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Umbau des MiR

Die Kirche wird zum Opernhaus

29.08.2009 | 10:00 Uhr
Die Kirche wird zum Opernhaus

Ab dem 6. September finden Konzerte des Musiktheaters im Revier in der benachbarten Kirche St. Georg statt. Ein Blick hinter die Kulissen

Ungewohnte Klänge dringen derzeit aus der Kirche St. Georg an der Florastraße: Ein Klangteppich aus Flötentönen, Streicherpassagen und Schlagzeugeinlagen breitet sich im Kirchenschiff aus. Die Neue Philharmonie Westfalen probt hier für die Eröffnungsgala der neuen Saison des Musiktheaters im Revier, die am kommenden Sonntag, 6. September, hier in St. Georg stattfinden soll. Eine Premiere für die Kirche: Wann passiert so etwas schon einmal, dass ein Gotteshaus zum Opernhaus wird?

Da das große Haus des MiR seit Monaten wegen Renovierungsarbeiten und einer neuen Dachkonstruktion geschlossen ist, suchten Intendant Michael Schulz und seine Mannschaft nach einem Ausweich-ort für Opern und Konzerte – und fanden diesen wenige Gehminuten vom Musiktheater entfernt in der Basilika St. Georg im neuromanischen Stil. Die Akustik des Kreuzförmigen Baus ist schon etwas besonderes, aber nicht nur für die Ohren wird hier viel geboten, auch das Auge kann etwas erleben: Den großen „Heiligenschein”, der als riesiger Lichterkranz über dem zur Bühne umfunktionierten Altarraum schwebt, etwa. Oder die vielen bunten Fenster, die bei Sonnenschein ein ganz besonderes Licht in den Raum zaubern.

Das MiR-Team hat hier kräftig gewirkt in den vergangenen Wochen, um das Kirchenschiff umzubauen in einen optimalen Klangraum: Die Treppen zum Altar wurden mit einem Bühnenpodest überbaut, der Chorraum im hinteren Teil der Kirche wurde mit einer dunklen Wand abgeteilt, Brücken für die Beleuchtung wurden mit Gurten an großen Säulen befestigt. Direkt im Eingangsbereich findet die Abendkasse ihren Platz, mobile Garderobenstangen mit hunderten von Kleiderbügeln reihen sich in den langen Seitengängen aneinander und stehen hier auch schon einmal direkt neben den hölzernen Heiligenfiguren der Kirchengemeinde. Und das Schmuckstück, der Altar, steht inmitten einem Meer von Notenständern. Das Zusammenleben von Kultur und Kirche scheint – optisch zumindest – schon jetzt recht gut zu funktionieren. Alles ist jedoch so angelegt, dass es nach dem MiR-Gastspiel keine Spuren hinterlassen wird.

Rund 650 Plätze bieten derweil die hölzernen Kirchenbänke, die ab sofort den Zuschauerraum des MiR bilden, also zeitweise zumindest, denn gemietet ist die Kirche bis Mitte Januar. Das Große Haus des Musiktheaters soll jedoch schon Wochen zuvor, am 15. Dezember, wieder mit neuem Gesicht seine Türen öffnen. Bis zum Eröffnungsabend in St. Georg sollen auch die letzten logistischen Probleme geklärt sein: Dann werden Toilettenwagen vor der Tür für die Opernbesucher bereit stehen – und ein kleines Cafe´ soll in den Pausen für das leibliche Wohl der Gäste sorgen. Und auf die Akustik der Kirche sind alle jetzt schon gespannt. . .

Hinter den Kulissen regt sich auch Kritik

Nicht überall wird der kurzzeitige Umzug des MiR in die Kirche St. Georg mit Begeisterung aufgenommen. So sind einige Gemeindemitglieder der Kirche, die eine Filialkirche der katholischen Propsteikirche St. Augustinus ist, verärgert über den Einzug des MiR in „ihr” Gotteshaus.

„Es ist mir unerklärlich, wie ein Gotteshaus, das nicht profanisiert worden ist, einfach für weltliche Konzerte und Opernproduktionen genutzt werden kann, die keinen religiösen Bezug haben”, erklärt Gemeindemitglied Klaus Wiegers, nach eigenen Angaben spricht er damit für die 70 bis 80 Gemeindemitglieder, die noch regelmäßig an Andachten und Gottesdiensten in der Kirche St. Georg teilnehmen.

Für den einzigen verbliebenen Vorabendgottesdienst jeden Samstag wurde in der Kirche der Chorraum abgeteilt. Und Silke Schenk, Sprecherin des Musiktheaters, betont: „Wir haben uns mit der Unterzeichnung des Mietvertrages dazu verpflichtet, die Proben und Aufführungen so zu legen, dass dieser Gottesdienst jeden Samstag um 17 Uhr stattfinden kann.”

Fünf Monate lang hat das MiR die Kirche angemietet, der Diözesanadministrator des Bistums Essen hatte dies vorab genehmigt – und folgte damit auch geltendem Kirchenrecht, wie Bistumssprecher Ulrich Lota betont. „Dabei gelten bestimmte Auflagen, etwa, dass die Auswahl der Werke und das Verhalten dem Raum und der Heiligkeit des Ortes angemessen sein müssen. Und dass der Tabernakel mit den Hostien und die heiligen Öle für die Zeit der Umnutzung an einen anderen Ort verlegt werden müssen. Das ist in diesem Fall geschehen.”

Auch Propst Manfred Paas verweist auf die offizielle Ausnahmegenehmigung und auf Kanon 1210 des Kirchenrechts, der Sonderregelungen im Einzelfall erlaubt. „Uns ging es bei der Vermietung der Kirche nicht ums Geld, sondern darum, dem MiR auszuhelfen”, betont er. „Ich denke, dass wir ein positives Signal setzen, wenn die MiR-Besucher uns als offene und einladende Kirche erfahren.” boom

Anne Bolsmann

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