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Alexandra Popp:

Eine Karriere im ICE-Tempo

20.05.2009 | 19:26 Uhr

Dienstagmorgen in der Gesamtschule Berger Feld: Die einzige Mitschülerin im Kunstunterricht von Arthur Preuß malt nach eigenen Aussagen „etwas Surreales”, aber Pokale oder etwas, das an Fußball erinnert, ist beim besten Willen nicht zu erkennen.

Dabei hätte sie allen Grund dazu: Freitagabend greift sie in der Duisburger MSV-Arena im Team des FCR Duisburg nach dem Uefa-Cup. Nach dem 6:0-Hinspielerfolg beim russischen Meister Zwedsda Perm scheint der Titelgewinn für Alexandra Popp nur noch Formsache. Und das mit gerade einmal 18 Jahren!

Dabei hätte es die rasante Karriere um ein Haar gar nicht gegeben. Bis zu ihrem 14. Lebensjahr hat sie nämlich nur mit Jungs Fußball gespielt, und das hätte sie am liebsten so beibehalten. „Frauen haben mich überhaupt nicht interessiert, ich habe nicht so viel von Frauenfußball gehalten”, bekennt die Gevelsbergerin heute. Zum Glück änderte sich die Einstellung. Zunächst als erfolgreiche Stürmerin des Verbandsligisten 1. FFC Recklinghausen fand sie sich mit Start in diese Saison im Bundesliga-Team des FCR Duisburg wieder - auf der Abwehrposition. „Die Außenverteidigerin hatte sich verletzt, da hieß es: Geh mal nach hinten – und dann ist keiner an mir vorbeigekommen”, erinnert sie sich. Daraus sind mittlerweile 20 Bundesligaeinsätze geworden. Die notwendige Härte im Zweikampfverhalten holt sich die hoch aufgeschossene Verteidigerin im Training mit den Jugendlichen des FC Schalke 04. Dienstags, donnerstags und freitags steht Fußball auf dem Stundenplan. Damit es aber so weit kommen konnte, musste eigens eine „Lex Alexandra” geschaffen werden. „Wir sind zwar seit 2007 offiziell Eliteschule des Fußballs - aber nur für Jungs”, berichtet Lehrer Arthur Preuß, Koordinator der „Fußballschule auf Schalke”. Der kurze Draht zum DFB und zum Bundesligisten war bei der Sondergenehmigung von Vorteil. Seit acht Jahren kümmert Preuß sich um die Nachwuchsstars. Sein Lehrerzimmer schmücken Erinnerungen an Profis wie Manuel Neuer, Mesut Özil, Sebastian Boehnisch oder Alexander Baumjohann. Die 18-jährige Popp nimmt auch bei ihm eine Sonderstellung ein: „Alexandra ist unglaublich zielstrebig, zuverlässig und konzentriert”, so das Urteil des Pädagogen für Kunst und Gesellschaftslehre. Als Schülerin „eine mittlere Drei”, achtet Preuß aber auch peinlichst darauf, dass die schulischen Ziele nicht unter der Fußballer-Karriere im ICE-Tempo leiden. „Die Unterrichts-Ausfälle werden eins zu eins nachgeholt, notfalls durch Aufgaben-Lösungen per E-Mail. Und manchmal wird eine Länderspielreise auch verweigert, weil wichtige Klausuren anstehen”, so Preuß.

Dafür werden der Schülerin auch goldene Brücken gebaut. Ihre 12. Klasse und damit die Fachhochschulreife darf sie in drei Semestern absolvieren. Wenn alles glatt läuft, hat sie es im Frühjahr 2011 in der Tasche und kann sich dann in aller Ruhe auf die WM im eigenen Land vorbereiten, schon jetzt zählt sie zum Perspektivteam. „Vielleicht löst die WM im eigenen Land so einen Schub aus, dass ich anschließend als Fußball-Profi davon leben kann”, hofft die 18-Jährige, die sich aber auch eine Ausbildung zur Physiotherapeutin vorstellen kann.

Gestern stand erst einmal die Führerschein-Prüfung an. Bei den ständigen Fahrten zwischen Wohnort, Schule und Verein eine Entlastung. Das Auto des Sponsors steht schon vor der Tür: Ein Colt für alle Fälle.

Ralf Wilhelm


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