Ein Wirtschaftsfaktor für das Land

Auch wenn niemand gerne Steuern zahlt, das neue Finanzamt Gelsenkirchen ist ein Gebäude mit einem einladenden Charakter. Viele Fensterflächen und ein großzügiger Innenhof haben mit dem Bild von verstaubten und tageslichtfreien Amtsstuben gar nichts mehr gemein. Dazu kommt die öffentliche Kantine, deren Akzeptanz bei den Beschäftigten der umliegenden Unternehmen im Büropark Schloss Berge schon jetzt groß ist.

NRW-Minister Norbert Walter-Borjans bewegten die positiven Eindrücke, die er am Mittwoch sammelte, zu dem Satz: „Steuern zahlen macht keinen Spaß, aber Sinn.“ Das wäre auch an diesem Haus zu erkennen. Der Zusammenhang mag so manchem der rund 77 000 Steuerbürger, die Gelsenkirchen zu bieten hat, dauerhaft verborgen bleiben, doch eine echte Wirtschaftskraft stellt dieses neue Finanzamt im Land Nordrhein-Westfalen auf jeden Fall dar.

Steueraufkommen wächst

Zahlen gefällig: Das Steueraufkommen in der Bezirksdirektion Gelsenkirchen erreichte im Jahr 2014 rund 1,109 Milliarden Euro. Das Plus gegenüber dem Vorjahr betrug damit 4,2 Prozent. Dafür stehen in der Stadt (Stand 1. Januar 2015) auch 15 965 Unternehmen. Die teilen sich auf in 381 Großbetriebe, 1527 mittelständische Unternehmen sowie 4773 Klein- und 9284 Kleinstfirmen.

Für das Jahr 2014 gibt die Oberfinanzdirektion NRW ein Lohnsteueraufkommen in Höhe von 485 644 Euro an. Die Einkommenssteuer erreichte 47 415 Euro, die Körperschaftssteuer 28 359 Euro und die Umsatzsteuer 499 225 Euro. Bleibt ein Rest von 49 065 Euro für sonstige Steuern.

Verwaltet wird das Aufkommen an der Ludwig-Erhardt-Straße 7 von 238 Beschäftigten. 70 Prozent sind Beamte, 30 Prozent Tarifbeschäftigte. 107 Frauen und Männer arbeiten in Teilzeit. Am Standort Gelsenkirchen gibt es zudem 24 Nachwuchsbeamte in Ausbildung.

Das Gebäude im Büropark, das 18,8 Millionen Euro kostete, ist viergeschossig und barrierefrei errichtet; sein Grundriss entspricht einer U-Form. Kantine und Küche sind in einem eingeschossigen Trakt untergebracht, dessen Flachdach intensiv begrünt werden soll.

Die Grundstücksgröße beträgt 9500 Quadratmeter, der Anteil der Mietfläche (Eigentümerin ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW) liegt bei rund 6900 Quadratmetern. Dazu gehören 158 Büros, Besprechung-, Schulungs- und Lagerräume. Zur Kantine gehören eine Vollküche und ein Speisesaal mit 78 Sitzplätzen.

Interessant ist das energetische Konzept des viergeschossigen Finanzamtes: Das Gebäude wird über eine Wärmepumpenanlage mit Energie versorgt. Insgesamt 44 Erdsonden leiten die Wärme dazu aus 99 Metern Tiefe in das Finanzamt. Zusätzlich wird die Anlage mit einer konventionellen Brennwertkesselanlage gekoppelt.