Eigene Quellennachweise

Geschichtslehrerin Anja Held (51) betreut den Projektkurs. Und ist begeistert vom Engagement der Studierenden. „Sie investieren freiwillig sehr viel Zeit außerhalb des regulären Unterrichts“, betont sie. Der Unterschied zum „normalen“ Unterricht: „Im Projektkurs gibt es einen ganz anderen Zugang zu Geschichte. Die Informationen sind nicht gefiltert.“ Arbeitsblätter mit Quellennachweisen liegen nicht auf dem Tisch – die jungen Leute betreiben selbst Quellenforschung.

Und sind davon angetan, wie man Timo Ischen und Pierre-Louis Stannies anmerkt. „Wir recherchieren in Original-Dokumenten und müssen die Quellennachweise selbst bringen“, sagen sie. Und machen keinen Hehl daraus, wie spannend es etwa ist, Zeitungen aus der Nazi-Zeit zu lesen („Da gab es sogar schon Kontaktanzeigen“) oder persönliche Tagebuchaufzeichnungen zu studieren. Angefangen haben die Kursteilnehmer mit dem Thema Totenkult in der Zeit des Nationalsozialismus und sich dann der Entstehungsgeschichte des Ehrenmals und der Bauphase bis zur Einweihungsfeier gewidmet. Spannendes haben sie dabei erfahren: Schon während der Weimarer Republik geplant aber nicht realisiert, haben die Nazis die Idee, ein Ehrenmal zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten zu bauen, aufgegriffen. Dafür wurden, so berichtet der 23-jährige Pierre-Louis, Spenden gesammelt. „Die Geldgeber standen damals mit Namen in der Zeitung, was Druck auf andere Leute ausgeübt hat.“ Und er hat noch mehr heraus gefunden: „Es sind damals viel mehr Spenden gesammelt als verbaut worden.“ Anders gesagt: Da sei Veruntreuung im Spiel gewesen.

Die Geschichte des Ehrenmals zu erforschen, war ein Vorschlag von ISG-Leiter Stefan Goch.