Ein verstecktes Pfund
10.08.2012 | 18:37 Uhr 2012-08-10T18:37:00+0200
Gelsenkirchen. Er ist der größte Lebensmittelumschlagsplatz des Ruhrgebietes. Von hier aus gehen jährlich etwa vier Millionen Tonnen Güter auf die Reise in alle Welt.
Allergische Reaktionen ruft im hiesigen Rathaus regelmäßig das Stichwort „Ranking“ hervor – dabei hat die gebeutelte Revierstadt durchaus Pfunde, mit denen sie prächtig wuchern kann. Wobei – richtiger wäre der Ausdruck Tonnen. Über die beachtliche Wirtschaftskraft des Stadthafens , insbesondere der Gelsenkirchener Logistik-, Hafen- und Servicegesellschaft (Gelsen-Log.), eine 100-prozentige Tochter der Stadt, konnte sich jetzt eine 30-köpfige Schar WAZ-Leser überzeugen.
„Mit insgesamt 120.000m2 -Land- und 110.000m2-Wasserfläche bildet der Stadthafen das größte Industriegebiet in Gelsenkirchen“, erklärt Franz-Josef Grefrath mit Stolz. Anerkennendes Nicken bei der Zuhörerschaft. Und große Augen, als der 57-jährige Prokurist und Betriebsleiter von Gelsen-Log noch einen daraufsetzt: „Das hier ist der größte Lebensmittelumschlagsplatz im Ruhrgebiet – 400.000 Tonnen werden hier jährlich umgeschlagen, veredelt oder produziert.“ Botschaft: Ohne uns liegt das Revier – sagen wir mal – auf dem Trockenen.
Nostalgie im Tour-Zug
Die beeindruckenden Zahlen zeigen Wirkung, eifrig werden Kameras gezückt, Köpfe rücken noch dichter an die Scheiben des nostalgischen Waggons der Oesetalbahn, der von einer kraftstrotzenden Diesellok (770 PS) im Bummeltempo übers Areal gezogen wird. Vorn aber, im Führerhaus des bollernden Ungetüms, das spielerisch 22 Waggons oder 1500 Tonnen Fracht bewegen kann, grinsen Nils (12) und Justin (12), um die Wette. Sie haben es nicht so mit Zahlen, dafür aber mit der spektakulären Sicht auf 65 Industrie-Betriebe nebst Lagerhallen und Silos.
A propos Silos: Vier davon, droben am Komplex Müller’s Mühle der Schwerkraft trotzend, waren einst U-Boot-Rümpfe, heute halten sie statt tödlicher Torpedos gesunde Getreideprodukte vor für Discounter. Das wissen die wenigsten, nur Anneliese Kaminski, die rüstige alte Dame mit den Schalke-Wappen auf dem Gehstock kennt die Anekdote: „Bin eben ein Kind der Stadt, ein altes noch dazu“, sagt sie feixend.
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