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Zoom-Erlebniswelt

Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin

31.01.2010 | 09:00 Uhr
Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin

Gelsenkirchen. Wer denkt sich bloß solche Welten aus, solche Erlebniswelten, die Alaska an die Emscher holen, Afrika nach Bismarck und jetzt auch noch Asien an die Münsterstraße? Giggi Heuß. Sie ist die "Zoom-Architektin" und will Geschichten erzählen.

Wer inszeniert einen Zoo, der so gar nicht an Zoo erinnern will, sondern kontinentale Sprünge an einem „Urlaubstag” erlaubt, Geschichten erzählen will und zugleich Tiere ohne Gitter und Käfige geradezu beiläufig präsentiert?

Giggi Heuß heißt sie. 55 Jahre ist die „Zoom-Architektin”, die es vorzieht, lieber in der zweiten Reihe zu stehen, eher ungern Interviews gibt und Kameras am liebsten aus dem Weg geht. Doch wenn sie einmal beginnt zu erzählen, zu erklären, zu beschreiben, gibt es fast kein Halten mehr – die ganze Zoom-Idee in einem Menschen.

Gerade mal 1,3 Kilometer lang ist die Wegstrecke durch die Erlebniswelt Asien, die Pfade durch Alaska und Afrika sind länger, die Zoo-Kontinente größer. 1,3 km, das wäre eigentliche eine Sache von vielleicht einer Viertelstunde. Giggi Heuß macht es zu einem langen Marsch durch Asien, vorbei an Pagoden, Tempeln, Bambushainen und Reisfeldern. Ständig verschwenken die Wege, ändern sich Blickwinkel, wird der Besucher unmerklich gelenkt und im Ungewissen gehalten. „Das soll keine Rennbahn sein. Wir wollen überraschen. Man soll an jeder Ecke Neues entdecken, und wenn es das Gleiche aus einer anderen Perspektive ist”, erklärt die Architektin.

Seit zehn Jahren zeichnet die Architektin Giggi Heuß (55) für den Umbau des ehemaligen Ruhrzoos zur Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen verantwortlich. Foto: Martin Möller

Alaska, Afrika, das war gestern, auch wenn seitdem zehn Jahre für die Zoo-Gestalterin ins Land gegangen sind. Jetzt ist Asien. „Ich habe die Bilder im Kopf”, erklärt Heuß. Bilder, wie der Kulturraum, die Landschaft Asien mitten im Revier aussehen soll. Bilder aus eigenen Reisen, Bilder aus unzähligen Büchern, die sie aus Bibliotheken plünderte. Malaysische, indonesische, thailändische Architektur und Baugeschichte vereinen sich auf fünf Hektar ohne kitschig zu werden, ohne zu sehr Disneyland zu schaffen.

Wen wundert es, dass sich die 55-Jährige gleich nebenan in der Zoosiedlung in einer Wohnung eingemietet hat. Mit Oskar, ihrem Papagei, der morgens und abends auf der Schulter oder der Hand sitzend sie hin- und zurückbegleitet. Und neben ihrem Bett liegen Block und Stift griffbereit, falls ihr nachts etwas Neues einfällt. Heuß: „Die Robbenanlage habe ich geträumt.”

In den Landschaftsbau kniete sich die Architektin rein, zur „Jägerin” wurde sie, nicht nach Tieren, sondern nach asiatischen Accessoires, die die perfekte Illusion erzeugen sollen. Mit dem ihr eigenen (und eingestandenen Perfektionismus) ist das so eine Sache: Danach müsste die mächtige Asienhalle eigentlich zwei Meter tiefer in eine Grube gesetzt, verborgen werden. Zu sehr Fremdkörper erscheint sie ihr. Doch das wäre zu teuer gewesen, weiß die Architektin um die Zahlen und hebt hervor, dass der vor zehn Jahren aufgestellte Kostenplan heute noch immer weitgehend aktuell ist.

Ihr Ziel: zufriedene Tiere und Besucher

Zum Zoo kam Giggi Heuß in weiblicher Umwandlung wie der buchstäbliche Bock zum Gärtner. Denn erklärte Zoo-Gegnerin war sie, als die frischgebackene Architektin damals vor 30 Jahren im Karlsruher Hochbauamt den Auftrag bekam, die Leopardenanlage in dem dortigen Zoo umzubauen. „Ich saß heulend zuhause, als ich die Käfige und Kacheln dort gesehen hatte.” Sie entwarf eine neue Anlage, zwackte dafür dem Zoo-Direktor kurzerhand ein Stück seines Gartens ab und war „verraten und verkauft”, als sie die zufriedenen Tiere in ihrem neuen Domizil sah.

Auf dem Plan ist der Brunnen am Eingang der tropenhalle schon fertig. Foto: Martin Möller

Die naturnahe, natürliche wirkende Liaison zwischen Mensch und Tier hat sie in Gelsenkirchen nun zur Perfektion treiben können (nicht ganz, weil sie ja allzu perfektionistisch ist). Wassergräben, Schilfdrahtzäune, Felswände: all diese versteckten Hindernisse trennen unsichtbar Besucher und Bewohner voneinander, nehmen die Zoogänger mit auf eine Urlaubsreise, ins heiße Afrika, ins raue Alaska und nun bald in den Tropendschungel.

Die eigenen Lieblingsplätze

Die Kodiak-Anlage in Alaska ist einer ihrer Lieblingsorte: „Dort kann ich stundenlang stehen, das Wasser donnern hören, die Gischt spüren.” Oder der Blick übers Löwenareal (mit den unsichtbaren Zäunen) hinüber zur im Sonnenlicht flimmernden Savanne, wo die Zebras mit den Hufen scharren. Oder bald Asien: Der Blick von der Gastronomie-Terrasse über die geschwungene Seelandschaft hinüber zur Eingangspagode.

„Geschichten” will die 55-Jährige erzählen. Die von dem geheimnisvollen, verfallenen Tempel, den die heiligen Hullmann-Affen erobert haben. Oder die von den Orang-Utan-Forschern, die im Regenwald eine alte Höhle entdeckten, sich dort eine Baumhütte als Beobachtungsstand für die „Waldmenschen” bauten, zu der eine rostige Treppe führt. Dass damit gleichzeitig ein Notausgang aus der Asienhalle kaschiert, der Treppenaufgang zu den Baumwipfeln des Affengeheges zum Erlebnis wird, ist nichts anderes als pure Absicht, klares Konzept.

Oliver Schmeer

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Kommentare
24.08.2010
12:07
Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin
von carrie91 | #17

Wenn ich daran denke das früher die Zebras auf Beton in diesem Zoo gelebt haben, bin ich umso beeindruckter wie naturgetreu und tierfreundlich nun alles gestaltet wurde. Hohen Respekt an die Archtektin, die Zooleitung, die Tierpfleger und natürlich auch die Arbeiten. Glanzleistung!

05.07.2010
15:15
Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin
von Sarah89 | #16

Leute, Langsam wird es nur noch lächerlich. So ein Bericht Wochenlang auf der Startseite. Geht es noch, oder zahlt der Zoom gut dafür ?

03.07.2010
02:54
Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin
von Unholy | #15

@14 Sarah,
die wissen doch nicht mehr was sie schreiben sollen, die Redaktion wird von Tag zu Tag unfähiger...........................

28.06.2010
16:10
Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin
von Sarah89 | #14

Wie lang bleibt dieser Beitrag noch auf der Startseite ? Wie wäre es mal mit etwas interessanten ?

24.06.2010
09:16
Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin
von maxim | #13

Es dürfte keine normalen Zoos mehr geben, nur noch welche wie das Burgers Zoo und die Zoom EW.

Ich finde Tiere schauen toll und solche Einrichtungen ganz wichtig, nicht jeder kann nun mal nach Afrika oder Asien reisen um sich die Tiere vor Ort anzuschauen.

Klar, es müsste auch nicht UNBEDINGT sein aber wenn schon dann so.
Kinder können die Tiere dann in einer einigermaßen natürlichen Umgebung sehen und nicht in irgendwelchen Kästen.

Und zu der Anzahl der Tiere, weniger ist mehr!

Die Tiere braúchen ja auch Platz und der ist auch nicht unendlich! Ich werde Zoom unterstützen und boykottiere alle normalen Zoos seit Jahren, übrigens auch jeden Circus mit Tieren.

Da gibts übrigens auch Alternativen wie zB den Cirque de Soleil, ganz toll!!!!

24.06.2010
07:16
Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin
von Antonietta | #12

Die Zucht in Gefangenschaft sorgt für einen Überschuss an Tieren. Babys sind nämlich Kassenmagneten und ziehen massenweise Besucher an, die zusätzlich zum Eintrittsgeld auch noch Geld in den Geschenkeshops und Snackbars der Zoos ausgeben.
Zoos können vielleicht größere und feudalere Anlagen bauen, aber es sind und bleiben doch Gefängnisse. Viele Verbesserungen sind eher kosmetischer Art und dienen eher den Besuchern als den Tieren. Die meisten Tiere in Gefangenschaft leiden unter Frustration und Langeweile. Anstatt Millionen darauf zu verschwenden, Unmengen an Tieren einzusperren, sollten wir uns für die Erhaltung und Wiedereinrichtung dessen einsetzen, was wir Menschen den Tieren genommen haben: ihren ursprünglichen Lebensraum.

20.06.2010
19:49
Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin
von Zoobesucher | #11

Wie lange muss das eigentlich noch im RSS Feed stehen?
Bis der Zoo genügend Besucher hat?

19.06.2010
20:16
Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin
von erra68 | #10

Der Zoo mag schön sein. Die Preise aber, die man als Familie zahlen darf, sind nichts für die normale Bevölkerung:
55 € für eine Familie mit 2 Kindern bei einem Zoobesuch oder 180 € für die gleiche Familie für Jahreskarten.
Da fahr ich doch lieber nach Duisburg. Tagesticket (bis 3 Kinder): 32 € oder Jahres karte im Abo gerade mal 81 € also fast 100 € im Jahr weniger!!!

17.06.2010
10:53
Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin
von ArchieLeach | #9

Ein paar Tiere würden dem Zoo gut tun.

Wenn man mal sehen will, wie so etwas richtig gemacht wird, dann einfach mal den Burgers Zoo in Arnheim besuchen.

17.06.2010
10:26
Die Gelsenkirchener Zoo-Architektin
von NadjaS | #8

Das ist Grund? Wegen der Eingangskontrolle mit Scan?
Ich finde es gut, dass so unterbunden wird, dass Karten weitergegeben werden und der Zoo, bestohlen wird.

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