Eine florierende Kooperation

Die Koreanerin Kyung Sook Hwang und die Floristmeisterin Heike Damke-Holtz bei der Fertigung eines Raumteilers, der mit leeren Bierflaschen und Sommerblumen dekoriert wird.
Die Koreanerin Kyung Sook Hwang und die Floristmeisterin Heike Damke-Holtz bei der Fertigung eines Raumteilers, der mit leeren Bierflaschen und Sommerblumen dekoriert wird.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Im Gelsenkirchener Florist Park lernt eine Delegation von Frauen aus Korea die Feinheiten deutscher Floristik. Das Seminar dauert drei Wochen, danach bieten sich den Absolventinnen in ihrer Heimat bessere Perspektiven.

Gelsenkirchen.. Idyllisch, friedlich, geradezu ländlich mutet die Szenerie direkt gegenüber der Veltins-Arena und der viel befahrenen Kurt-Schumacher-Straße an. Umgeben von einem kleinen Teich und großen saftigen Wiesen, sieht man fünf koreanische Frauen ebenso leise und konzentriert mit Blumen hantieren. Die Asiatinnen absolvieren im Florist-Park den Lehrgang zum „Floral-Stylist“.

Die deutsche Floristik genießt einen guten Ruf im Ausland, besonders was die Verarbeitung und Technik angeht“, erklärt Claus Garbe. Er ist für die Seminarorganisation im Florist-Park zuständig. Diese Fortbildung basiert auf den Richtlinien der deutschen Meisterprüfung für Floristen. Seit bereits zehn Jahren gebe es dieses Angebot. Und auch mit anderen Ländern wie etwa Polen, Japan, Brasilien oder Russland bestehen Kooperationen.

Lehrgang über drei Wochen

Drei Wochen sind die Frauen vor Ort und lernen hier intensiv deutsche Floristenkunst kennen und anwenden. Auf dem Gelände des ehemaligen Otte-Hofs seht ihre Unterkunft, ein umgebauter Bauernhof mit 30 Betten. Zwei der Koreanerinnen haben sogar ihre Kinder mitgebracht. Heike Damke-Holtz, Florist-Meisterin, ist die Referentin für den Abschlussblock. Denn schon in Korea wurden die Gäste aus Fernost von Helena Kim auf den deutschen Lehrgang vorbereitet. Sie hat 2008 ihre Meisterprüfung im Florist-Park absolviert und ist für die Verständigung zwischen Damke-Holtz und den Koreanerinnen zuständig.

Damke-Holtz ist sichtlich begeistert von den koreanischen Floristinnen. Ihre Prognose: „Bei diesen Lehrgangsteilnehmerinnen habe ich überhaupt keine Bedenken, dass es jemand nicht schaffen könnte. Es ist ein gutes Team, ehrgeizig und wissbegierig. Es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“ Sie räumt aber auch ein: „Drei Wochen durchzuarbeiten, ist schon hart.“

Prüfung vor der IHK Nord Westfalen

Doch die Belohnung für so viel Fleiß ist nah. „Am 24. August erhalten die Floristinnen ihre Prüfungszertifikate und Urkunden. Aber erst am 28. August reisen sie wieder ab. Da haben sie noch ein wenig Zeit für Ausflüge nach Köln und durch das Ruhrgebiet“, verrät Garbe.

Die Prüfung zum „Floral-Stylist“ sieht dann so aus: Zunächst muss eine schriftliche Hausaufgabe gelöst werden. Ziel: Die Arbeitsschritte von der Idee bis zum fertige Blumenschmuck detailliert zu beschreiben. Außerdem spielt die Kostenkalkulation eine große Rolle, also Materialpreise, Stundensätze und Ähnliches. Im praktischen Teil müssen diese Gebinde auf Zeit erstellt werden. Das Thema dieses Jahr ist die Hochzeitsfloristik. „Die Prüflinge müssen dafür einen Raum- ,Tisch- und Brautschmuck herstellen“, erklärt Damke-Holtz.

Die Prüfung wird vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen absolviert. „Für die Floristinnen eröffnen sich danach neue Perspektiven, einige machen sich selbstständig in Korea“, erklärt Garbe. Mira Kim, Teilnehmerin des Lehrgangs, fühlt sich wohl in dem Seminar: „Was mir an der deutschen Floristik gefällt, ist die schöne Farbgestaltung. Und die Zeit, die man sich für die Kreationen nehmen kann. Zuhause geht’s viel hektischer zu. Und: Floristik in Deutschland naturbelassener, in Korea werden Blumen eher verfremdet.“