Ein Musical auf den Spuren von „Lola Blau“

Das Regieteam von „Lola Blau“:Thomas Rimes (l., musikalischer Leiter), Britta Tönne (Bühnenbild), Daniela Günter (Choreografie), Sandra Wissmann (Inszenierung) und Mark Pearson (Kostüme).
Das Regieteam von „Lola Blau“:Thomas Rimes (l., musikalischer Leiter), Britta Tönne (Bühnenbild), Daniela Günter (Choreografie), Sandra Wissmann (Inszenierung) und Mark Pearson (Kostüme).
Foto: Michael Korte

Gelsenkirchenn. Zu Gelsenkirchen pflegte der Wiener Komponist und Dichter Georg Kreisler (1922-2011) eine ganz besondere Beziehung. Jetzt ist er am Musiktheater zu sehen.

Kreisler widmete der Stadt doch im Jahre 1958 das böse Spottlied „Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen“, vermutlich eine kleine Rache dafür, dass Ehefrau Topsy Küppers kein Engagement mehr am Opernhaus bekam. Hier aber ist man nicht nachtragend: Am Freitag, 13. Februar, feiert Kreislers Musical „Heute Abend: Lola Blau“ Premiere im Kleinen Haus.

20 Kabarettsongs an 20 Orten

Inszeniert wird das Spiel für nur eine einzige Schauspielerin von Regisseurin Sandra Wissmann, der bereits einige große Erfolge am Hause gelangen, darunter Kreislers „Adam Schaf hat Angst“, die „Comedian Harmonists“ und „Cabaret“. Als begeisterte Anhängerin von Georg Kreislers bissiger Poesie und seinem rabenschwarzen Humor freut sie sich nun auf ein Musical, „das die Lebensgeschichte der jüdischen Sängerin Lola Blau, aber auch Kreislers eigene erzählt“.

Im Wien des Jahres 1938 wachsen die Träume der Schauspielerin Lola Blau noch in den Himmel. Bis sie jäh erwacht: Das Theater setzt sie praktisch über Nacht vor die Tür. Nach dem Anschluss ans Deutsche Reich ist auch in Österreich kein Platz mehr für jüdische Künstler. Lola flieht über die Schweiz nach Amerika, wo sie eher zweifelhaften Ruhm als verruchte Nachtclub-Sängerin erlangt. Am Ende wird sie desillusioniert wissen, dass es nicht reicht, einfach nur ein unpolitischer Künstler zu sein.

Über einen Zeitraum von rund neun Jahren verfolgt der Musical-Zuschauer das Schicksal der Künstlerin, hört sie in 20 Kabarettsongs an 20 Lebensstationen von ihrem Schicksal zwischen Komödie und Tragödie erzählen. „Das Bühnenbild“, verspricht Britta Tönne, „wird sich dabei eher zurückhalten, im Mittelpunkt steht die Figur.“

Info: Dem abstrakt-schlichten Bühnenbild stehen üppige Kostüme gegenüber. Mark Alfred Pearson schneidert Lola Blau, die von Christa Platzer gesungen und gespielt wird, für jeden Song ein eigenes Gewand auf den Leib. Ein Riesenaufwand auch für die Schauspielerin. Die Showauftritte choreographierte Daniela Günther, die von der professionellen Zusammenarbeit mit Lola-Darstellerin Platzer schwärmt: „Sie hat so viel Lust, das Stück zu spielen, das macht einfach Spaß.“

Kreislers virtuose und spitzfindige Musik, am Flügel von Kapellmeister Thomas Rimes intoniert, schwankt zwischen komisch und ironisch böse, bitter-süß, zart und leise.

Zuletzt gab es die Revue „Lola Blau“ übrigens von 1988 bis 1990 am Musiktheater im Revier, damals ein Riesenerfolg. Das aktuelle Regie- und Darstellerteam hofft, genau daran anknüpfen zu können.