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Die Entdeckungshelfer

04.02.2008 | 21:36 Uhr

Ausbildungspaten ebnen Jugendlichen den Weg in eine Lehrstelle und sorgen anschließend dafür, dass sie bei der Stange bleiben. Beispiel: der Evangelische Kirchenkreis. Er unterstützt die Hauptschule an der Schwalbenstraße

Was macht ein halbes Dutzend Zehntklässler mit einem Legostein, einem Gummihandschuh und einer Muschel? Ganz einfach: erst mal warm werden.

Zehn, zwölf Stunden, je nach Bedarf, sitzen gut 40 Hauptschüler von der Schwalbenstraße - verteilt über das Schuljahr - in Kleingruppen zusammen, treffen sich alle paar Wochen beim Evangelischen Kirchenkreis. Dabei machen sie sich fit, werden fit gemacht - für den Arbeitsmarkt. Das Ziel formuliert Sabine Sinagowitz vom federführenden Industrie- und Sozialpfarramt (ISPA) in drei Worten: "einen Job finden".

Wenn das mal so einfach wäre. Lehrstellen gibt's bekanntermaßen nicht für jeden, und die, die eine haben, brechen nicht selten ab. Hier setzen die Ausbildungspaten an. Sie bauen, so das Ziel, ein Vertrauensverhältnis zu den Jugendlichen auf, arbeiten mit Eltern, der Schule und - wenn es mit der Lehrstelle geklappt hat - auch mit dem Ausbildungsbetrieb zusammen.

Ausbildungspate, das ist vor Ort auch die Evangelische Kirche. Sie unterstützt die Beckhausener Hauptschule mit dem Projekt "Learning by doing". Die Schule, so formuliert es der stellvertretende Leiter Wolfgang Terjung, ist "heilfroh über die Hilfe". Der Ausbildungsmarkt, so der Pädagoge, "bricht zusammen". 30 Prozent seiner Schüler kämen als Lehrlinge unter, diese Quote hofft er, durch die Patenschaft zumindest halten zu können.

Unternehmer, aber auch mal Lehrlinge kommen zum Gespräch mit den Schülern, reden über Voraussetzungen, die sie mitbringen müssen, und Anforderungen, die sie erwartet. Außerdem werden Berufe vorgestellt und immer wieder Vorstellungsgespräche eingeübt. Letzteres übrigens auch mit verteilten Rollen, sagt Trainer Jörg Haase. Wenn Schüler in die Rolle eines Unternehmers schlüpfen, wüchsen sie buchstäblich um einige Zentimeter, sagt er schmunzelnd. Und nicht zuletzt erkennen sie, dass der Chef hinter dem Schreibtisch "auch nicht immer die Ruhe in Person ist".

Klaus Buchholz macht den jungen Menschen Mut. Der ehemalige Arbeitsamtsdirektor, in Beckhausen in der Nachbarschaft der Hauptschule zu Hause und als Ausbildungspate im Unruhestand aktiv, sieht nach einem halben Jahr Begleitung bei den Hauptschülern "konkrete Schritte": Über die vielen Wochen hätten sie sich kräftig weiterentwickelt.

Vor allem hätten sie das: ihre persönlichen Stärken gefunden und definiert. Das sei das Wichtigste: Die Ausbildungspaten sehen sich gerade auch als "ein Stück Entdeckungshelfer" (Sinagowitz). Sie wollen den Schülern, so Buchholz, "nicht die Arbeit abnehmen", sondern ihnen zeigen, was in ihnen steckt. Und das, betont Lehrer Terjung, sei "eine Menge Potenzial".

Natürlich: Auch Schwächen würden in dem Projekt offengelegt. Oder in den Worten von ISPA-Frau Sabine Sinagowitz: "Wir sprechen auch Klartext". "An sozialen Kompetenzen", stellt Buchholz aber klar, "kann man arbeiten." Am Ende des Schuljahrs, so das gemeinsame Ziel, sollen die Schüler ihre Stärken nutzen und die Schwächen so weit beseitigt haben, dass ihnen eine Lehrstelle winkt.

Und wofür werden nun Legostein, Gummihandschuh und Muschel gebraucht? Wie gesagt: Zum warm werden, sagt Sabine Sinagowitz. Bevor nämlich das nächste Vorstellungsgespräch geprobt wird, nimmt jeder Schüler einen Gegenstand aus einem Kasten, der auf dem Tisch steht. Dieser Gegenstand muss dann in eine Geschichte eingebaut werden, die die Gruppe gemeinsam spinnt.

Ob das nicht irgendwie auch eine Übung ist? Zur Entdeckung der eigenen Kreativität? Oder zur besseren Präsentation in der Gruppe? Die Verantwortlichen schmunzeln.

Von Michael Muscheid

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