Ein Bühnenbildner aus Leidenschaft

Dem Griechen Giorgos Kolios (35) wurde die Liebe zum Theater mit in die Wiege gelegt.

Gelsenkirchen..  Was hätte aus diesem Jungen anderes werden können als ein leidenschaftlicher Theatermensch? Als Giorgos Kolios vor 35 Jahren in einem Athener Krankenhaus das Licht der Welt erblickte, da erfuhr der Vater hinter den Kulissen der griechischen Nationaloper von der Geburt seines Sohnes. Der Jubel der Zuschauer im Parkett mischte sich am Ende mit dem des Schauspielers auf der Bühne. Das Theaterblut fließt inzwischen durch die Adern von Vater und Sohn gleichermaßen.

Heute arbeitet Giorgos Kolios zwar nicht auf den Brettern, die die Welt bedeuten, aber gleich dahinter, in den Werkstätten des Musiktheaters im Revier, im Malersaal, der Schreinerei, am Computer in seinem Büro. Der Grieche mit Wohnsitz in der Gelsenkirchener Feldmark ist Bühnen- und Kostümbildner mit Leib und Seele und nebenbei auch noch ein nicht minder engagierter und begabter Künstler.

Theater als Lebensraum

„Das war einfach Schicksal, dass ich zur Bühne kam“, lacht der kreative Kopf, wenn er sich an seine Kindheit erinnert: „Mein Vater, der Schauspieler und Bühnenmaler war, nahm mich immer mit ins Theater.“ Pinsel hat er dort ausgewaschen, Materialien angereicht, durch den Vorhang gelugt, wenn aufgebaut wurde: „Das Theater war mein Lebensraum.“

Und ist es bis heute geblieben. Kolios begann zunächst mit dem Studium der Innenarchitektur in Athen und schuf sich damit eine solide Basis für den heutigen Job. An der Kunsthochschule in Thessaloniki studierte er anschließend Bildende Kunst und nahm dann auf den Ratschlag der Mutter, einer Lehrerin, am Erasmus-Studentenaustauschprogramm teil, lebte eine Weile in Hildesheim, Hamburg und Berlin. Die Uni schloss er ab, und dann ging es wieder hinaus in die Welt.

Drei Jahre lang leitete Giorgos Kolios die Ausstattung an der Nationaloper in Athen, unterrichtete an der Schule für Bildende Künste und übernahm das Produktionsmanagement am Athen & Epidaurus Festival. 2012 kam er ins Revier als Ausstattungsassistenz am MiR. Der Mann ist umtriebig, vielseitig, und was er macht, macht er mit Leidenschaft und Engagement: „Ich bin hier einfach glücklich“, sagt er und zeigt Prospekte und Bühnenteile, die er geschaffen hat und solche, an denen er bereits für die nächste Spielzeit arbeitet. Immer im Team: „Theater ist Gruppenarbeit, alles andere wäre eine Katastrophe.“ Das allgemeine Premierenfieber im Haus peppt der Bühnenbildner traditionell mit einer kleinen „Toi,Toi,Toi“-Zeichnung auf, die er an alle verschenkt. Überhaupt, die Malerei: „Die ist mein kleiner Fluchtweg aus dem Stress.“ Wasserreflexionen spürt er nach, Stoffe und Ornamente faszinieren ihn, Körper, die sich darunter abzeichnen. Die filigranen Zeichnungen wirken auf den ersten Blick abstrakt, dann entdeckt das Auge die Figuren darunter.

Vater ist Kolios inzwischen auch und wird die Theaterleidenschaft an Tochter und Sohn weitergeben.

Anfang Mai stellte Giorgos Kolios seine Grafiken beim Projekt „Tür auf!“ unter dem Titel „Betuchte Körper“ auf der Galeriemeile aus. Seine Werke waren unter anderem schon in Bochum, Hamburg, Athen und Belgrad zu sehen.


Am Musiktheater arbeitete Kolios zum Beispiel an Ausstattungen von Jam Sessions des Balletts, am Musical „Das Gespenst von Canterville“ oder an Jugendprojekten „Move“. Zuletzt stattete er die Ballettproduktion „Sweet, Sweet, Sweet“ mit aus. Kolios ist zudem Spezialist, wenn Video-Animationen auf der Bühne gefragt sind.