Ein Fest im Zeichen der Hoffnung

Das Kirchenfenster in der Paul-Gerhardt-Kirche der evangelischen Kirchengemeinde Gelsenkirchen - Horst stammt aus dem Jahr 1950 und zeigt eine Darstellung der Auferstehungsgeschichte.
Das Kirchenfenster in der Paul-Gerhardt-Kirche der evangelischen Kirchengemeinde Gelsenkirchen - Horst stammt aus dem Jahr 1950 und zeigt eine Darstellung der Auferstehungsgeschichte.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wie sich Gelsenkirchener das in der Osterbotschaft versprochene Leben nach dem Tode vorstellen.

Gelsenkirchen.. Allen Osterhasen und Ostereiern, allen Lämmchen, Küken und Geschenkeorgien zum Trotz: Das, was die Christenheit an diesem Wochenende feiert, ist die Auferstehung Jesu von den Toten. Mit der biblischen Botschaft, dass der Tod nicht das Ende sei, sondern der Anfang vom ewigen Leben, gilt das Osterfest als wichtigstes christliches Fest. Aber wie kommt heute die Botschaft von der Wiederauferstehung bei Menschen an, die täglich mit Sterben und Trauer konfrontiert sind, wie stellen sie sich ein Leben nach dem Tod vor? Die WAZ hörte sich um.

Ostern als Chance zum Nachdenken

Bei einem Bestatter zum Beispiel. „Oh ja, ich glaube unbedingt an ein Leben nach dem Tod“, sagt Beerdigungsunternehmer Dirk Blum. Der 49-Jährige, der sich auch als Trauer- und Sterbebegleiter engagiert, stellt sich das Jenseits nicht bildlich vor: „Ich glaube, alles, was wir uns vorstellen können, wird noch überboten.“ Für den Bestatter sieht das Leben nach dem Tod so aus: „Es wird Frieden sein, es wird bedingungslose Liebe herrschen, und kein Leid und keine Schmerzen mehr.“

Beate Thiehoff ist seit vier Jahren Geschäftsführerin im Emmaus-Hospiz in Resse, wo Menschen in den letzten Tagen ihres Lebens begleitet werden. „Ich glaube fest an ein Leben nach dem Tod, und dieser Glaube stärkt mich in meiner täglichen Arbeit.“ Bildlich mag sie sich das nicht vorstellen, „aber in meinen tiefsten Inneren glaube ich, dass dann einfach alle Sorgen und Mühsal verschwunden sind“. Aus ihrem Umgang mit Sterbenden weiß die Hospizleiterin, dass der Glaube am Ende des Lebens hilfreich ist: „Diese Menschen gehen mit einer gewissen Ruhe.“

An einer Wiederauferstehung zweifelt auch Mechthild Schroeter-Rupieper vom Institut für Familientrauerbegleitung Lavia nicht: „Ich glaube mit einem großen Urvertrauen an ein Leben nach dem Tod.“ Das stellt sie sich nicht bildlich vor: „Aber es wird Ruhe und Frieden herrschen und ich werde die Menschen wiedersehen, die ich liebe.“ Aus ihrer Berufserfahrung heraus vermutet sie sogar: „Es gibt nur wenige Menschen, die nicht glauben, wenn es am Ende existenziell wird.“ Das Osterfest sei auf jeden Fall eine gute Gelegenheit für alle, über die tröstende und hoffnungsvolle Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod nachzudenken.

Einer, der das ohnehin tut, ist Schalke-Pfarrer Ernst Martin Barth: „Ich hoffe, dass ich für immer untrennbar mit Gott verbunden bleibe.“ Ein Bild vom Jenseits hat auch er nicht: „Ich stelle mir das als großes Licht vor, als Friede, in dem wir ruhen, als Hand Gottes, die uns hält.“ Diese Hoffnung wird er Ostern weitergeben, an vier Babys, die am Montag in der Arena-Kapelle getauft werden – „im Lichte der Auferstehung und des Lebens“.

Vorstellung vom Leben nach dem Tod

Stadtdechant Markus Pottbäcker beschreibt seine Vorstellung vom Leben nach dem Tode so: „Es gibt für mich Momente, in denen ich vom Glück überströmt bin. Dann fühle ich mich ganz eins mit Allem und Jedem. Dann stört nichts, dann ist nichts in mir und ich mir nicht im Wege. Das sind sehr seltene, besonders kostbare Momente, die mir wie eine Ahnung dessen vorkommen, was Auferstehung bedeuten könnte. Dass dann alles gut ist, weil Gott – der oder das Gute – mich erfüllt!“

Pfarrerin Sonja Timpe-Neuhaus (Ev. Emmaus-Gemeinde) sagt: „Ich ziehe meinen Hut vor allen Menschen, die, nachdem sie den Kampf um dieses Erdenleben bis zur bitteren Neige ausgekämpft haben, im Vertrauen auf ihren Osterglauben sagen: Nun lasse ich mich fallen in Gottes Hand. Meine persönliche Hoffnung ist, dass es mir einst so widerfährt.“ Auch wenn sie selbst sich viele zweifelnde Fragen stellt, sagt sie: „Ganz tief drin in meinem Herzen regt sich immer noch der rational nicht zu erklärende Übermut, dass, wenn ich am Ende bin, mein Gott noch lange nicht am Ende sein wird und ich durch ihn in wunderbarer Weise überrascht werde.“ Weihbischof Wilhelm Zimmermann, einst Pfarrer an St. Urbanus, sagt im Neuen Ruhr-Wort: „Der Glaube an die Auferstehung ist durchaus eine Zumutung für unsere Vorstellungskraft, aber auch ein großartiges Geschenk Gottes.“