Reportage
Die Emotionen der Kommunalwahl
31.08.2009 | 15:20 Uhr 2009-08-31T15:20:00+0200
Mister-60-Prozent Frank Baranowski schwebt auf einer roten Wolke aus Standing Ovations und Jubelgesängen, die CDU mit OB-Kandidat Norbert Mörs ist zutiefst enttäuscht. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt - die Emotionen der Kommunalwahl.
Ließe sich die Stimmung in den politischen Lagern am Kommunalwahlabend auf einen Nenner bringen, hieße der wohl: himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.
Friede-Freude-Eierkuchen und Euphorie
Im Stadtnorden das Stelldichein im Saal Cottbus des Rathaus Buer: Was sich hier abspielt, bleibt bis genau 20.13 Uhr Friede-Freude-Eierkuchen und schlägt dann um in Euphorie. Da gibt es keine Unfreundlichkeiten unter politischen Gegnern, da gibt es weder Etikette- noch Attitüde-technisch irgendwelche Ausreißer.
Wenn sich FDP-OB-Kandidatin Susanne Schaperdot und BIG-OB-Kandidat Ali-Riza Akyol schon bei dessen ersten Eintreten ins Getümmel prächtig unterhalten - Sandkastenfreunde sind nichts dagegen! Schließlich haben auch beide etwas zu feiern. „Wir haben uns zwar vier bis sechs Sitze im Rat gewünscht - aber wir sind auch so zufrieden, immerhin haben wir es aus dem Stand geschafft, eine kleine Bewegung auf die Beine zu stellen”, betont Akoyl.
Und auch bei der FDP nur erfreute Töne. „Wir haben als einzige der kleinen Parteien zugelegt”, sagte die Stadt- und Bezirksverordnete Susanne Schaperdot. Die „konstante, qualitativ gute Arbeit” habe sich gelohnt.
Alles läuft wie geschmiert
Oder ob es daran liegt, dass das Drumherum fluppte? „Ganz tolle Arbeit unserer Wahlhelfer”, lobt der städtische Wahlkampforganisator Hans-Georg Nasiadek. Keine Probleme bei der Auszählung, alles läuft wie geschmiert.
So kann dann um besagte 20.13 im hohen Norden die kleine politische Sensation ganz harmonisch und für sich stehen. Mister-60-Prozent Frank Baranowski schwebt auf einer roten Wolke aus Standing Ovations und Jubelgesängen („Es gibt nur einen Baranowski”) - und macht in seiner gekonnt bescheidenen Gestik nur diese eine kurze Bemerkung: „Alle Wahlbezirke gewonnen! Das ist einfach phänomenal!"
Nach Superlativen ist den Grünen im Museumscafe nicht gerade zumute. Die Wahlsieger der SPD in der buerschen Schauburg auf der anderen Straßen buchstäblich vor Augen, suchen sie nach Erklärungen. „Das Ergebnis ist nicht schön zu reden. Wir hatten uns deutlich mehr erhofft”, sagte Grünen-Sprecherin und OB-Kandidatin Irene Mihalic. Am Wahlkampf könne es nicht gelegen habe.
Manch ein Frust-Bierchen wird gekippt
Im Stadtsüden hingegen, wir befinden uns im Manhattan am Heinrich-König Platz: eine tief enttäuschte CDU. Das Debakel ist früh absehbar. Die ersten haben weit vor 20 Uhr in der Sportsbar die Jacken übergeworfen, sind frustriert abgezogen. Manch ein Frust-Bierchen wird gekippt. Der Fraktionsvorstand um Werner Wöll berät sich, OB-Kandidat Norbert Mörs sitzt mit dem CDU-Vorsitzenden Wolfgang Meckelburg an einem Tisch. Spät ist Mörs gekommen und gibt sich erst noch leutselig. „Na, wie sieht's denn aus?”, fragt er in die Runde und lässt sich die ersten Ausdrucke mit Stimmen und Prozentzahlen geben. Später ist Schadensbegrenzung angesagt. Mit klaren Worten.
„Das ist nicht das Ergebnis, das wir uns vorgestellt haben. Es hätte deutlich besser sein können. Alle, die in der letzten Wahlkampfphase aktiv waren, hatten einen anderen Eindruck”, sagt Mörs. Für Meckelburg ist es „der eigentlich schlimmste Tag in meinem Leben. Ich bin tief enttäuscht, ich kann das gar nicht anders sagen. Norbert Mörs hat gekämpft wie ein Löwe, er war präsent, er war der beste Kandidat, den wir in dieser Wahl zu bieten hatten, dennoch hat es nicht hingehauen.”
„Wir und diese Stadt haben es nicht verdient, so vom Wähler abgestraft zu werden”, sagt Wöll fassungslos und warnt im gleichen Atemzug: „Was nicht passieren darf, ist, dass die Personaldiskussion einsetzt.” Er weiß, dass für die CDU im nächsten Rat die „Aufgabenstellung deutlich schwieriger wird.” Die Fraktion wird deutlich schrumpfen. Sein Trost: In der Opposition werde es leichter, „klare Positionen zu vertreten”.
Die Nachlese am Montag dürfte zur Krisensitzung werden. „Das ist ein verheerendes Ergebnis, das wir uns heute noch ein bisschen schöntrinken müssen, ehe wir morgen im Kreisvorstand Tacheles reden. Mal sehen was dabei rauskommt”, sagt der Junge-Union-Vorsitzende Christian Knippschild.
CDU ist hart gelandet
Ratsfraktions-Vize Wolfgang Heinberg ist da längst die halbwegs gute Laune nach den ersten TV-Wahlprognosen im WDR vergangen. Mit knapp 40 % sah der Sender die CDU kurz nach 18 Uhr im Land als Gewinner. „Die Überschrift ist schon mal gut. Das wird jetzt übertragen auf alle Kommunen”, witzelte er da noch. Zwei Stunden später ist die CDU in Gelsenkirchen bei 22,5 % hart gelandet.
21:33
Der wohl bessere grüne Abschied der „Besseren Kandidatin“
Wenn jemand sich nach einem Ergebnis von rund minus 1.300 Stimmen noch bestätigt fühlt als OB-Kandidatin und Vorstandssprecherin, dann nennt man das wohl Realitätsverlust. In absoluten Stimmen haben die Grünen das verloren, was sie 2004 hinzugewonnen haben. Sie haben 881 Stimmen der Bürgerinnen und Bürger Gelsenkirchens verloren. Die FDP hat fast das gleiche in absoluten Stimmen hinzugewonnen, um genau zu sein 798. Das müsste die Grünen doch nachdenklich machen, oder?
Aus meiner Sicht müsste Frau Mihalic zurücktreten – als Vorstandssprecherin der Grünen genauso wie von ihrem Ratsmandat. Es ist zwingend geboten. Zumindest müsste sie die politische Verantwortung für das desaströse Wahlergebnis übernehmen. Ihr Wahlkampf war in Gelsenkirchen nur auf ihre Person gemünzt und sie hat auf ganzer Linie verloren. So etwas muss man sich auch eingestehen können!
Doch weit gefehlt! Frau Mihalic glaubt ein gutes Ergebnis erreicht zu haben, weil die Grünen weiterhin die dritt stärkste Fraktion stellen und beleidigt fleißig ohne Grund die SPD in Gelsenkirchen. Das alles zeugt von sehr wenig Sinn und politischem Verstand sowie von keiner Sensibilität. Und wie da eine effektive und gute Oppositionspolitik gelingen soll, das bleibt rätselhaft.
Um es mit Felix Magath zu sagen:
Bei den Grünen in Gelsenkirchen ist viel zu viel geredet und viel zu wenig gearbeitet worden.
Allein auf einem Plakat auf die Begriffe „Ökologisch und Sozial“ zu verweisen, ohne sie politisch mit Leben zu füllen ist einfach viel zu wenig, um politisches Gewicht zu gewinnen.
Wenn man als kleiner Koalitionspartner die Möglichkeit nicht nutzt, die eigene Arbeit und Erfolge herauszustellen: An wem hat das wohl gelegen? An der SPD? Wohl kaum, oder?
Rücktritt ist ein guter Ausweg Frau Mihalic!
11:06
Habe da noch nichts gefunden, aber dafür hier 2 interessante Links:
http://www.election.de/cgi-bin/content.pl?url=ltw_wahl.html
http://www.wahlrecht.de/ergebnisse/index.htm
21:34
Ich benötige mal Nachhilfeunterricht, weil: Gestern hörte ich beim Arzt, wie eine junge Frau für ihre Schwiegermutter ein Rezept wollte. Auf die Frage, warum die nicht selbst komme wurde gesagt, sie könne nicht, weil sie ja faste...
Ernsthafte Frage: Wer weiß den Anteil der muslimischen Wähler oder Nichtwähler? Ist deren Fastenzeit wirklich für eine Wahl bei uns ein Problem? Dürfen sie tagsüber nicht raus?
Noch ´ne Frage: Wer weiß, wie hoch die Wahlbeteiligung der Erstwählerinnen und Erstwähler war, also der 16 bis 20jährigen?
21:18
was nun#25 von der auf den Zahn fühlt angeht, es gibt eine Steigerung auch für Sie. Man muss nur erkennen was unter einem Stein lebt und schon ist man beim Apostel Markus. Siehe es schleimt und sabbert aber der Herr lässt alle leben.
13:08
FEHLERKORREKTUR
Es zeigt sich hierbei, dass die beiden großen Parteien SPD mit 22,63% und CDU mit 10,12% nur die Wahlbevölkerung vertritt!.
13:05
Aber HALLO, was heißt hier Kantersieg und großer Jubel! Ich habe mal die Nichtwähler als Partei genommen und komme somit auf ein fatales Ergebnis aller Parteien. Es zeigt sich hierbei, dass die beiden großen Parteien SPD mit 22,63% und CDU mit 10,12% der berechtigten Wahlbevölkerung vertreten. Von daher sollte man das Ergebnis der SPD mit 50,4% sehr vorsichtig betrachten. Das gilt auch für die CDU und alle anderen demokratischen Parteien.
Hier meine Auswertung:
Nichtwähler 54,24%
SPD 22,63%
CDU 10,12%
Grüne 2,87%
FDP 2,01%
Linke 2,46%
DLA 0,16%
AUF 0,74%
BIG 1,67%
WiR 0,20%
Pro NRW 1,95%
11:12
Hallo zusammen,
erst einmal möchte ich die Streithähne hier daran erinnern, das es sich hier um ein Forum handelt, das sich mit Kommentaren zum Artikel befasst und nicht
um private Auseinandersetzungen auszufechten!
Zur Wahl unseres alten und neuen OB`s kann ich nur sagen: Herzlichen Glückwunsch und GLÜCK AUF, Herr Baranowski
bitte kümmern Sie sich um unsere Jugendlichen, gehen sie vor Ort und fragen Sie sie was sie für Ihre Freizeitaktivitäten brauchen und halten Sie diese im Auge!
10:23
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07:40
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04:28
@#21
Ich weiß nicht wie sie dazu kommen hier pauschale Unverschämtheiten gegen meine Person zu äußern. Ich denke auch Werturteile stehen ihnen sicherlich auf mich bezogen nicht zu - genau genommen sind sie in diesem Land in dieser Form sogar verboten.
Ihre gut gemeinte Analyse krankt aber nicht nur daran das sie es sich nicht verkneifen konnten sie mit dem letzten Absatz zu diskreditieren.
Einige Beobachtungen sind sicher nicht ganz falsch, andere wiederum voll und ganz.
In keiner Stadt NRWs haben die Grünen den Status als drittstärkste Kraft behauptet in welcher sowohl die SPD die absolute Mehrheit holt als auch in fast allen Wahlbezirken an ein Migrantenwahlbündnis verloren wurde. Auch das ist ein Fakt. Punkt.
Das heißt es hat ein teilweiser Austausch von WählerInnen stattgefunden, die Grünen haben Wähler verloren als auch andere Wähler wieder hinzu gewonnen.
Dies ist zweifellos nicht allein der Wirkung einer Kampagne zuzusprechen sondern schlicht der Bewertung der letzten Wahlperiode durch unsere WählerInnen.