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Hartz-IV-Neujahrsempfang

Ein Abend ohne Scham

26.01.2009 | 10:37 Uhr

Gelsenkirchen. Beim Neujahrsempfang der Hartz-IV-Selbsthilfegruppe gab es weder lange Gesichter, noch hängende Köpfe. Lockeres Beisammensein im DGB-Haus der Jugend mit Essen, Trinken und ein bisschen Kultur.

Foto: WAZ/Martin Möller

„Die Eingeladenen sollen wenigstens einmal im Jahr von ihrer schwierigen Situation abschalten können”, hatte die Verdi-Geschäftsführerin des Bezirks Emscher-Lippe Süd Martina Peil im Vorfeld angekündigt. Und das taten sie. Im DGB-Haus der Jugend an der Gabelsbergerstraße trafen sich am Samstagabend etwa 50 Hartz-IV-Empfängerinnen und -Empfänger in gemütlicher Runde. Dazu eingeladen hatte die Hartz-IV-Selbsthilfegruppe, die von Verdi und dem Industrie- und Sozialpfarramt (ISPA) getragen wird.

"Wutrede" vom Verdi-Mann

„Die Gruppe trifft sich jeden Donnerstag von zehn bis zwölf Uhr im Kreiskirchenamt”, stellte ISPA-Pfarrer Dieter Heisig die Initiative vor, bei deren Zusammenkünften sowohl Freizeitgestaltung als auch politische Angelegenheiten erörtert würden. Nach seiner Eröffnungsrede und der Begrüßung durch Martina Peil gab es dann erst mal was auf die Teller, bevor ein zwölfjähriger Hornist die Ohren der Anwesenden mit Mozarts kleiner Nachtmusik und Beethovens Ode „An die Freude” verwöhnte.

Was dann folgte, nannte Verdi-Pressereferent Werner Schlegel seine „Wutrede aus gewerkschaftlich und gesellschaftspolitisch aktuellem Anlass”. Er ist der Überzeugung: „Politik wird für 20 Prozent der Leute gemacht.” Was viele der Hartz-IV-Empfänger ärgert, ist ihr Bild in der Öffentlichkeit: „Arbeitslose sind ungebildet und unmotiviert.”

Doris Stöcker von der Selbsthilfegruppe weiß: „Man schämt sich an die Öffentlichkeit zu gehen.” „Die ISPA bietet eine Plattform”, freut sich ein anderer. Allerdings würden sich immer noch zu wenige Betroffene für die Sache engagieren.

Tobias Mühlenschulte

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