Ein Vater der Dahlbusch-Bombe in Gelsenkirchen erzählt

Wilhelm Tax (r.), errechnete vor 60 Jahren die Zielbohrung für die Dahlbusch-Bombe. Hier ist er mit Karlheinz Rabas (Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier) mit einem baugleichen Bohrer der ersten Bohrung und vor einer Nachbildung der Dahlbuschbombe zu sehen. Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services
Wilhelm Tax (r.), errechnete vor 60 Jahren die Zielbohrung für die Dahlbusch-Bombe. Hier ist er mit Karlheinz Rabas (Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier) mit einem baugleichen Bohrer der ersten Bohrung und vor einer Nachbildung der Dahlbuschbombe zu sehen. Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Beim Einsatz der Dahlbuschbombe vor 60 Jahren errechnete Wilhelm Tax die Zielbohrung. Jetzt blickte er in Rotthausen auf die Zeit zurück

Gelsenkirchen.. Wilhelm Tax sammelt keine Briefmarken, steht nicht auf Kino und kann überhaupt der Frage nach seinen Hobbys nichts abgewinnen. Was den 92-jährigen, beruflich immer noch stark eingespannten, Diplom-Ingenieur umtreibt: „Ich kümmere mich gerne um Menschen, denn ich bin dankbar. Mir wurde im Leben schon oft geholfen, und das gebe ich gerne weiter.“

Ein Mann aus Rotthausen, tief verwurzelt mit Gelsenkirchen und besonders in seinem Viertel. Tax war am Samstag prominenter Gast einer besonderen Gedenkfeier in der Bergbausammlung Rotthausen: Hier wurde der Rettung der drei Bergleute auf der Zeche Dahlbusch gedacht, die vor 60 Jahren dank der berühmten Dahlbuschbombe befreit werden konnten.

So spannend, lebendig und herzhaft erzählte der 92-Jährige über die fünf unvergesslichen Tage, dass die Zuhörer förmlich an den Lippen des Zeitzeugens hingen. Sein Resümee dieser unvergesslichen fünf Tage im Mai 1955: „Es war ein dolles Erlebnis, was mich sehr geprägt hat. Ich bin sehr froh darüber, dass daran immer wieder erinnert wird und junge Leute sich anhören, wie das mit den Grubenunglücken war.“ Riesenbeifall in der rappelvollen Bergsammlung Rotthausen. Danach wurde das Steigerlied aus vollen Kehlen geschmettert und mit einem wohlverdienten Schnaps nachgespült.

Eines von vier Kindern

Wilhelm Tax ist der Sohn eines Bergmanns, geboren in Rotthausen. Hier lebt er heute noch, und das gerne. Seit 1983, als Ehefrau Gerti starb, ist er Witwer. Sein Vater fuhr auf Zeche Bonifatius ein. „Einer meiner Lehrer riet meinen Eltern, ich solle doch das Gymnasium besuchen. Völlig undenkbar bei einer Bergmannsfamilie mit vier Kindern.“

Also machte der junge Wilhelm eine Ausbildung zum Bergvermesser. 1937 fing er eine Ausbildung bei der Firma Dahlbusch an. Er qualifizierte sich immer weiter, wurde Diplom-Ingenieur. Beim Einsatz der Dahlbuschbombe vor 60 Jahren errechnete Tax die Zielbohrung.

Der berufliche Werdegang

Da hatte der Rotthauser schon einiges erlebt. Er war Soldat im Zweiten Weltkrieg. „Nach zweieinhalb Jahren kam ich aus französischer Kriegsgefangenschaft nach Hause, schwer verletzt. Mein Elternhaus an der Karl-Meyer-Straße 69 gab es nicht mehr, wir waren ausgebombt.“ Eben zu diesem Zeitpunkt halfen ihm und seiner Familie Menschen in Rotthausen. „Helfen ist wichtig, helfen muss man, wenn man kann.“

Als Lehrling hatte Wilhelm Tax bei Dahlbusch angefangen – als er 70 wurde, schied er aus deren Vorstand aus. Aus der Dahlbusch AG wurde die GFW (Gesellschaft für Wohnungsbau mbH) und Tax war bei der GFW bis 1993 im Vorstand.

Bis heute gehört der 92-Jährige zur Geschäftsführung der Gesellschaft: „Am Montag werde ich zur Arbeit gehen. Ich arbeite montags bis freitags, ganz normal“, sagt er wie selbstverständlich.

Drei Bergleute wurden mit der Bombe gerettet

Am 7. Mai 1955 war durch den Abriss einer Druckluftleitung der Blindschacht 8 oberhalb der 11. Sohle zusammengebrochen, wodurch drei Bergleute eingeschlossen wurden.

Am 12. Mai 1955 wurden auf der Zeche Dahlbusch die drei eingeschlossenen Bergleute mit dem neuartigen Rettungsgerät, später Dahlbuschbombe genannt, geborgen: Martin Sander (34), Manfred Arlt (18) und Heinz Krause (33).