Ein Krankenwagen auf Irrwegen durch Gelsenkirchen

Über drei Stunden ist ein 82-jähriger Gelsenkirchener von einem Krankenhaus zum nächsten transportiert  worden.
Über drei Stunden ist ein 82-jähriger Gelsenkirchener von einem Krankenhaus zum nächsten transportiert worden.
Foto: Andreas Bartel
Christel Küper pflegt ihren Mann, der an Parkinson leidet, schon länger. Aber mit dieser Odyssee bei einem akuten Notfall hatte auch sie nie gerechnet.

Gelsenkirchen.. „Wenn man sich liebt, übersteht man das auch!“ Das sind die Worte von einer erschöpften Christel Küper. Schon länger kümmert sich die 80-Jährige um ihren Mann Willi, der an Parkinson leidet und immer wieder ins Krankenhaus muss. Als ihr Mann vor wenigen Tagen vor Schmerzen schrie, wusste Christel Küper zunächst nicht weiter und warum. Dann aber merkte sie – für bettlägerige Patienten nicht unüblich – dass ihr Mann einen ausgeprägten Dekubitus (also eine schwer beschädigte Hautregion durch langes Liegen) hat. So rief sie einen Krankenwagen.

„Da mein Mann schon lange krank ist, sind wir mit dem Marienhospital sehr gut vertraut“ so Christel Küper. „Das habe ich den Sanitätern des Krankenwagens auch gesagt und daher wurden wir auch zunächst dorthin gebracht.“ Doch dort gab es die erste böse Überraschung. „Es hieß, man sei voll belegt, könne keine Patienten wie meinen Mann aufnehmen“, so Küper. Also ging es für sie und ihren Ehegatten in Richtung evangelische Kliniken. Aber auch dort: Fehlanzeige.

Gelsenkirchener Feuerwehr bestätigt den Rettungswagen-Einsatz

„Da haben die Sanitäter meinen Mann, der wahnsinnige Schmerzen hatte, schon gar nicht mehr aus dem Wagen geholt, sondern erstmal die Lage geklärt“, sagt Christel Küper. Corinna Lee, Sprecherin der Evangelischen Kliniken bestätigt den Vorfall. „Uns wurden jedoch Symptome des Patienten geschildert, die eine sofortige Isolierung notwendig gemacht hätten“, so Lee. „Wir hatten dahingehend keine Kapazität, daher wurde der Patient an das St. Josef-Hospital in Horst weiter verwiesen.“

Dort liegt er nun auch, jedoch, wie Ehefrau Christel sagt, in einem Mehrbettzimmer – ganz ohne Isolation. „Ich verstehe es einfach nicht, denn eigentlich ging es nur um eine wunde Stelle“, sagt Küper. „Dass mein Mann fast drei Stunden durch halb Gelsenkirchen fahren musste, das soll mir doch mal jemand erklären.“ Ebenso wenig könne sie verstehen, warum der 82-Jährige bei einem Krankenhaus als „Risikopatient in Sachen Ansteckung“ abgewiesen wird, und nun mit zwei Zimmernachbarn ganz normal ein Zimmer teilt. Christel Küper und ihr Mann glauben nicht, dass das ganze „Hickhack, wegen irgendwelcher Ansteckungsgefahr war.“

Andreas Fleige von der Gelsenkirchener Feuerwehr bestätigt den Rettungswagen-Einsatz. „Es kommt leider immer wieder vor, dass Krankenhäuser überbelegt sind“, so Fleige. „Aber natürlich wird immer alles dafür getan, dass ein Patient angemessen untergebracht wird.“ Dass drei Krankenhäuser angefahren werden mussten, um einen Platz zu bekommen, sei gerade für einen Patienten mit extremen Schmerzen sehr bedauerlich, so Fleige. Daher sei man stets bemüht, die bestmögliche Lösung für den Patienten zu finden.

Bislang keine Reaktion vom Marienhospital

Für Christel Küper ist das kein Trost. Für sie war es nur die Frage, ihren Mann Willi in gute Hände zu bringen. „Ich fühle mich einfach nicht ernst genommen“, so die 80-Jährige. „und solch eine lange Reise unter Schmerzen hätte ich ihm gerne erspart.“

Warum das Marienhospital Willi Küper nicht aufnehmen konnte, konnte Dienstag bis Redaktionsschluss nicht geklärt werden. Ebenso der Grund, warum in Sachen Isolation im St. Josef-Hospital in Horst anscheinend andere Spielregeln gelten sollten als in den Evangelischen Kliniken an der Muncheidstraße, konnte oder wollte nicht erörtert werden.

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