Einblicke mit Aussicht
07.08.2009 | 17:51 Uhr 2009-08-07T17:51:00+0200Zwar nicht Himmel und Erde, aber immerhin den Paternoster haben sie im Rathaus in Bewegung gesetzt, um den Teilnehmern der Aktion „WAZ öffnet Pforten” einen schönen Vormittag zu bereiten.
„Freiwillige vor”, sagt eine Besucherin. Unaufhaltsam rattern die Kabinen des alten Aufzugs an der Gruppe vorbei – kein Stopp, keine Türen, die auf und zu gehen. Gerade den jüngeren Besuchern ist der Paternoster eher unheimlich. Die Älteren hingegen haben ein Leuchten in den Augen. „Können wir jetzt fahren”, fragt eine Dame ungeduldig, schnappt ihren Gatten, und los geht's.
Gemütlich rattert der Aufzug nach oben. „Weiterfahrt gefährlich” steht an der Wand des Zwischengeschosses. „Da hat doch jemand das ,Nicht' durchgestrichen”, stellt OB Frank Baranowski fest. Natürlich fährt er die komplette Runde, einmal oben herum, und einmal durch den Keller. „Früher war das bei uns Kindern eine Mutprobe”, hat er den Besuchern erzählt. Um zu testen, ob die Kabinen oben wirklich nicht umgekippt werden, habe er vorsichtshalber seine Schultasche eine Runde vorfahren lassen.
In der dritten Etage heißt es dann doch wieder aussteigen. Aber nur zum Paternosterfahren sind die Besucher ja auch nicht gekommen. Deshalb geht es weiter, mitten ins Zentrum der Macht, ins Büro des Oberbürgermeisters. Das Büro in Buer, erzählt er, sei ja nur eine Übergangslösung, bis das Hans-Sachs-Haus fertig gestellt ist. Ansehnlich ist es trotzdem. Klassische Stahlrohrmöbel, schwarze Freischwinger-Stühle am gläsernen Konferenztisch, ein kleines Ledersofa in der Ecke, und natürlich der Chefschreibtisch – alles in allem doch recht wohnlich.
Baranowski erzählt, dass der Glastisch besonders bei seiner Sekretärin gar nicht so beliebt sei. Schließlich müsse sie ihn zwischen einzelnen Terminen oft von Handabdrücken und Flecken befreien. Er zeigt die Gastgeschenke, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben. Später werden die Gäste selbst Gastgeschenke bekommen, zum Beispiel eine kleine Solarlampe, schließlich ist man zuhause in der Solarstadt.
Davon können sie sich anschließend im strahlenden Sonnenschein selbst überzeugen. Denn auch die schöne Aussicht vom Buerschen Rathausturm steht auf dem Programm. Knapp 63 Meter hoch ist der, und bis nach oben führen weder der Paternoster noch der Aufzug, sondern viele Stufen.
Der Aufstieg geht ganz schön in die Beine – besonders die älteren Gruppenmitglieder kommen etwas aus der Puste. Dafür öffnet sich oben einmal mehr die Pforte zu einem unvergleichlichen Panorama. Bei einem kühlen Getränk (die Organisatoren von der Stadt haben umsichtig Wasser und Saftschorlen bereitgestellt) und strahlendem Sonnenschein liegt den Besuchern Gelsenkirchen und das Ruhrgebiet zu Füßen. „Ah, die Arena hat das Dach auf”, registrieren die Tumrbesteiger.
Später gibt es noch Wissenswertes rund um die kommende Kommunalwahl von Wahlamtsleiter Hans-Georg Nasiadek. „Seit elf Monaten sind wir zugange”, erzählt er. Wahllokale für alle 173 Stimmbezirke mussten er und seine Mitarbeiter finden, Wahlhelfer rekrutieren, Wahlbenachrichtigungen an alle 195.000 Wahlberechtigten schicken, die am 30. August ihr Kreuzchen machen sollen.
Die WAZ-Leser dürfen sich im Rathaus schon mal mit den Stimmzetteln vertraut machen – Muster hat Nasiadek bereitgelegt. Drei Stück wird es am 30. August geben, einen hellgrünen für die Ratskandidaten der elf Parteien, einen rosafarbenen für die Bezirksvertretung und einen weißen, auf dem die Bürgermeisterkandidaten stehen.
Zum Abschluss gibt es einen Imbiss im Saal Cottbus – dort, wo sonst Ausschüsse tagen und Sitzungen stattfinden. Sitzt sich gut dort, finden die Besucher, geschafft von der Tour.
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