Diskussion rund um den Jugendamtsskandal

Der Leserbeirat der WAZ-Redaktion Gelsenkirchen tagte im Leserladen an der Ahstraße.
Der Leserbeirat der WAZ-Redaktion Gelsenkirchen tagte im Leserladen an der Ahstraße.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Hoffnung und Skepsis beim Thema Aufklärung. WAZ-Leser wünschen sich zudem attraktive Eingangsportale in die Stadt.

Gelsenkirchen.. Es ist vor allem ein Thema, das auch den Mitgliedern des WAZ-Leserbeirates massiv auf den Nägeln brennt: der Jugendamtsskandal und seine Aufarbeitung. Beim dritten Treffen der Leserbeiräte in der WAZ-Redaktion an der Ahstraße 12 diskutierten die engagierten Leser zunächst vor allem dieses Thema, äußerten Hoffnung, aber auch Skepsis, was die restlose Aufklärung des Skandals rund um die Unterbringung von Heimkindern im ungarischen Pecs betrifft.

Daneben aber legten die acht Gelsenkirchener (zwei Beiräte waren verhindert) zahlreiche weitere Themen auf den WAZ-Tisch, die sie für spannend halten, und über die sie gerne etwas in ihrer Zeitung nachlesen möchten. An Anregungen und Tipps der vielfältig interessierten Leserbeiräte, an Vorschlägen, an kritischen und lobenden Nachbetrachtungen der Zeitungsarbeit mangelte es nicht.

Zukunft der alten Polizeiwache an der Overwegstraße

Regina Koch (61) aus Heßler zum Beispiel fragt sich, wie eigentlich die Zukunft der alten Polizeiwache an der Overwegstraße aussehen soll: „Ich bin kürzlich an dem Gelände vorbei gegangen, das sieht schrecklich aus dort, das alles vergammelt dort ja ganz fürchterlich.“ Weiter will sie wissen, was aus den inzwischen leer gezogenen Finanzamtsgebäuden in Buer und an der Zeppelinallee werden soll: „Viele leergezogenen Häuser in der Stadt sehen nicht mehr gut aus. Wem gehören die und was passiert damit?“

Fragen, die sich andere Beiratsmitglieder ebenfalls stellen. Norbert Sehlke (65) aus Ückendorf freut sich zwar, dass inzwischen die Hattinger Straße deutlich freundlicher gestaltet wurde, regt aber an, dass das bei möglichst allen Eingangsportalen in die Stadt so sein sollte. So entstand die Anregung des Leserbeirates, den Zustand der Zugänge in die Stadt einmal in der WAZ vorzustellen. Eine Idee, die die Redaktion in den nächsten Wochen gerne aufgreifen will.

Genau wie den Tipp, doch mal zu überprüfen, wie gut oder wie schlecht es mit der Umleitung an der Baustelle Bismarckstraße läuft, ob es dort noch immer Probleme gibt, vor allem für die Anwohner. Auch das ein Hinweis, dem die Redaktion noch einmal nachgehen wird. Wie läuft’s denn mit dem neuen Finanzamt? Auch das etwas, was die Leserbeiräte interessiert.

Ansonsten gab es auch jede Menge Lob vom Leserbeirat für geleistete Arbeit: Für die kürzlich gestartete Serie über Selbsthilfegruppen in der Stadt zum Beispiel. „Tolle Sache“, meinte Wolfgang Kranefoed (65) aus der Feldmark, „ich bin selbst in zwei Selbsthilfevereinen und weiß, wie wichtig deren Arbeit ist.“ Heinz Schröder gefällt die Serie, weil sie offen Probleme von Menschen anspricht: „Gut, dass auch Adressen für Hilfesuchende genannt werden.“ Laura Ann Rosen (20) aus Schalke ist sicher: „Die Serie kann anderen Betroffenen Mut machen.“

Artikel ausgeschnitten

Norbert Sehlke mag die persönliche Note, wenn Menschen und ihre Sorgen vorgestellt werden: „Dadurch kann sich der Leser gut hineinfühlen in die Betroffenen.“

Leserin Regina Koch packte am Ende noch ein kleines Überraschungsgeschenk an die Redaktion aus: einen Zeitungsausschnitt aus den Neunzigern mit einer Kumpel-Anton-Glosse aus der Feder des legendären Kollegen Wilhelm Herbert Koch. „Den habe ich beim Durchsehen des Nachlasses meiner Schwiegermutter gefunden.“ Auch die, letzten Oktober 94-jährig verstorben, war eine treue WAZ-Leserin und schnitt Lieblingstexte sorgfältig aus.