Eine Lebensfeier für den verstorbenen MiR-Architekten Werner Ruhnau

Bridget Breiner tanzte „Tué".
Bridget Breiner tanzte „Tué".
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Mit Musik, Tanz, Gesang und wohlgesetzten Worten wurde die Gedenkfeier für den Vater des Musiktheaters im Revier am Sonntag gestaltet.

Gelsenkirchen.. Es scheint, als werfe er ein letztes Mal den Blick über die Schulter hinein in sein Theater: Überlebensgroß dokumentiert das Porträt von Prof. Werner Ruhnau auf der Bühne des Musiktheaters im Revier einen Teil dessen, wofür der am 6. März im Alter von 92 Jahren verstorbene bedeutende Architekt und Künstler zeit seines Lebens stand – für einen wachsamen, kritischen, einen streitbaren und humorvollen Geist.

Das Opernhaus, das Ruhnau einst ab 1956 konzipiert und erbaut hat, richtete am Sonntag eine Gedenkfeier aus; voller Musik, Tanz, Gesang und wohlgesetzter Worte.

Den Geist wachhalten

„Nicht Trauer-, sondern Lebensfeier“ sollte es sein, betonte MiR-Generalintendant Michael Schulz ganz im Sinne des Baumeisters und seiner Familie vor rund 600 Gästen, die sich zuvor im Foyer in ein Kondolenzbuch eingetragen hatten. Lebensfeier, weil Werner Ruhnaus Bestreben einem Theater als Ort des Spiels gegolten hat, das das Leben abbildet, „als Raum, in dem das Spiel das Leben ist“.

Spielerische Freiheit und konzeptionelle Strenge vereinte auch das von Musikern der Neuen Philharmonie Westfalen interpretierte Violinkonzert a-moll BWV 1041 von Johann Sebastian Bach. „Traurig und tröstend zugleich“, wie Schulz formulierte. Weitere MiR-Künstler traten auf, die den Bauherrn allesamt gut gekannt haben, absolvierte er doch bis zum Schluss seine beliebten Architekturführungen. Mezzosopranistin Anke Sieloff forderte mit Charlie Chaplin „Smile“ (Lächle) und Bassist Joachim Gabriel Maaß sang Gerald Finzis „Fürchte nicht mehr …“. Aufgabe des Musiktheaters sei es nun, so Intendant Schulz, den von Ruhnau beschworenen Geist wachzuhalten.

Eingang in das kollektive Gedächtnis

Das Programm des gestrigen Sonntags, da war sich Oberbürgermeister Frank Baranowski sicher, hätte Werner Ruhnau gefallen: „Morgens Gedenkfeier und schon am Abend pralle Musicalunterhaltung, das hätte seinen Ideen entsprochen.“ Der OB über den Macher und den Menschen: „Durch seine Visionen und sein Wirken, seinen Mut und seine Leidenschaft hat er Gelsenkirchen nicht nur bereichert, sondern entscheidend geprägt.“ Das bleibt: „Sein Vermächtnis wird die Zeiten überdauern.“

NRW-Bauminister Michael Groschek analysierte Ruhnaus Philosophie des Spiels und wünschte ihm „einen himmlischen Spielplatz. Er hat ihn verdient!“ Prof. Dr. Bazon Brock schließlich versprach am Ende seines Vortrags: „Heute geht jemand in unser kollektives Gedächtnis ein.“ Filmeinspielungen von 1963 und 2007 ließen den Baumeister noch einmal selbst zu seinem Projekt Musiktheater zu Wort kommen.

Ein Kind bringt die Menschen zum Lachen

Der gebürtige Königsberger Werner Ruhnau wurde bereits vor einer Woche in Kassel beigesetzt, in einer noch von ihm selbst entworfenen Grabstätte, einer Künstlernekropole. Sein Grabmal mit dem Namen Spielraum schuf er bereits 1995.


Und auch das hätte dem bekannten Meisterarchitekten gefallen: Mitten in die Performance „Lichtbrechen“ hinein, in der Aktionskünstler und Choreograph VA Wölfl brachial Leuchtröhren zerbricht, bis es dunkel wird, ruft ein Kind „Was macht der da?“ - und bringt die Menschen mitten in der Gedenkfeier für ein paar Sekunden zum Lachen.