Ein Willkommen für rumänische Schüler in Gelsenkirchen

21 rumänische Schüler der Gesamtschule Berger Feld besichtigen das nahe Courtyard by Marriott Hotel. Nach dem Rundgang gab es ein Essen. Dabei erklärten die Hotelbediensteten den richtigen Umgang mit Serviette und Besteck.
21 rumänische Schüler der Gesamtschule Berger Feld besichtigen das nahe Courtyard by Marriott Hotel. Nach dem Rundgang gab es ein Essen. Dabei erklärten die Hotelbediensteten den richtigen Umgang mit Serviette und Besteck.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
21 rumänische Schüler besuchten das Courtyard by Marriott Hotel. Ziel ist es, Schwellenängste abzubauen. Es gab für sie ein First-Class-Menü mit kleiner Knigge-Schulung.

Gelsenkirchen.. Sie lauschen aufmerksam, schauen sich genau um, sind höchst interessiert. Kein Getuschel, kein Gekicher. Eher Staunen. Von ein, zwei Ausnahmen einmal abgesehen, ist es für die Jugendlichen der erste Besuch in einem Hotel – und dann ist es auch noch das Courtyard Marriott. Die Super-Herberge neben der Schalke-Arena – und unweit der Gesamtschule Berger Feld, an der sie zurzeit fleißig die deutsche Sprache büffeln, um schon bald von der Internationalen Förderklasse (IFÖ) in eine Regelklasse zu wechseln.

Es geht nicht nur ums Benehmen

21 rumänische Schülerinnen und Schüler in Begleitung ihrer Lehrer Hakan Baskurt und Cemile Negüzel sowie Schulleiter Georg Altenkamp folgen Gastgeber Christoph Kunzmann vom Marriott-Management zum Fahrstuhl und in einzelne Zimmer, um sich ein Bild vom Haus zu machen. Kunzmann erzählt vom Service des Hauses, erklärt bis hin zum neuen Mini-Bar-System alles, was ein Gast wissen muss. Auch, warum die Minibar neuerdings leer bleibt.

Munterer werden die Jugendlichen, als Christoph Kunzmann die Tür mit der Nummer 1111 öffnet – die 71 Quadratmeter große Suite, in der schon die Klitschko-Brüder genächtigt haben. Der ein oder andere traut sich da sogar, in einem Sessel Platz zu nehmen. Sebastian (16) fragt lächelnd: „Was kostet ein Tag?“ Breites Grinsen auf allen Gesichtern. „365 Euro.“ Wer hier wohnt, bekommt dafür – neben einem fantastischen Ausblick – auch viel geboten. Bis hin zum Bad mit Wanne, raffiniert gefalteten Handtüchern und eine weiße Quietscheente – mit blauen Punkten. Nachbarschaft verpflichtet. Anschließend geht es noch in die Fitness-Abteilung, bevor im Restaurant das i-Tüpfelchen auf dem Stundenplan steht: das Menue.

Am Rande des Besuchs erzählt Georg Altenkamp, dass es hier weniger um eine „Benimm-Stunde“, sondern vielmehr um Willkommenskultur geht, um den Abbau von Schwellenängsten. „Das sind wichtige Dinge für den Integrationsprozess“, sagt der Schulleiter und lobt das Nachbarschaftskonzept des Marriotts. „Das habe ich noch nirgends erlebt“, so der Pädagoge. Der Besuch von Schulklassen im Hotel an der Parkallee gehört längst zur Nachbarschaftspflege – und heute sind es die jungen Rumänen, die hier ein Detail deutscher Kultur erleben.“ Das sind junge, interessierte Leute. Wir öffnen die Türen für sie“, sagt er.

Übernahme von Rollenmustern

Nachbarschaftliche Zusammenarbeit Im Restaurant fällt auf: Jungen und Mädchen sitzen getrennt an den Tischen. Nein, keine gewollte Geschlechtertrennung. Sie tun das, weil es für sie normal ist. „Das mussten wir auch lernen.“ Altenkamp schmunzelt, um dann ernst eine andere Erkenntnis anzusprechen: das klassische Mädchenbild, das viele der Heranwachsenden verkörpern. „Die Kinder übernehmen das Rollenmuster von ihren Eltern.“ Und im Fall der Mädchen sehe das so aus: „Sie bereiten sich auf die erste Schwangerschaft mit 16, 17 Jahren vor.“ Auch da sieht Altenkamp Schule in der Pflicht, andere Wege aufzuzeigen. „Es ist eine Aufgabe für uns, die Mädchen auf die Arbeitswelt vorzubereiten.“

Davon sind sie und ihre männlichen Mitschüler aber noch entfernt. Sie genießen ein First-Class-Menue – und lernen dabei nebenbei ein weiteres wichtiges Kapitel: die Benimmregeln. Aber an diesen Schülern hätte der alte Knigge hätte seine helle Freude gehabt.