Und bis zum Schluss waren sie verliebt wie ein junges Paar. Kennengelernt hatten sich beide bei einem traurigen Anlass: Josefine Franzens Bruder Paul war während des Krieges in Frankreich gefallen, an der Trauerfeier nahm auch sein bester Freund Karl teil – und beiden war, so erzählten sie mir einmal, sofort klar, dass sie für immer zusammengehörten.

Da beide während des Krieges an unterschiedlichen Orten eingesetzt waren (Karl als Stadtplaner und Architekt in Hitlers östlichem Hauptquartier Wolfsschanze und Josefine als Röntgenschwester in Polen) war eine Heirat ihre einzige Chance, „um wenigstens zusammen Heimaturlaub zu bekommen.“ Sie haben den Schritt nie bereut. Karl Wolters war lange der letzte noch lebende Zeitzeuge aus der Bauzeit des Hans-Sachs-Hauses und machte sich nach dem Krieg als Stadtplaner in Gelsenkirchen einen Namen. Er folgte seiner geliebten Josefine am 6. Mai. Sie war am 5. Mai verstorben. Das Seelenamt für beide soll am 22. Mai um 11 Uhr in der Kirche Heilige Familie in Bulmke stattfinden.